Fachbereich Veterinärmedizin


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    Morphologische und physiologische Untersuchungen an transparenten und kataraktösen Linsen von Farm- und Wildlachsen (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Willeke, Katja
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — 172 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-454-0
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000005256
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Physiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62600
    physiologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    In Ländern wie Norwegen und dem Vereinigten Königreich hat die Farmhaltung von Salzwasserfischen, speziell Lachsen, in den zurückliegenden 10 bis 15 Jahren große wirtschaftliche Bedeutung erlangt.
    Aus diesen Ländern wurde in den zurückliegenden 8 Jahren vermehrt über eine zunehmende Rate von Kataraktausbildung bei Lachsen berichtet. Die Katarakte können aus den bisherigen Kenntnissen der Fischlinsenphysiologie und –morphologie nicht erklärt werden.
    In der vorliegenden Arbeit werden verschiedene Schritte der Glykolyse in der Fischlinse (anhand von Bestimmung der spezifischen Aktivität von 5 Enzymen in definierten Linsenschnitten) spektrophotometrisch untersucht. Es werden erste Einblicke in die Stoffwechsel-Physiologie der Fischlinse gezeigt und Voraussetzungen für die spätere gezielte Untersuchung von möglichen Kataraktnoxen benannt.

    Der Linsenstoffwechsel der Lachse verläuft ähnlich dem der Säugetiere.
    Die gemessenen Enzymaktivitäten liegen in der Fischlinse deutlich unterhalb derer, die von Säugetierlinsen bekannt sind.
    Die niedrigen Enzymaktivitäten können Ausdruck einer Anpassung an die umgebende Wassertemperatur sein.
    Die relativ hohen LDH-Aktivitäten und PFK-Aktivitäten beweisen das Stattfinden der Glykolyse in der Augenlinse von Lachsen.
    Die niedrigeren PFK-Aktivitäten in den kataraktösen Farmlachslinsen können die Hemmung dieses Enzyms durch ein Überangebot an Glukose oder eine Entkopplung der Glykolyse beispielsweise durch Organophosphate anzeigen.
    Die G6P-DH liefert ein Indiz für das Vorhandensein des Pentosephosphatweges.
    Eine erhöhte AR-Aktivität weist auf einen latenten Typ II-Diabetes hin. Dies ist bei den unveränderten Linsen der Farmlachse und bei Kataraktlinsen gezeigt worden und deutet darauf hin, dass der Farmlachs ein ständiges Nahrungsüberangebot nicht verstoffwechseln kann.
    Eine hohe SDH-Aktivität bei den nur kurzfristig unter Stress stehenden WSS könnte eine Schutzfunktion anzeigen. Nimmt der WSS kurzfristig viele Kohlenhydrate zu sich, könnte die SDH verstärkt arbeiten, um ein Überangebot an Sorbit zu verhindern. Der Farmlachs dagegen weist nur geringe SDH-Aktivitäten auf, was Ausdruck eines Unvermögens ist, mit dem ständigen Glukoseüberangebot zurechtzukommen. Im Gegensatz zum Wildlachs steht der Lachs in der kommerziellen Fischzucht aufgrund von unnatürlichen Haltungsbedingungen (hohe Besatzdichte, permanentes Futterangebot, künstliche Belichtung) ständig unter Stress. Der Stoffwechsel scheint durch die Futteraufnahme – bei bereits gedecktem Bedarf – zu entgleisen. Als Argument für diese Hypothese wird die Assoziation von BMI (Verhältniszahl zwischen Körpergröße und Gewicht) und Katarakthäufigkeit beim Menschen angeführt.
    Der schädigende Einfluss von regelmäßig eingesetzten Pestiziden (Organophosphate) auf die Augenlinse ist wahrscheinlich und sollte in späteren Arbeiten gezielt untersucht werden.
    Die Linse scheint den intraokularen Parasitenbefall zu tolerieren. Dies zeigte sich dadurch, dass der Parasitenbefall weder auf das LFG (ungestörtes Wachstum) noch auf die Transparenz der Linse im Sinne kataraktogener Veränderungen Einfluss genommen hat.
    In der vorliegenden Arbeit wird auf die Prüfung triploider Fische hinsichtlich der Zuchteignung hingewiesen und es werden die Faktoren (osmotischer) Stress, Pestizide, Nahrungszusammensetzung, Temperatur, UV-Licht, oxidative Prozesse, Besatzdichte und Wachstumsgeschwindigkeit als mögliche Kataraktursachen aufgeführt. Deren weitere monokausale Überprüfung hinsichtlich Kataraktogenität ist notwendig.