Fachbereich Veterinärmedizin


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    Untersuchungen zur Konditionsbeurteilung mittels ultrasonografischer Messung der Rückenfettdicke als Grundlage zur Anwendung in der Bestandsbetreuung von Milchviehherden (2000)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Schröder, Ulf Joachim
    Quelle
    Berlin, 2000 — 177 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000000273
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
    Gebäude 26
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62261 Fax.+49 30 838 62512
    email:klauentierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Die Zielsetzung dieser Arbeit war die Beschreibung der Wechselwirkungen zwischen der Entwicklung der Kýrperkondition im Laktationsverlauf und verschiedenen Milchleistungs- und Fruchtbarkeitsparametern. Weiterhin sollten unter Einbeziehung von Ergebnissen aus anderen Untersuchungen Referenzwerte fýr einen im Rahmen der Herdenbetreuung anwendbaren Konditionsbereich ermittelt werden, der hohe Milchleistungen mit akzeptablen Fruchtbarkeitsergebnissen und stabiler Gesundheit zu vereinen vermag. Zu diesem Zweck wurde bei insgesamt 46111 Tieren in 78 verschiedenen Betrieben per Ultraschall die Rýckenfettdicke gemessen und zu den Produktionsvariablen in Beziehung gesetzt. Der Konditionsverlauf wird durch das Alter, die Rasse und das Leistungsniveau des Betriebes beeinfluýt. Jýngere Tiere bewegen sich allgemein, vor allem aber in der Spýtlaktation und Trockenperiode auf einem niedrigeren Konditionsniveau als ýltere. Die Auswirkungen des Wachstums verlieren ab der dritten Laktation an Bedeutung. Bei diesen ýlteren Tieren besteht hingegen eine erhýhte Gefahr der Verfettung in der Spýtlaktation. Reinerbige HF-Tiere durchlaufen gegenýber schwarzbunten Kýhen aus Verdrýngungskreuzungen eine stýrker ausgeprýgte und lýnger anhaltende Phase negativer Energiebilanz, sind aber im Durchschnitt in der Lage, den stýrkeren Abbau bis zur nýchsten Kalbung auszugleichen. In niederproduktiven Betrieben ist besonderes Augenmerk auf eine leistungsgerechte Fýtterung in der Spýtlaktation und Trockenperiode zu richten. Bei der Konditionsbeurteilung im Rahmen der Herdenbetreuung sollte in Problembestýnden auch die von der Jahreszeit abhýngige Qualitýt des betriebseigenen Grundfutters Berýcksichtigung finden. Mit ansteigender Milchleistung nehmen Hýhe und zeitliche Ausdehnung der negativen Energiebilanz kontinuierlich zu, mittlere Minimalkonditionen von unter 10 mm RFD sind jedoch mit Leistungseinbuýen verbunden. Auf Betriebsebene stellt die leistungsbezogene Fýtterung ein Problem dar. Die Leistungstrýger der Herde schmelzen im Durchschnitt nahezu ihre gesamten Fettreserven ein und sind nicht in der Lage, ausreichende Energiedepots fýr die kommende Laktation aufzubauen. Niederproduktive Tiere hingegen sind vermehrt von Verfettung betroffen. Um hohe Milchleistungen bei stabiler Gesundheit zu gewýhren, sollte die Minimalkondition im Herdenmittel bei etwa 13 mm RFD liegen. Niedrigere Werte steigern die Milchleistung nur unwesentlich, gehen aber mit hýheren Abgangsraten und einem starken Energiemangel einher. Hohe Herdenleistungen sind auch ohne extreme Kýrpermasseverluste zu realisieren und schlieýen gute Fruchtbarkeitsergebnisse nicht aus. Es bestehen enge Beziehungen zwischen der Konditionsentwicklung und dem Milcheiweiýgehalt. Der durchschnittliche Eiweiýgehalt der Gesamtlaktation sollte zwischen 3,5 und 3,8% liegen. Werte unter 3,2% sind als Hinweis auf ein extremes Energiedefizit zu werten. Eine stark ausgeprýgte negative Energiebilanz geht zwar initial mit hýheren Milchfettgehalten einher, diese fallen jedoch im Laufe der Laktation auf unterdurchschnittliche Werte. Mit zunehmendem Abbau von Fettgewebe in der Frýhlaktation steigen Rast-, Gýst- und Zwischenkalbezeiten an. Jene Tiere mit dem stýrksten Konditionsverlust und den lýngsten Gýstzeiten konzipieren im Mittel erst etwa 2 Monate nach ýberwindung der negativen Energiebilanz, wýhrend Tiere mit gering ausgeprýgtem Energiedefizit bereits in der Nýhe des konditionellen Tiefpunktes erneut aufnehmen. Um akzeptable Fruchtbarkeitsergebnisse zu gewýhrleisten, sollte das Konditionstief im Herdenmittel nicht unter 13 mm RFD absinken, die týgliche Abbaurate in den ersten 4 Wochen p.p. sollte 0,14 mm pro Tag nicht ýberschreiten. Die Kýrperkondition wýhrend der Trockenperiode und zum Partus beeinfluýt die Milchleistung und -zusammensetzung in der Frýhlaktation stýrker als die Gesamtmilchmenge. Unabhýngig von der Leistung sollte bei trockenstehenden Tieren eine mittlere Kondition zwischen 22 und 24 mm RFD angestrebt werden. Diese Kýhe weisen in der Folge gute Fruchtbarkeitsergebnisse und niedrige Abgangsraten auf. Konditionswerte ýber 35 mm RFD sind zu vermeiden, da sich das Abgangsrisiko bei sinkender Milchmenge drastisch erhýht. Gleichzeitig sind ýberdurchschnittliche Fettreserven mit verlýngerten Rastzeiten verbunden. Das konditionelle Tief sollte bei etwa 13 mm RFD liegen. Niedrigere Werte gehen zwar bezogen auf den Betriebsdurchschnitt mit einer Erhýhung der relativen Einzeltierleistung einher, jedoch auf Kosten hýherer Abgangsraten und schlechterer Fruchtbarkeitsergebnisse. Die Phase der negativen Energiebilanz sollte nach spýtestens 100 Laktationstagen ýberwunden sein und 200 Tage p.p. sollte bereits eine deutliche Regeneration von Fettreserven realisiert worden sein. Zum Trockenstellen sollten die Tiere die frýhere prýpartale Kondition wiedererlangen, bei Hochleistungstieren sind allerdings mýýige Zunahmen in der Trockenperiode notwendig. Die Aussagekraft der Konditionsbeurteilung beim Einzeltier ist relativ begrenzt, auf Herdenbasis stellt diese Methode jedoch ein wichtiges Kontrollinstrument dar. Sie kann helfen, den natýrlichen Verlust von Kýrperfettreserven in der Frýhlaktation zu kontrollieren und den Tieren eine adýquate Wiederauffýllung der Energiedepots zu ermýglichen. Ein leistungsfýhiges Management ist in der Lage, der mit steigender Milchproduktion tendentiell einhergehenden Fruchtbarkeitsdepression effektiv zu begegnen. Als Referenzkurven fýr die Bestandsbetreuung kýnnen die Abbildungen 57 und 58 herangezogen werden.