Fachbereich Veterinärmedizin


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Biographische Datenbank

Pusch, Friedrich Gustav Julius

Titel:

Königl. (Sächs.) Landestierz.dir. OMedR Prof. Dr.

Lebenszeit:

17.10.1858 bis 01.02.1912

Wirkungsort:

Dresden: Tierärztliche Hochschule (TiHo)

Nachruf:

+BMTW, 71, 1958, 410: Gedenkschrift

Portrait:

BMTW, 71, 1958, H. 20

Biografie:

Wortlaut eines Nachrufes im „Lehrbuch der allgemeinen Tierzucht“ Aufl. v. 1911:

Auf der Höhe des Lebens und mitten in seiner fruchtbringenden Tätigkeit wurde am 1. Februar 1912 der Professor an der Tierärztlichen Hochschule, Landestierzuchtdirektor für das Königreich Sachsen, Obermedizinalrat Dr. Gustav Pusch in Dresden plötzlich und unerwartet aus diesem Leben abberufen. Es ist mir als dem Herausgeber der 3. Auflage seines Lehrbuches der Allgemeinen Tierzucht ein Bedürfniß, dem von mir hochgeschätzten, verdienten Mann an dieser Stelle einen kurzen Nachruf zu widmen.

Pusch wurde am 17. Oktober 1858 in Pförten (Niederlausitz) geboren. Er studierte an den Hochschulen in Berlin und Dresden und erlangte an der Tierärztlichen Hochschule in Dresden im Jahre 1881 die Approbation als Tierarzt. Hierauf war er als Assistent und später als Prosektor zuerst in Berlin und dann an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover tätig. 1884 bestand er das Examen für beamtete Tierärzte und wirkte darauf als Kreistierarzt in Küstrin. Mit der Dissertation „Beiträge zur Kenntnis des schlesischen Rindviehschlages" wurde Pusch 1888 von der Universität Leipzig zum Dr. phil. promoviert. In demselben Jahre folgte er einem Ruf als Professor an die Tierärztliche Hochschule in Dresden. Sein Lehrauftrag erstreckte sich auf Tierzuchtlehre und Gesundheitspflege der Haustiere, und bis zum Jahre1893 war er gleichzeitig Leiter der ambulatorischen Klinik. Die Vorlesung über Gesundheitspflege hat er bis zum Jahre 1902 gehalten und sich von diesem Zeitpunkt an ausschließlich auf die Tierzuchtlehre beschränkt. Für sie war er aber nicht nur als akademischer Lehrer, sondern auch als Wanderlehrer für Tierzucht und von 1892 an als Landestierzuchtdirektor für das Königreich Sachsen tätig.

Die Forschungseinrichtungen an der Tierärztlichen Hochschule in Dresden hat er wesentlich vervollkommnet. Das im Jahre 1902 errichtete Zootechnische Institut mit Rassestall verdankt seiner Anregung die Entstehung. Hier hat Pusch seine wertvollen Untersuchungen über Rassen- künde, Beurteilung, Fütterung und Haltung der Haustiere, Milchgewinnung usw. angestellt. Das Material seines Instituts wußte er in Vorlesungen und Übungen in ausgezeichneter Weise für die Studierenden nutzbar zu machen. Anlegende Exkursionen nach wichtigen Zuchtstätten und hochstehenden Zuchtgebieten sowie Ausstellungen trugen weiter dazu bei, seinen Schülern die nötige Anschauung zu bieten.

Vielfache literarische Arbeiten haben Pusch weiteren Kreisen bekannt gemacht. Sie erstreckten sich teilweise auf die Tierheilkunde, teilweise auf die Grenzgebiete zwischen dieser und der Tierzucht. Die meisten beschäftigen sich aber mit tierzüchterischen Fragen, und sehr oft hat er seine Beobachtungen auf Studienreisen und Ausstellungen veröffentlicht. Besonders interessierte ihn die Frage der Milchgewinnung unter hygienischen Gesichtspunkten. Soweit seine Arbeiten in Zeitschriften und in den amtlichen Berichten über die Tätigkeit seines Instituts in den jährlichen Veröffentlichungen der Tierärztlichen Hochschule in Dresden sowie in seinen Mitteilungen über Tierzucht in den Berichten über das Veterinärwesen im Königreich Sachsen erschienen sind, kann an dieser Stelle nicht näher auf sie eingegangen werden. Von selbständigen Werken sind zu nennen „Anleitung zur sachgemäßen Handhabung der Rindviehzucht", 3. Aufl. 1891 ; „Das Gestütswesen Deutschlands", Berlin 1891; „Wandtafeln zur Beurteilungslehre des Rindes", Berlin 1901; „Die Beurteilung des Rindes", 2. Aufl. Berlin 1910, und das hier vorliegende „Lehrbuch der Allgemeinen Tierzucht", von dem die erste Auflage 1904, die zweite 1911 in Stuttgart erschien. Besonders die beiden letztgenannten Werke haben nicht nur in den Kreisen der Studierenden, sondern auch in denjenigen der praktischen Landwirte eine weite Verbreitung gefunden, und durch sie hat Pusch wesentlich zur Förderung der Tierzucht beigetragen. Die Tierzucht des Königreichs Sachsen hat ihm als Landestierzuchtdirektor viel zu verdanken, und an den großen Fortschritten der Rindviehzucht ist er hervorragend beteiligt. Die staatlichen Maßnahmen zur Förderung der Rindviehzucht, so z. B. das Gesetz über die Körung von Zuchtbullen von 1906, die Errichtung der staatlichen Bullenaufzuchtsstationen usw. sind in erster Linie durch seine tätige Mitwirkung^ entstanden. Als Mitglied der Königlichen Kommission für das Veterinärwesen und des Landeskulturrates für das Königreich Sachsen stand er mit der Praxis in unmittelbarer Verbindung, In der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft war er Mitglied des Sonderausschusses für Rinderzucht und desjenigen für die Bekämpfung der Tierkrankheiten. Jahrelang hat er als Preisrichter und später als Obmann des Preisgerichts für Rinder auf den Schauen der D. L. G. gewirkt. Die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde zählte ihn zu ihren Begründern und zu den eifrigsten Ausschußmitgliedern.

Wo immer er tätig war, ging er ganz in seinen Aufgaben auf. Große Arbeitsfreude und reges Pflichtgefühl zeichneten ihn aus, und im Verein mit einer hervorragenden Begabung ließen diese Eigenschaften ihn viel Segen stiften. Seine Kollegen haben ihn als Zeichen ihrer Hochschätzung von 1903 an für vier Amtsperioden in den Senat der Tierärztlichen Hochschule gewählt. Seinen Schülern war er ein vortrefflicher Lehrer, und groß war die Zahl seiner Freunde, die dem persönlich liebenswürdigen und zuvorkommenden, vornehm denkenden Mann über das Grab hinaus ein treues Andenken bewahren. J(ohannes) Hansen (Königsberg).

Quellen:

AwpT Archiv für wissenschaftliche und praktische Tierheilkunde
BMTW Berliner und Münchener tierärztliche Wochenschrift