Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

Biographische Datenbank

Ullrich, Konrad

Titel:

Prof. Dr. Dr. h.c.

Lebenszeit:

11.06.1903 bis 18.09.1989

Wirkungsort:

Berlin: Humboldt-Universität (HU), Freie Universität (FU); München: Universität

Publikationen zum Geburtstag oder Todestag:

*75: BMTW, 91, 1978, 219

Nachruf:

+BMTW, 102, 1989, 360; 103, 1990, 36

Portrait:

BMTW, 76, 1963, 219

Portrait zum 70. Geburtstag, KTPr, 18, 1973, 88

Biografie:

Am 11. Juni 1963 begeht Herr Prof. Dr. K. Ullrich, Vorstand der Medizinischen Tierklinik an der Tierärztlichen Fakultät der Universität München, seinen 60. Geburtstag. In einem abgelegenen Forsthaus im böhmisch-bayerischen Wald geboren und aufgewachsen, gab ihm das Milieu der väterlichen Oberförsterei mit Landwirtschaft und Jagdhundzucht eine Passion für die Natur mit auf den Lebensweg, die entscheidend für Neigungen und Berufswahl Ullrichs wurde. Über das humanistische Gymnasium führte ihn sein Studium an die tierärztlichen Hochschulen bzw. Fakultäten in Dresden, Leipzig, Berlin, Wien und Brünn, wo er 1927 approbierte und 1928 promovierte. Nach einer Famulatur am Pathologischen Institut in Berlin und einjähriger Assistenz am Parasitologischen Institut unter Nöller war Ullrich 4 Jahre lang Assistent an der Medizinischen Klink der Tierärztlichen Hochschule in Brünn. Dort hatte er als 1. Assistent der Poliklinik für Kleintiere Gelegenheit, sich mit den Krankheiten der kleinen Haustiere so vertraut zu machen, daß er sich 1932 in Prag als Fachtierarzt für kleine Haustiere niederlassen konnte. Krieg, Militärzeit und Ausweisung verschlugen ihn nach Thüringen, wo er vorübergehend eine neue Heimat fand, bis er 1946 als Professor an die Humboldt-Universität berufen und mit der Leitung der Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere und des Instituts für Veterinär Pharmakologie betraut wurde. Im Neuaufbau seiner Klinik, in der Neugestaltung des klinischen und pharmakologischen Unterrichtes und in der Aus- und Fortbildung der in der Kleintierpraxis tätigen Tierärzte Berlins und des mitteldeutschen Raumes entfaltete Ullrich trotz eigener Not und der allgemeinen Berliner Nachkriegsmisere eine Aktivität, die ihm die Hochachtung seiner Kollegen und Schüler eintrug. Binnen kurzem war er mit seiner Klinik Autorität auf dem Gebiet der kleinen Haustiere und wurde maßgebend für diesen klinischen Zweig der Veterinärmedizin. Unter seinem Einfluß konnte W. Schulze in Leipzig die ehemalig Rheinhardt'sche Poliklinik für kleine Haustiere, die ihre Patienten ursprünglich an die drei Disziplinen-Kliniken weitergab, als Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere errichten. Man ging an die Ullrich'sche Klinik nach Berlin, um sich auszubilden, und Ullrich war ein begehrter Vortragender auf wissenschaftlichen Tagungen und Fortbildungsveranstaltungen. An der neugegründeten Fakultät der Freien Universität setzte Ullrich diese erfolgreiche Tätigkeit fort. 1955 folgte er einem Ruf auf den Lehrstuhl für innere Veterinärmedizin nach München und übernahm dort die Medizinische Tierklinik. Die wissenschaftliche Tätigkeit Ullrichs hat ihren Niederschlag in zahlreichen Veröffentlichungen gefunden, in denen der Hund zwar im Mittelpunkt, aber keineswegs allein steht. Geflügel, Schweine, Wild, Pferd und Wiederkäuer waren Gegenstand seiner Arbeit. Bedeutendes hat er vor allem auf dem Gebiet der Kleintierkrankheiten hervorgebracht. Sein Interesse gilt in gleicher Weise der Diagnostik wie der Therapie, der Medizin wie der Chirurgie. Stets ist es sein Bemühen, der Praxis von der Klinik her durch Pionierarbeit zu dienen. Denn im Herzen ist Ullrich ein begeisterter und begeisternder Praktiker geblieben, dem der gelungene „Fall" ebensolche Freude bereitet wie das Denken im System seiner klinischen Pharmakologie etwa. Wir dürfen von Ullrich weitere schöne Erfolge in seinen Arbeiten erwarten. Getragen von seiner Passion für die lebendige Natur, der er auch im eigenen Haus und Garten eine Heimstatt pfleglich bereitet hat, liebevoll begleitet von der dem tierärztlichen Pflichten- und Lebenskreis von Haus aus verbundenen Gattin, verehrt von seinen Schülern und Mitarbeitern, befindet sich Professor Ullrich auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Seine Freunde, Kollegen und Schüler entbieten ihm herzliche Grüße und Glückwünsche.

L. F. Müller, Berlin, BMTW, 76, 1963, 219

BMTW Berliner und Münchener tierärztliche Wochenschrift
KTPr Kleintierpraxis