Fachbereich Veterinärmedizin


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    Einfluss von Besatzdichte und Einstreumaterial auf die Pododermatitis bei Mastputen (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Rudolf, Miriam
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — 162 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-392-5
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000004471
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    Institut für Geflügelkrankheiten

    Königsweg 63
    14163 Berlin
    +49 30 838 62676
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    Abstract / Zusammenfassung

    Fußballendermatitis oder plantare Pododermatitis ist eine an den Metatarsal- und Zehenballen von Mastputen auftretende Erkrankung, die von Hyperkeratose über Verfärbungen bis hin zu schweren Ulzerationen variieren und auch wieder abheilen kann. Betroffene Tiere zeigen nur selten Lahmheiten, sind jedoch in ihrer Motilität eingeschränkt. Als Faktoren, die zur Entstehung der Pododermatitis führen, werden neben einer genetischen Disposition auch das Geschlecht der Tiere, eine nicht bedarfsgerechte Futterzusammensetzung, das Einstreumaterial, die Einstreufeuchte und nicht zuletzt die Besatzdichte diskutiert. In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, welchen Einfluss die Besatzdichte und das Einstreumaterial auf die Entwicklung der plantaren Pododermatitis bei männlichen und weiblichen Mastputen haben.
    In einem Sommer- (April bis September) und einem Winterdurchgang (Oktober bis Februar) wurden insgesamt 7931 Hennen und 4283 Hähne der Mastputenlinie B.U.T. Big 6 nach Geschlechtern getrennt in je 4 Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe wurde wiederum in 4 Untergruppen geteilt. Drei Gruppen wurden in verschiedenen Besatzdichten mit Langstroh eingestreut, eine mit Hobelspänen. Die Endbesatzdichten der drei Langstroh-Gruppen betrugen für die Gruppe mit einer niedrigen Besatzdichte (Sn) bei den Hennen im Sommer 49,36 kg/m2 sowie im Winter 53,22 kg/m2. Bei den Hähnen war die niedrige Besatzdichte im Sommer 43,69 kg/m2 und im Winter 53,32 kg/m2. Die mittlere Besatzdichte (Gruppe Sm) betrug bei den Hennen 60,18 kg/m2 (Sommer) bzw. 62,81 kg/m2 (Winter) und bei den Hähnen 55,63 kg/m2 (Sommer) bzw. 62,27 kg/m2 (Winter). Die hohe Besatzdichte (Sh) war bei den Hennen im Sommer 68,39 kg/m2 und im Winter 73 kg/m2. Die Hähne des Sommerdurchgangs wurden bei einer hohen Besatzdichte von 58,17 kg/m2 gehalten, die Hähne des Winterdurchgangs bei 74,32 kg/m2. Die mit Hobelspäne eingestreuten Gruppen (Hm) wurde ebenfalls in einer mittleren Besatzdichte gehalten. Diese betrug bei den Hennen im Sommer 59,42 kg/m2 und im Winter 60,77 kg/m2. Bei den Hähnen betrug die Besatzdichte 53,38 kg/m2 (Sommer) bzw. 63,55 kg/m2 (Winter). Alle Gruppen wurden für eine gleichmäßige Eistreuqualität regelmäßig nachgestreut und die Trockensubstanz in der Einstreu wurde ermittelt.
    In jeder der 4 Untergruppen pro Gruppe wurden 20 Tiere individuell markiert. Von der 1. Lebenswoche bis zur Schlachtung in der 16. (Hennen) bzw. 21. Lebenswoche (Hähne) wurden die Tiere in 14tägigen Abständen hinsichtlich ihrer Fußballengesundheit mit 6 möglichen Scores beurteilt. Die Scores wurden zusätzlich in Klassen eingeteilt (A= keine Veränderungen (Score 1), B= leichte Veränderungen (Score 2, 3 und 4), C= schwere Veränderungen (Score 5 und 6). Am Ende des Winterdurchgangs wurden von 20 Tieren jeder Gruppe die Fußballen zur histopathologischen Untersuchung entnommen.
    Bei den drei mit Stroh eingestreuten Hennengruppen des Sommerdurchgangs hatte die Gruppe Sn in der 11. und 13. Lebenswoche statistisch signifikant niedrigere mittlere Scores als Gruppe Sh. Bei den Hahnengruppen hatte die Gruppe Sn von der 9. bis zur 17. Lebenswoche statistisch signifikant niedrigere mittlere Scores als Gruppe Sh. Die Hennen aller drei Gruppen wiesen in der 15. Lebenswoche Veränderungen der Klasse C auf, die Hahnengruppen in der 21. Woche Veränderungen der Klasse B.
    Im Winterdurchgang hatte die Gruppe Sn der Hennen in der 7. und 13. Lebenswoche einen statistisch signifikant niedrigeren mittleren Score als Gruppe Sh. Bei den Hähnen war der mittlere Score der Gruppe Sn in der 5. Lebenswoche statistisch signifikant höher als der mittlere Score der Gruppe Sh. In der 7. Lebenswoche war der mittlere Score der Gruppe Sn statistisch signifikant niedriger als bei Gruppe Sh. Die Veränderungen der Hähne in der 21. Lebenswoche waren in Klasse B einzuordnen, die der Hennen in der 15. Lebenswoche in Klasse C. Somit konnte in dieser Untersuchung kein reproduzierbarer Einfluss der Besatzdichte auf die Pododermatitis festgestellt werden.
    Die mit Hobelspäne eingestreute Hennengruppe (Hm) hatte im Sommerdurchgang in der 11., 13. und 15. Lebenswoche einen statistisch signifikant niedrigeren mittleren Score als Gruppe Sm. Die Hahnengruppe Hm hatte im Sommerdurchgang ab der 13. Lebenswoche bis zur Schlachtung einen statistisch signifikant niedrigeren mittleren Score als Gruppe Sm. Die Veränderungen der Hennen waren in der 15. Lebenswoche in Gruppe Sm in die Klasse C einzuordnen, in Gruppe Hm in Klasse B. Bei den Hähnen des Sommerdurchgangs waren die Veränderungen in der 21. Lebenswoche in beiden Gruppen von der Klasse B.
    Im Winterdurchgang war in der 7. Lebenswoche der mittlere Score der Gruppe Sm (Hennen) statistisch signifikant niedriger als der von Gruppe Hm. In der 11. und 15. Lebenswoche war der mittlere Score der Gruppe Hm der statistisch signifikant niedrigere. Bei den Hähnen des Winterdurchgangs war ab der 11. Lebenswoche bis zur Schlachtung der mittlere Score der Gruppe Hm statistisch signifikant niedriger als bei Gruppe Sm. Die Veränderungen bei den Hennen waren in diesem Durchgang in Woche 15 in die Klasse C einzuordnen, die Veränderungen der Hähne in der 21. Lebenswoche in Gruppe B.
    In dieser Untersuchung lässt sich somit feststellen, dass das Einstreumaterial einen Einfluss auf die Fußballengesundheit hat.
    Die Hennen stellen sich in dieser Untersuchung als das stärker von Pododermatitis betroffene Geschlecht dar. Bis zur Schlachtung in der 15. Lebenswoche haben die untersuchten Hennen verglichen mit den Hähnen in der gleichen Woche in beiden Durchgängen einen höheren mittleren Score als die Hähne in der gleichen Lebenswoche. Auch wurde bei den Hennen mehr frisches Einstreumaterial eingesetzt als bei den Hähnen.
    Die bessere Fußballengesundheit der untersuchten Tiere im Sommerdurchgang wird auf die herrschenden klimatischen Bedingungen zurückgeführt, die zu einer trockeneren Einstreu im Sommer führten. Gezeigt werden kann dies durch im Winter feuchtere Einstreuproben, obwohl im Vergleich zum Sommerdurchgang häufiger frischer Einstreu eingesetzt wurde.
    Die Auswertung der Befunde der histopathologischen Untersuchung mittels Chi-Quadtrat-Test führt zu dem Ergebnis, dass in den Gruppen Hm der Hennen und der Hähne verglichen mit den anderen Gruppen des gleichen Geschlechts statistisch signifikant häufiger die Bildung von Narben als Folgeerscheinung eines Scores der Klasse C auftreten.
    Abschließend kann festgehalten werden, dass in der vorliegenden Untersuchung kein Einfluss der Besatzdichte auf die Entwicklung der Pododermatitis bei Mastputen nachgewiesen werden konnte. Die Einstreufeuchte hingegen – insbesondere auch abhängig von klimatischen Bedingungen – hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Pododermatitis. Das Einstreumaterial (Langstroh oder Hobelspäne) hat ebenfalls einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung der PD, auch wenn der stärkere Einfluss der Einstreufeuchte nicht ausgeglichen werden kann. Auf Hobelspäne gehaltene Tiere hatten eine bessere Fußballengesundheit als auf Langstroh gehaltene.