Fachbereich Veterinärmedizin


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    Untersuchungen zur modifizierten exogenen Kreatinin-Clearance nach oraler oder subkutaner Markerapplikation beim Hund (2004)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Baumgardt, Thomas
    Quelle
    Berlin, 2004 — 107 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001285
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Physiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62600
    physiologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Tiere und Versuchsanstellung:
    Die Untersuchungen erfolgten an n = 29 Hunden unterschiedlicher Rassen mit einem Alter
    von 2 bis 11 Jahren. Mit Hilfe der Plasma-Clearance (P-CL) von exogen zugeführtem
    Kreatinin wurde die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) der Tiere bestimmt. Kreatinin erhielten
    die Tiere als Marker (a) oral oder (b) subcutan verabreicht. Die Hunde waren entweder im (1)
    nüchternen oder (2) gefütterten Zustand. Anhand des bekannten Indikators Xylose wurde das
    intestinale Absorptionsverhalten von Kreatinin vergleichend geprüft.
    Ergebnisse:
    Nach oraler Applikation der Markersubstanz Kreatinin konnten folgende Resultate ermittelt
    werden:
    1. Im Nüchtern- Zustand der Hunde konnte der Bereich zwischen 2,5 und 19,5 Stunden und
    nach Fütterung zwischen 3 und 19,5 Stunden nach Applikation des Markers bestimmt
    werden, in denen Kreatinin monoexponenziell ausgeschieden wird. In diesem Zeitfenster
    erreichte der Medianwert (M) der Exponenten β in den Versuchsgruppen Werte von
    -0,0027 bis -0,0048 im Nüchtern- Zustand und von -0,0008 bis -0,0045 im gefütterten
    Zustand.
    Nach subcutaner Applikation der Markersubstanz Kreatinin konnten folgende Resultate
    ermittelt werden:
    2. Im Nüchtern- Zustand der Hunde konnte der Bereich von 3 bis 9 Stunden (M von β=
    -0,0040 bis -0,0052) und nach Fütterung von 1,5 bis 12 Stunden (M von β= -0,0051 bis
    -0,0065) nach Gabe des Markers als der Bereich der monoexponenziellen Ausscheidung
    des Kreatinins bestimmt werden.
    Durch die zeitgleiche orale Gabe der Markersubstanzen Kreatinin und Xylose an dieselben
    Hunde konnte das intestinale Absorptionsmuster der beiden Testsubstanzen untersucht
    werden. Folgendes Ergebnis wurde festgestellt:
    3. Der Zeitpunkt der maximalen Serum- [Kreatinin] (tmax,Kreatinin) wurde im Nüchtern-Zustand
    und nach Fütterung der Hunde zwischen 0,5 und 3 h später erreicht, als die gleichfalls ermittelten
    Werte der maximalen Serum- [Xylose] (tmax,Xylose) derselben Tiere. Dies lässt
    einen unterschiedlichen enteralen Absorptionsmechanismus beider Substanzen vermuten.
    Bekanntlich wird Xylose im Duodenum und oberen Jejunum passiv sowie aktiv durch ein
    enterales Transportsystem für Zuckermoleküle transportiert. Die Ergebnisse für das Kreatinin
    lassen eine Absorption der Substanz durch die Mukosa in einem distal gelegenen
    Darmabschnitt vermuten.
    Weiterhin kann angenommen werden, dass intraluminales Kreatinin das natriumabhängige
    Transportsystem für Kreatin zur enteralen Absorption nutzt. Wie bei der Markersubstanz
    Xylose, existiert neben dem erwähnten Aktivtransport vermutlich auch ein Passivtransport
    für Kreatinin. Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass Kreatinin die Muskelzelle durch
    einfache Diffusion verlassen kann.
    Mit Hilfe der ausgewählten Zeiträume für die monoexponenzielle Ausscheidung von exogen
    zugeführtem Kreatinin wurde die GFR mittels einem �Nichtkompartiment- Modell� als PCLKreatinin,
    exogen berechnet. Folgende Daten konnten ermittelt werden:
    4. Nach Applikation im Nüchtern-Zustand ergaben sich bei den Versuchs- und Feldtieren
    Werte zwischen 99,8 ± 19,53 und 113,7 ± 11,5 2 1 m min ml − − ⋅ ⋅ . Diese Befunde liegen nahe
    den in der Literatur mitgeteilten Angaben.
    5. Für die GFR im gefütterten Zustand der Hunde ergaben sich Werte zwischen 98,3 ± 12,07
    und 131,6 ± 27,78 2 1 m min ml − − ⋅ ⋅ .
    6. Die Wahl der Applikationsart und des Fütterungszustandes der Versuchstiere nimmt einen
    nachweisbaren Einfluss auf die nach unserem Verfahren ermittelten GFR-Werte und auf
    die zugehörigen Exponenten β im monoexponenziellen Teil der Ausscheidungskurve des
    Kreatinins. Die Werte der GFR (117,5 ± 14,03 2 1 m min ml − − ⋅ ⋅ ) und der zugehörigen
    Exponenten β nach subcutaner und oraler Applikation (131,6 ± 27,78 2 1 m min ml − − ⋅ ⋅ ) im
    Fütterungszustand unterscheiden sich statistisch signifikant. Keine statistisch erfassbaren
    Unterschiede konnten für die GFR- Werte (113,7 ± 11,5 2 1 m min ml − − ⋅ ⋅ ) und Exponenten
    β nach subcutaner und oraler Applikation (99,8 ± 19,53 2 1 m min ml − − ⋅ ⋅ ) der Markersubstanz
    Kreatinin im Nüchtern-Zustand nachgewiesen werden.
    Die Exponenten β unterscheiden sich statistisch nachweisbar nach subcutaner Verabreichung
    von Kreatinin im Fütterungs-Zustand vom ungefütterten Zustand der Probanden.
    Dieser Befund unterstreicht Angaben in der Literatur, wonach postprandial die Nierentätigkeit
    deutlich ansteigt.
    Um den oft unbekannten Einfluss von Nahrungsaufnahme auf die Ermittlung der GFR auszuschließen,
    ist unter Praxisbedingungen der renale Funktionstest im Nüchtern-Zustand der
    Probanden durchzuführen. Die Applikation des exogenen Kreatinins im ungefütterten Zustand
    ist nach den Ergebnissen dieser Arbeit oral und subcutan möglich. Eine Messung der Serum-
    [Kreatinin] in den Nachtstunden sollte unterbleiben, da die GFR in dieser Zeit bis zu 30 % unter der Tagesnorm liegen kann.
    Um den Funktionstest innerhalb eines Tages abschließen zu können, sind als Zeitpunkte für
    die Blutabnahmen 3 und 12 Stunden nach oraler und 3 und 9 Stunden nach subcutaner Markerzufuhr
    empfehlenswert. Eine dritte Blutprobe innerhalb dieser Zeiträume ist notwendig,
    um die Anpassung der drei gemessenen Serum-[Kreatinin] an die Regressionsgerade in der
    halblogarithmischen Darstellung validieren zu können. Liegt das Βestimmtheitsmaß im
    Nüchtern- Zustand der Hunde unter R2 < 0,994 nach oraler Markergabe bzw. R2 < 0,997 nach
    subcutaner Verabreichung des Kreatinins, ist der Funktionstest besser zu wiederholen.
    Für die Applikation des Markers Kreatinin an die Hunde existieren praktisch vorteilhaft
    mindestens zwei Möglichkeiten. Sowohl die orale Zufuhr in Tablettenform als auch die
    subcutane Applikation mit 5 %-iger Lösung führten zu vergleichbaren Werten der GFR bei
    den Tieren. Hinzu kommt die klassische intravenöse Gabe von exogen zugeführtem Kreatinin
    zur Bestimmung der renalen Ultrafiltration.