Fachbereich Veterinärmedizin


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    Einfluss einer Supplementation von Nicht-Stärke-Polysaccharid-hydrolysierenden Enzymen und einer Alpha-Amylase auf einige Leistungsparameter bei Milchkühen (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Wenning, Peter
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — 123 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-390-1
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_4490
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Physiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62600
    physiologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Seit vielen Jahren ist der Einsatz von Futterenzymen bei monogastrischen landwirtschaftlichen Nutztieren wie Mastschweinen und Mastgeflügel üblich, um z.B. die antinutritiven Effekte der NSP zu verringern und eine bessere Ausnutzung des Tierfutters zu ermöglichen. In der vorliegenden Studie wurden die Auswirkungen der Supplementation einer Cellulase und einer α-Amylase auf einige Leistungsparameter bei Milchkühen untersucht. Der Versuch wurde unter Praxisbedingungen auf einer Milchviehanlage durchgeführt, wobei insgesamt 416 Tiere aufgeteilt in zwei Gruppen (209 Versuchs- und 207 Kontrolltiere) teilnahmen. Die Supplementation der Enzyme begann in beiden Gruppen 21 Tage a.p. und wurde nach der Abkalbung in der Versuchsgruppe über den gesamten Zeitraum der Studie von 150 Tagen fortgeführt. Die zwei Enzyme wurden separat unmittelbar vor der computer-gestützten Hochbandfütterung auf die Totale Mischration (TMR) aufgesprüht.
    Als Versuchsparameter wurden die Milchleistung und Milchinhaltsstoffe, die Körperkondition (Rückenfettdicke (RFD)- Messungen 56, 28 Tage a.p. sowie 3, 28, 56, 98, 140 Tage p.p.), die Serumkonzentrationen von Bilirubin, Cholesterol, Harnstoff, Aspartat-Amino Transferase, Non Esterified Fatty Acids (NEFA) und ß-OH-Butyrat (8 Tage a.p. sowie 3, 28, 56, 98, 140 Tage p.p.), die Fruchtbarkeitskennzahlen sowie das Auftreten der Krankheitskomplexe Gebärparese, Labmagenverlagerung und Mastitis gewählt.
    In den ersten 30 Tagen p.p. zeigte die Versuchsgruppe der Kühe eine signifikant höhere Milchleistung im Vergleich zur Kontrolle, wobei sich die akkumulierten Milchmengen über 150 Tage nicht signifikant unterschieden haben. Der Befund der höheren Milchleistung zu Beginn der Laktation bedarf aufgrund des Versuchsansatzes einer kritischen Bewertung. Die Zusammensetzung der Milchinhaltsstoffe unterschied sich nur geringfügig mit der Ausnahme eines signifikant niedrigeren Proteingehalts bei den Kühen der Versuchsgruppe an den Tagen der Milchleistungsprüfung zwischen dem 61. und 150. Laktationstag.
    Der postpartale Verlauf der Körperkondition (RFD) und der Blutparameter unterstützen die Annahme einer stark ausgeprägten und lang andauernden negativen Energiebalance (NEB). In der Kontrollgruppe war im Mittel eine Abnahme der Körperkondition bis zum Versuchsende zu beobachten, während Tiere der Versuchsgruppe zwischen den Messzeitpunkten 98 und 140 Tage p.p. wieder an RFD zunahmen. In diesem Zeitintervall ist ein signifikanter Unterschied in der RFD zu Gunsten der Versuchsgruppe zu finden.
    Die Blutanalysen zeigten keine großen Unterschiede im Gruppenvergleich, wobei eine leichte Tendenz für eine bessere Stoffwechselsituation der Versuchsgruppe erkennbar war. Die Fruchtbarkeitskennzahlen der Versuchs- und Kontrollgruppe unterscheiden sich nicht signifikant. Bezüglich der Inzidenz von Gebärparese und Mastitis gab es praktisch keine Unterschiede zwischen den Gruppen; die Inzidenz von Labmagenverlagerungen war in der Versuchsgruppe signifikant niedriger.
    Unabhängig von der Verabreichung der Enzyme wurden einige zusätzliche und interessante Beobachtungen zwischen der RFD-Entwicklung, der Milchleistung, den NEFA-Konzentrationen und der Länge der Güstzeiten gemacht: Tiere, die eine hohe Mobilisierung von Köperfett zeigten, gaben in 98 Laktationstagen mehr Milch als Tiere, die signifikant weniger mobilisierten. Letztere Tiere zeigten dabei signifikant niedrigere NEFA-Konzentrationen (Tage 3, 28 und 56 p.p.) sowie signifikant kürzere Güstzeiten. Darüber hinaus konnte in der Gruppe der Tiere mit geringer Mobilisation eine Untergruppe von Kühen gefunden werden, die hohe Milchleistungen erbrachten, die im Mittel sogar über denen der Hoch-mobilisierenden Kühe lagen. Hier wurde folglich eine höhere Futteraufnahme und/oder bessere Futterverwertung angenommen. Diese Beobachtungen können eine Diskussionsgrundlage dafür sein, dass bei entsprechender züchterischer Selektion hohe Milchleistungen auch bei moderater Mobilisierung von Körperfett möglich sein können.