Fachbereich Veterinärmedizin


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Biographische Datenbank

Gamgee, John

Titel:

Prof. Dr. med. vet.

Wirkungsort:

Edinburgh: Königlich Tierärztliche Hochschule

Portrait:

BMTW, 76, 1963, 343

Biografie:

  • geboren im Jahre 1831 in Florenz, Italien
  • gestorben im Jahre 1894 in den USA
  • Sohn des Tierarztes und Professors John Gamgee sen., der von 1823-1825 an der Tierärztl. Hochschule in London studierte und 1823-1855 in Italien als Tierarzt praktizierte
  • John Gamgee jun. begann ein humanmedizinisches Studium, musste dann an das Roayal Veterinary Kolleg wechseln
  • 1852 Diplomabschluss als Tierarzt
  • 1852-1854 Studienreise an die Tierärztl. Hochschulen in Frankreich, Deutschland und Italien mit dem Schwerpunkt „Tierseuchen“
  • 1855 Lecturer in Veterinary Medicine and Surgery mit Vorlesungen am Royals Veterinary College in Camden Hall; dazu befasste er sich mit Tierstall- und Fleischhygiene
  • 1856 Ruf auf den Lehrstuhl für Anatomie und Physiologie am Veterinary College in Edinbourgh (Direktor: Dick). Trennung bereits nach einem Jahr
  • 1857 Eröffnung des Konkurrenzunternehmens „New Veterinary College“ in Edinbourgh mit Einbeziehung der Hygiene und der seuchenhaften Erkrankungen
  • 1863 Einladung zum I. Internationalen Tierärztekongress
  • 1865 Verkauf des College an eine Privatgesellschaft und Verlegung als „Albert Veterinary College“ nach London
  • 1865 Ausbruch der Rinderpest in England – Gamgee befasste sich besonders mit der Bekämpfung dieser Seuche und weniger mit der Hochschullehre – sein College musste aus wirtschaftlichen Gründen schließen
  • Auswanderung in die USA
  • Tätigkeit im staatlichen veterinärmedizinischen Untersuchungswesen
  • Nach einigen Jahren physikalischer Forschungen zur Thermodynamik und Kondensation von Gasen entwickelte er die Herstellung von Kunsteis zur Nutzung für Eisbahnen und zur Möglichkeit der Kühlung leicht verderblicher Lebensmittel auch auf langen Transportwegen
  • Sein Hauptvorwurf an die amerikanische Verwaltung war die unkontrollierte Einfuhr auch von kranken Tieren oder verseuchten Produkten
Bedeutung:

Gamgee erkannte die Gefahr der Einschleppung, Ansteckung und Verbreitung von Seuchen durch Übertragung der Erreger über kranke Tiere oder verseuchte Produkte. Er stand im Widerspruch zur damaligen Wissenschaft und Verwaltung in Großbritannien und den USA, suchte aber Hilfe durch die Organisation zweier internationaler Tierärztekongresse. Der erste fand vom 14. bis 18. Juli 1863 in Hamburg statt. Nach 100 Jahren wurde vom 14.-21. August 1963 der 17. Weltkongress (World Veterinary Congress, WVC) in Hannover durchgeführt und zu Ehren seines Gründers der John Gamgee Award (als Goldmedaille) gestiftet, mit dem seitdem hervorragende und beispielgebende Leistungen in der Tiermedizin und im tierärztlichen Berufsstand gewürdigt werden.

Die von Gamgee damals vertretenen Prinzipien der Tier- und Lebensmittelhygiene (hier auch durch Nutzung der Kühlketten) wurden später in allen Ländern Grundlage der tierärztlichen Tätigkeit in der öffentlichen Gesundheitspflege.

Quellen:

AwpT Archiv für wissenschaftliche und praktische Tierheilkunde
BMTW Berliner und Münchener tierärztliche Wochenschrift