Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Charakterisierung des Na + -Transportes am isolierten Psalterepithel des Schafes (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Dölle, Maren
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — a-d, 105 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-457-1
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000005250
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Physiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62600 Fax.+49 30 838-62610
    email:physiologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Eine wichtige Funktion des Blättermagens der Wiederkäuer ist die Absorption von großen Mengen HCO3- im Austausch mit Cl-, um eine übermäßige Gasbildung in Form von CO2 im Labmagen zu verhindern und um eine ausreichende Ansäuerung der Ingesta im Labmagen gewährleisten zu können. Für den effektiven transepithelialen Transport (Absorption) von HCO3- müssen mindestens zwei Voraussetzungen gegeben sein: a) Wirksame Regulation des pHi und b) Energetisierung des apikalen Cl-/ HCO3- Austauschers. Die pH-Regulation im Blättermagenepithel erfolgt subapikal zur Kompensation der HSCFA Aufnahme wahrscheinlich zunächst primär über die Aktivität des Na+/H+-Austauschers (NHE). Die passive Aufnahme von HCO3- im Austausch mit Chlorid (Anionen-Austauscher) erfordert subapikal Chlorid und als Voraussetzung für den passiven Austausch einen entsprechenden Chloridgradienten. Dieser wird primär durch den NaCl-Cotransporter in der apikalen Membran sichergestellt, so dass die Aktivität des NaCl-Cotransporters als wichtige Voraussetzung für die Energetisierung des Bikarbonattransports anzusehen ist. Subapikales Chlorid ist zudem Voraussetzung für die Aktivität des NHE und somit für die pH-Regulation.
    Der HCO3- - Transport zeigt also eine eindeutige indirekte Abhängigkeit vom elektroneutralen Na+-Transport (NHE und NaCl-Cotransporter).
    Die vorliegende Studie bringt nähere Erkenntnisse über den elektroneutralen Na+-Transport am Blättermagenepithel des Schafes im Hinblick auf dessen Charakteristika, kinetische Eigenschaften und Regulationsmechanismen.

    1. Kinetik des elektroneutralen Na+-Transportes
    a. Der elektroneutrale Na+-Transport beschrieb sowohl bei einem pH-Wert von 7,4 als auch bei 6,4 auf mukosaler Seite eine Sättigungskinetik gemäß einer Michaelis-Menten-Kinetik. Eine Sättigung tritt ab ca. 40 mM Na+ ein.
    b. Die pH-abhängige Stimulierung des elektroneutralen Na+-Transportes wurde durch den Einsatz von Amilorid gehemmt werden, d.h. er wird über die Aktivitätssteigerung eines NHE realisiert. Die maximale Transportgeschwindigkeit (Vmax) war bei pH 6,4 signifikant größer als bei pH 7,4.
    c. Eine Aktivität des NHE3 war ab einer luminalen Na+-Konzentration von 12 mM nachzuweisen. Der NaCl-Cotransporter nimmt seine Aktivität erst ab etwa 25 mM Natrium auf. Bis diesen genannten Na+-Konzentrationen könnte es zu einer Einschränkung für den HCO3--Transport kommen, welcher auf einen Cl-Gradienten angewiesen ist.

    2. Differenzierung des elektroneutralen Na+-Transportes
    a. Der NHE-Blocker Amilorid und der NaCl-Cotransporter-Hemmstoff Hydrochlorothiazid (HCTZ) zeigten in der angewandten Dosierung von jeweils 1 mM keinen additiven Effekt auf den Na+-Transport.
    b. S3226, ein NHE3-Isoform-Blocker, war am Blättermagenepithel wirksam in einer Dosierung von 1 µM. Der Netto-Na+-Transport wurde durch S3226 auf die Größe des jeweiligen Kurzschlussstromes reduziert. Dementsprechend fand nach der Zugabe von 1 µM S3226 auf der mukosalen Seite kein elektroneutraler Na+-Transport mehr statt. Dies ist ein Hinweis auf die Existenz einer NHE3-Isoform an der apikalen Membran.
    c. 1 mM Amilorid und 1 µM S3226 zeigten einen additiven Effekt. Amilorid scheint eine geringere Sensitivität als S3226 zu haben.
    d. S3226 zeigte in der wirksamen Dosierung von 1 µM auf der serosalen Seite keinerlei Effekte.
    e. HOE 642, ein NHE1-Isoform-Blocker, zeigte keine Wirksamkeit auf der mukosalen Seite.

    3. Trafficking
    a. Die Zugabe von 1 nmol Wortmannin auf der mukosalen Seite hatte keinen Effekt auf den Na+-Transport. Die Stimulierung des Na+/H+-Austausches durch Absenkung des mukosalen pH-Wertes wurde nicht beeinflusst. Es gibt keinen Hinweis für Trafficking an der apikalen Membran des Blättermagenepithels als ein möglicher Mechanismus der Aktivitätssteigerung des NHE3.

    4. Korrelation von Jms und Jsm Na+
    a. Jms und Jsm Na+ konnten ab einer Konzentration von über 50 mM Acetat bei einem pH von 6,4 auf der mukosalen Seite „entkoppelt“ werden. Dies bestätigt die mögliche Theorie der Existenz von zwei in Serie geschalteten Na+/Na+-Austauschern in der apikalen und basolateralen Membran, wobei der apikale Transporter in einen Na+/H+-Austauscher wechseln könnte. Dies könnte eine Art Servomechanismus für die pH-Regulation der Zelle darstellen.
    b. Die wachsende Differenz zwischen Jms und Jsm Na+ bei der „Entkopplung“ konnte durch 1 µM S3226 eliminiert werden, die Zunahme von Jms Na+ ist also auf die Aktivitätssteigerung einer NHE3-Isoform zurückzuführen. Art und Weise der Aktivierung bedarf weiterer Untersuchungen.