Fachbereich Veterinärmedizin


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Biographische Datenbank

Wheeler, George

Titel:

Marstallveterinär

Wirkungsort:

Potsdam

Biografie:

Als Friedrich II. am 28.8.1756 an der Spitze seiner Regimenter in den Siebenjährigen Krieg zog, versahen bei seiner Feldequipage (187 Reit- und Wagenpferde, 66 Maultiere) 2 Reitschmiedemeister mit zwei berittenen Schmiedegesellen, begleitet von einem Knecht auf einem Klepper, den Veterinärdienst und den Hufbeschlag. Der eine Meister war der Reit- und Arztschmied George Wheeler, der die Pferde des Reitstalles zu betreuen hatte. Wheeler brachte seinem König in der Schlacht bei Kunersdorf am 12.8.1759 mitten im feindlichen Feuer die Ersatzpferde heran und behandelte die verwundeten Leibreitpferde während des ganzen siebenjährigen Krieges. Bei Kunersdorf wurde von den Leibreitpferden zuerst der Vogel, ein brauner Engländer verwundet, der während des Siebenjährigen Krieges siebenmal von feindlichen Kugeln getroffen wurde, dann ein Fuchs. Sonst wurden noch in den Schlachten bei Hohenfriedberg, Czaslau, Hochkirch, Liegnitz und Torgau Pferde unter dem König getötet. Den Sternrappen ritt er am 10.4.1741 bei Mollwitz, auf dem langen Schimmel verließ er ebendort siegreich das Schlachtfeld. Der Rotschimmel Cäsar (gekauft Im November 1760 in Meißen), der Friedrich am 21.7.1762 durch die Gefahren von Burkersdorf und Reichenbach trug, erhielt sein Gnadenbrot im Potsdamer Marstall, stand unangehalftert, durfte sich frei im Lustgarten ergehen, starb dort in den letzten Lebensjahren des Königs und wurde an dein Orte begraben, an dem er zusammengebrochen war. Zu den weiteren Lieblingspferden gehörten der englische Fliegenschimmel Condé, ferner Hiltrim, Sternbraun, Hanibal und Scipio. Die letztgenannten englischen Vollblüter ritt Friedrich II. noch im Juli 1783 in Sanssouci 97. Den letzten Ritt unternahm der König nach schwerer Krankheit auf dem Condé am 4.7.1786. Dieser Wallach erhielt nach dem Tode Friedrichs des Großen am 17.8.1786 das Gnadenbrot und starb 38 Jahre alt in der damaligen Berliner Tierarzneischule. Bild Kupfer Condé auf dem nebenstehenden Kupferstich aus dein Jahre 1798, den wir V o l f verdanken, sehen wir den alternden Condé noch stolz und kraftvoll im Garten der Schola veterinaria Berolinensis an der Pauke stehen. Aus dem Hintergrunde lugt zwischen hohen Bäumen die klassische Fassade der Zootomie hervor, die Johann Gotthard Langhans, der Erbauer des Brandenburger Tors, geschaffen und deren Hörsaalkuppel Bernhard Rode, der bedeutendste Schüler von Antoine Pesne, mit 8 als Relief gemalten Bildern geziert hat.

Das Skelett des Leibreitpferdes verwahrt das Veterinäranatomische Institut der Friedrich-Wilhelms-Universität, der ausgestopfte Condé steht im Hohenzollernmuseum im Schloß Monbijou. In Potsdam ist der König nie im Vagen gefahren, sondern nur geritten. Dafür standen ihn Marstall in der Regel 40-60, 1754 sogar über 100, 1775 48 englische und polnische Leibreitpferde im Leibreitstall zu Sanssouci 23 27 31. In Potsdam lag bis 1775 die Ausübung der Pferdeheilkunde und des Hufbeschlages ein- und derselben Person ob, und zwar im Kutschstall dem Hof- und Arztschmied Samuel S i e f e r t, im Reitstall dem Reit- und Arztschmied George W h e e l e r

29.) Daß der König von der damals noch allerorts üblichen Personalunion zwischen Kur- und Beschlagschmied wenig hielt und den rein tierärztlichen Praktiker bevorzugte, zeigt sein Befehl, für den Potsdamer Marstall am 31.8.1781. „Einen aparte Cur und Arztschmied anzunehmen, der bloß allein, alle Curen, sowohl im Reit- als Kutschstall zu verrichten, hingegen aber zwei geschickte Beschlagschmiede, die nichts anderes als den Beschlag der Pferde und Maultiere zu besorgen haben, und zwar einen aparten im Reitstall und einen anderen im Kutschstall". Dieser Befehl brachte dem Potsdamer Marstallveterinärwesen einen wesentlichen Fortschritt. Die Personalunion zwischen Kur- und Beschlagschmied wurde beseitigt. Wheeler, der im Krieg und Frieden lang bewährte Reit- und Arztschmied des Reitstalles versah fortan den gesamten Veterinärdienst im Reit- und Kutschstall und führte die Aufsicht über die Beschlagschmiede Samuel Siefert und ClirisJan Stegmann, die nur den Hufbeschlag im Kutsch- bzw. Reitstall ausübten. Meister Samuel Siefert starb, erst 53 Jahre alt am 5.2.1788 „am Schwulst". Noch heute erinnert die Siefertstraße in Potsdam an die fridricianische Reit- und Arztschmiedfamille Siefert. Die Dienstverhältnisse des Marstallveterinärs Friedrichs des Großen lagen folgendermaßen: Nach dem Dienstvertrag vom 1.12.1775 empfing Wheeler für Medicin und Curen bey dem „Königl. Reitstall", „vor 58 Stück Engelische und Pohlnische Reitpferde, à 3 gr. (= Groschen) pro Stück monatlich, und also 1 Reichsthaler 12 gr. jährlich; 87 Reichsthaler, und vor 20 Stück Pagen- und Klepperpferden 1 gr. monatlich, mithin 12 gr. jährlich: 10 Rthlr., in Summa 97 Rthlr. jährlich und also 24 Reichsthaler 6 gr. Quartaliter." Für die Behandlung von Schäden, welche die beiden Beschlagschmiede Siefert und Stegmann unter Umständen den königlichen Pferden zufügten, hatten sie jeweils Wheeler zu bezahlen. Wheeler war nicht verpflichtet, seine Beschlagschmiede die Pferdeheilkunst zu lehren, was sonst an Marställen üblich war. Nach dem Erlaß des Oberstallmeisters Graf von Schwerin vom 26.7.1783 mußte der Marstallveterinär Wheeler täglich um 5 Uhr abwechselnd mit dem Beschlagschmied Stegmann eine Morgenvisite des Leibreitstalles in Sanssouci vornehmen und um 7 Uhr dem Stallmeister von Brüsewitz Meldung erstatten. Als tierärztlicher Sachverständiger trat Wheeler auf in den Verhören über die Mattigkeit der englischen Leihreitpferde in Sanssouci 1783. Damals am 23.7.1783 beurteilte er eingehend das Futter und den Gesundheitszustand der Leibreitpferde Hiltrim, Sternbraun, Hannibal, Scipio, Vogel, Bassa, des „jungen braunen", des Rotfuchs und des Goldbraunen. Nach diesen Akten zu urteilen, war Wheeler ein geschickter, allseitig anerkannter Marstallveterinär, der sich den Stallmeistern gegenüber als tierärztlicher Sachverständiger durchzusetzen verstand

27). Ueber Wheelers weiteres Schicksal schweigen die Urkunden. Wahrscheinlich nahm er nach dem Tode seines großen Königs auch für immer Abschied vom Marstall und Kutschstall. Deren Gebäude, „Orangerie" und „Langer Stall", hatte Friedrich II. ihrem höheren Zweck gemäß nach den Plänen Hans Georg Wenzels von Knobelsdorff mit Fassaden und Portalen verändert und geschmückt, so daß Potsdam noch heute die sehenswürdigsten Marställe des Barock besitzt.

Quellen:
  • Rieck, W.: Georg Wheeler, der Potsdamer Marstallveterinär Friedrich des Grossen. [George Wheeler, the Potsdam marshal of Frederick the Great]. In: Berliner tierärztliche Wochenschrift. 46(2), 1930. 29-30
  • Hauffe, Werner: Das Potsdamer Marstallveterinärwesen / von Werner Hauffe. - Berlin, 1937. - 121 S. - Ill.