Fachbereich Veterinärmedizin


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    Validierung und Anpassung eines Modells der exogenen Creatinin-Clearance für die Katze zur Anwendung in der Kleintierpraxis (2003)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Finnah, Anke
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2003 — 164 Seiten
    ISBN: 3-89820-541-X
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001064
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Physiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62600
    physiologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Chronische Niereninsuffizienzen sind eine insbesondere bei älteren Katzen häufig auftretende Erkrankung, deren frühe Stadien keine oder nur unspezifische klinische Symptome zeigen. Mittels der gängigen Laborparameter, der Serum-Harnstoff- und Creatinin-Konzentrationen, ist eine Funktionseinbuße der Nieren erst dann zu erkennen, wenn bereits 60-70 % des funktionellen Gewebes ausgefallen sind. Nur anhand der Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) ist eine genauere Beurteilung der Nierenfunktionen möglich. Die bislang verwendeten Methoden der GFR-Bestimmung haben auf Grund der aufwändigen Durchführung wenig Eingang in die klinische Praxis gefunden.
    Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, ein Modell der modifizierten exogenen Creatinin-Clearance (P-CLterminal) zur Bestimmung der GFR bei Katzen für die Anwendung in der tierärztlichen Praxis anzupassen und zu validieren.
    Es wurden insgesamt 91 Katzen untersucht, die in drei Gruppen eingeteilt wurden. Gruppe 1 enthielt klinisch "nierengesunde" Tiere, deren Serum-Harnstoff und Creatinin-Werte im Referenzbereich lagen und die auch sonst keine Anzeichen für eine Nierenerkrankung aufwiesen. Diese Katzen dienten zur Bildung des Referenzbereichs für die P-CLterminal. In Gruppe 2 wurden alle azotämischen Katzen eingeordnet und in Gruppe 3 alle Tiere, bei denen der Verdacht auf eine subklinische Nierenfunktionsstörung bestand. Es wurden folgende vergleichende Untersuchungen durchgeführt: die Messung der renalen Clearance (R-CL) von Creatinin und Sinistrin, der Gesamtplasmaclearance (P-CLgesamt) der beiden Marker sowie die Be-stimmung der P-CLterminal.
    Die Werte der R-CL schwankten bei beiden Markern im Zeitverlauf, und die Berechnung des Quotienten von R-CLCrea und R-CLSin ergab, dass Creatinin in den Nieren der Katze variabel behandelt wurde (Netto-Sekretion/Netto-Reabsorption/kein tubulärer Netto-Transport). Trotzdem konnte mittels der Clearance des Markers Creatinin eine Beurteilung der GFR vorgenommen werden, da die Clearancewerte von Sinistrin und Creatinin sowohl bei der R-CL als bei der P-CLgesamt korrelierten. Creatinin war sowohl labor- als auch funktionsdiagnostisch als Marker zur Beurteilung der GFR bei Katzen geeignet.
    Die Werte der P-CLgesamt waren bei sedierten Tieren niedriger als bei denselben Katzen in nicht sediertem Zustand. Bei gefütterten Katzen wurden beide Marker deutlich schneller ausgeschieden als bei nicht gefütterten Tieren, und die Werte der P-CLgesamt unterschieden sich signifikant voneinander. Der Vergleich der Werte nach i. v. bzw. s. c. Applikation bei denselben Katzen ergab weder bei der P-CLgesamt noch bei der P-CLterminal signifikante Unterschiede.
    Zur Messung der P-CLterminal wurden den Katzen, nach Entnahme einer Nullprobe zur Bestimmung der endogenen Creatinin-Konzentration, 2 g einer 5 %igen Creatinin-Lösung pro m² KOF appliziert. In der terminalen Phase der Creatinin-Ausscheidung waren 3 weitere Blutproben zu entnehmen, die um den Wert der Nullprobe korrigiert wurden. Die Konzentrations-Zeit-Kurven der Creatinin-Ausscheidung zeigten in einem Zeitfenster von 120-720 Minuten p. appl. einen monoexponentiellen Verlauf, d. h. in diesem Zeitraum ist die Messung der P-CLterminal möglich. Die Größe des Exponenten beta in der terminalen Phase der Creatinin-Ausscheidung, d. h. wenn die Umverteilungsprozesse abgeschlossen sind und der Abfall der Kurve in erster Linie durch die renale Elimination bestimmt wird, beschreibt die Steilheit des Abfalls der Kurve und stellt damit ein Maß für die Höhe der P-CLterminal dar. Aus dem Verhältnis der Größe des Exponenten beta des Patienten in Relation zur Größe des mittleren Exponenten beta der Referenzgruppe (Gruppe 1) wurde die P-CLterminal berechnet.
    Aus den Daten der Katzen der Gruppe 1 ergab sich ein Referenzbereich für die
    P-CLterminal von 50-90 ml/min/m² KOF. Die P-CLterminal war bei azotämischen Katzen (Gruppe 2) signifikant niedriger (32,0 [22,3-43,2] Median [1.-3. Quartil] ml/min/m² KOF) als bei den Katzen der Gruppe 1 (65,5 [56,2-79,3] ml/min/m² KOF). Der Vergleich der Werte der P-CLterminal mit den zugehörigen Werten endogenen Creatinins zeigte, dass sich eine Abnahme der GFR in einem weiten Bereich nicht in einer Erhöhung der endogenen Creatinin-Konzentration widerspiegelte.
    Mittels der P-CLterminal ist es möglich, die GFR bei Katzen unter klinischen Bedingungen einfach, zeit- und kostengünstig zu beurteilen. Vor der Durchführung der Clearancemessung sollten die Tiere einer >6-stündigen Nahrungskarenz unterzogen werden. Die Applikation der Creatinin-Lösung kann unter Zugrundelegung des gleichen Referenzbereichs sowohl i. v. als auch s. c. erfolgen.