Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Bewertung von Chlamydien-assoziierten Veränderungen der Lungenfunktion bei Kalb und Schwein mittels Impuls-Oszilloresistometrie und der Software FAMOS (2006)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Jäger, Julia
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2006 — 178 Seiten
    ISBN: 3-86664-102-8
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002284
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Physiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62600 Fax.+49 30 838-62610
    email:physiologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Aufgabenstellung: Untersuchungen klinisch gesunder Kälber und Schweine zeigten, dass bei einem Teil der Tiere regelmäßig eine spontane Besiedlung des respiratorischen Systems mit Chlamydien nachgewiesen werden kann. Unklar war, (a) ob es sich hierbei um ein Kolonisations-Phänomen oder um eine klinisch inapparente Infektion handelt und (b) in welchem Ausmaß die Lungenfunktion betroffener Tiere beeinflusst wird. Ziel dieser Untersuchungen war die Evaluierung des Einflusses von Chlamydien auf die Lungenfunktion von Kalb und Schwein. Studiendesign: An 16 klinisch unauffälligen Schweinen im Alter von 5 - 27 Wochen (Körper¬massen von 7 - 100 kg) und 25 klinisch unauffälligen Kälbern im Alter von 2 - 7 Monaten (Körpermassen von 40 - 158 kg) wurden mittels „Masterscreen-IOS“ (VIASYS Healthcare) lungenfunktionsdiagnos¬tische Tests durchgeführt. Jedes Tier wurde über einen Untersuchungs¬zeitraum von sechs Monaten (2. - 7. Lebensmonat) kontrolliert. Der Erreger¬nachweis wurde mittels PCR in Augentupfer-, Na¬sentupfer- und Kottupferproben sowie post mortem in Organproben durchgeführt. Für serologische Untersuchungen wurde beim Schwein ein ELISA und beim Kalb eine KBR angewandt. Zur Datenauswertung wurde nach vorangegangener Validierung die Software FAMOS (Fast Analysis and Monitoring Of Signals) eingesetzt. Sie ermöglicht bei Schweinen und Kälbern eine exaktere Betrachtung der respiratorischen Impedanz in niedrigen Frequenzen, die von der gängigen Messtechnik standardmäßig nicht angeboten wird. Ergebnisse: Bei sechs der 16 untersuchten Schweine wurden folgende chlamydiale Spezies im Lungengewebe nachgewiesen: C. psittaci, C. trachomatis, C. pecorum. Alle 16 Schweine waren serologisch negativ (ELISA). Bei 13 von insgesamt 25 untersuchten Kälbern gelang der Nachweis spontaner Besiedlungen des respi¬rato¬rischen Systems mit folgenden Spezies: C. psittaci und C. pecorum. Sieben der 13 Tiere wiesen außerdem in der serologischen Untersuchung (KBR) Antikörper gegen Chlamydien auf. Die Tiere beider Spezies wurden in Gruppen [Chlamydiennachweis positiv (Chl+); Chlamydiennachweis negativ (Chl-)] klassifiziert und bezüglich ihrer klinischen und lungenfunktionsdiagnostischen Befunde mit folgenden Resultaten verglichen. Schweine: - signifikant erhöhte Rektaltemperatur bei Tieren mit positivem Chlamydiennachweis - keine klinisch manifesten Symptome einer respiratorischen Infektion (Fieber, Husten, Nasen- o. Augenausfluss, Atmungsfrequenz) - keine Beeinträchtigungen der Lungenfunktion Kälber: - signifikant erhöhte Rektaltemperatur bei Tieren mit positivem Chlamydiennachweis - keine klinisch manifesten respiratorischen Symptome - signifikant höhere Werte in den Kenngrößen der Ventilation bei Tieren mit positivem Chlamydiennachweis (Atmungsfrequenz, Atemzugvolumina, Atemminutenvolumina) - signifikant höhere Strömungswiderstände in den peripheren und zentralen Atemwegen bei Tieren mit positivem Chlamydiennachweis Schlussfolgerungen: Die an Schweinen gewonnenen Untersuchungsergebnisse weisen darauf hin, dass eine klinisch inapparente Besiedlung des respiratorischen Systems mit Chlamydien nicht zwangsläufig mit dem Lungenreifungsprozess interferieren und zu einer Beeinträchtigung der Lungenfunktion führen muss. Bei diesen Tieren, die auch serologisch keinen Hinweis auf eine immunologische Auseinandersetzung mit dem Erreger aufwiesen, sind die mittels PCR geführten Erregernachweise lediglich im Sinne einer Kolonisation der Schleimhäute des respiratorischen Systems ohne funktionelle Konsequenzen zu interpretieren. Bei Kälbern, die neben dem Erregernachweis auch serologische Hinweise für eine immunologische Reaktion auf Chlamydien aufwiesen, muss von dem Vorhandensein einer klinisch inapparenten Infektion ausgegangen werden. In diesem Zusammenhang wurden –sowohl morphologisch wie auch funktionell – chronisch-obstruktive Veränderungen in den Atemwegen nachgewiesen.