Fachbereich Veterinärmedizin


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    Untersuchungen zum praktischen Einsatz von Anionenrationen zur Prophylaxe der Hypokalzämie in Milchkuhbeständen (2005)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Goebbels, Michael
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2005 — VI, 137 Seiten
    ISBN: 3-86664-049-8
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002085
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
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    Abstract / Zusammenfassung

    Das Ziel dieser Arbeit war es, die Bewertung der Wirkung von Anionenrationen anhand von Herdendaten erfassbar zu machen und den Einsatz der Anionen sicherer zu gestalten. Im ersten Teil der Arbeit sollte die praktische Durchführung der Messung des Harn-pH zur Bewertung der Wirkung von Anionen auf den Säuren-Basen-Haushalt untersucht werden. Dazu wurde in 2 Betrieben über einem Zeitraum von 8 Wochen jede Woche der Harn-pH der Vorbereiter mit einem elektrischen pH-Meter im Stall und mit pH-Streifen direkt nach der Entnahme gemessen. Außerdem wurde der Harn eingefroren und nach dem Auftauen mittels eines elektrischen pH-Meters im Labor gemessen. Die pH-Streifen lieferten nahezu dieselben Ergebnisse wie das elektronische pH-Meter direkt nach der Harnentnahme. Die pH-Messung nach dem Auftauen ergeben leicht höhere pH-Werte. Im Rahmen der Bestandsbetreuung wurden 50 Betriebe untersucht, wobei einige Betriebe mehrmals besucht wurden. Bei diesen Untersuchungen wurden Blut- und Harnproben der Vorbereiter und der Frischkalber sowie Rationsanalysen der Vorbereiterration durchgeführt. Von den Blut- und Harnproben wurden aus zehn Einzelproben sogenannte Poolproben hergestellt. Für den Harn-pH, die NSBA und die Kalziumausscheidung mit dem Harn wurden die Poolwerte mit den Mittelwerten der Einzelproben verglichen. Es wurden für alle 3 Parameter hohe Korrelationen festgestellt, so dass die Aussagekraft eines Poolwertes mit der eines gemittelten Wertes vergleichbar ist. Die Rationsanalysen von 2002 bis 2004 enthielten die DCAB sowie die Mengenelemente Kalium, Natrium, Kalzium, Chlorid und Schwefel. Es wurden Betriebe mit und ohne Anionenrationen gegenübergestellt. Die Gruppe mit Anionenrationen wies vor allem eine niedrigere DCAB sowie einen höheren Schwefelgehalt in allen drei Jahren auf. Jedoch werden die Nährstoffempfehlungen des NRC in beiden Gruppen nicht erreicht. Dies spricht beim Einsatz von Anionen für eine nicht ausreichenden Menge an sauren Salzen in Bezug auf die Rationsinhalte. Zur Beurteilung weiterer Faktoren der Ration auf die Wirkung der Anionen wurden dem Harn-pH, der NSBA und der Kalziumausscheidung mit dem Harn die Rationsparameter gegenübergestellt. Bei einer Reduzierung der DCAB und des Kaliumgehaltes der Ration sowie bei Erhöhung des Kalzium- und Schwefelgehaltes der Ration kommt es zu einer milden Azidose gekoppelt mit einer Erhöhung der Kalziumausscheidung mit dem Harn. Genau dies beschreibt die Wirkung der Anionen. Indem Anionen zugefüttert werden, soll eine Verschiebung der Mengenelemente erfolgen. Dies führt zu einer Senkung des DCAB und zu den genannten Folgen beim Tier. Derselbe Effekt auf den Säuren-Basen-Haushalt und die Kalziumausscheidung wurde durch die Erhöhung des Stärkegehaltes sowie die Senkung der Rohfaser einer Ration erzielt. Also könnte eine Wirkung der Anionen vorgetäuscht werden. Die Kennzahlen der Energiekonzentration einer Ration wiesen Korrelationen mit den Parametern des Säuren-Basen-Gehaltes auf. Bei niedrigen Werten kommt es zu einer azidotischen Belastung der Tiere. Dies muss beim Einsatz von Anionen vermieden werden, um den Effekt auf den Säuren-Basen-Haushalt nicht zu potenzieren, und so eine klinische Azidose mit ihren negativen Folgen zu provozieren. Der Rohaschegehalt und die Salzmenge zeigten die Effekte, die unter anderen für die DCAB beschrieben wurden. Die Rohasche, als Kennzahl des Mineralstoffgehaltes einer Ration, beinhaltet in gewissem Maße die Salzmenge. Beim Vergleich von Betrieben mit und ohne Anionen wurden die Rationsinhalte der Vorbereiterration sowie der Säuren-Basen-Haushalt, die Mengenelemente und ausgewählte Stoffwechselparameter der Vorbereiter und Frischkalber beurteilt. In Betrieben mit Anionen zeigten die Rationen eine niedrigere DCAB und Kaliumkonzentration sowie eine höhere Schwefel- und Kalziumkonzentration. Dies hatte eine metabolische Azidose der Vorbereiter zur Folge, die sich vor allem in den Harnparametern widerspiegelte. Zudem erhöhte sich die Kalziumausscheidung der Vorbereiter im Harn, so dass von einer Erhöhung der Kalziumhomöostase ausgegangen werden kann. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die empfohlenen Bereiche sowohl für die Rationsinhalte als auch für die Stoffwechselparameter nicht erreicht werden. So wurden im Folgenden die Betriebe mit Anionen nach der Wirkung der Anionen eingeteilt. Dies wurde zum einen anhand der Aussage der Betriebsleiter über die Inzidenz der Gebärparese versucht. Dabei wurden keine auswertbaren Ergebnisse erzielt. Die Beurteilung der Anionen erscheint für die Landwirte relativ schwierig zu sein, da die meisten keine genaue Auflistung der vorkommenden Erkrankungen im Betrieb durchführen. Doch kann anhand der Inzidenzen von Erkrankungen der Gesundheitszustand einer Herde und auch die Wirkung von Anionen sehr gut beurteilt werden. Zum anderen wurden die Betriebe durch den Harn-pH und die Kalziumausscheidung mit dem Harn eingeteilt. Es zeigte sich in Betrieben mit wirkenden Anionen eine deutlich niedrigere DCAB. So müssen Werte zwischen 0 und 50 meq/kg TS in der Ration der Vorbereiter erreicht werden. Durch die Einteilung mittels des Harn-pH war eine Absenkung der Parameter des Säuren-Basen-Haushaltes bei Wirkung der Anionen zu erwarten. Die NSBA lag im empfohlenen Bereich. Jedoch zeigten auch die Frischkalber deutlich niedrigere Werte der Harnparameter des Säuren-Basen-Haushaltes. Als Fehlerquellen wurden eine zu hohe DCAB und ein zu hoher Kaliumgehalt sowie ein zu niedriger Kalzium- und Schwefelgehalt der Ration angesehen. Die Nährstoffempfehlungen des NRC erwiesen sich als ungeeignet zur Einteilung der Betriebe mit ausreichendem oder unzureichendem Nährstoffgehalt, da diese Werte von wenigen oder keinem Betrieb erreicht wurden. So wurde für die DCAB, dem Kaliumgehalt und dem Kalziumgehalt die Medianwerte der Gruppe mit Wirkung der Anionen verwendet. Nach der Einteilung wurden die Rationsinhalte sowie der Harn-pH, die NSBA und die Kalziumkonzentration im Harn gemessen. Bei ausreichenden Gehalten der genannten Rationsinhalte optimierten sich die Harnparameter. Bei der Optimierung der Rationen müssen dem Kalium- und dem Schwefelgehalt der Rationen besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Hauptziel beim Einsatz von Anionen ist die Optimierung der DCAB. Abschließend wurden drei einzelne Betriebe beschrieben. Die ersten beiden Betriebe streuten die Anionen über die TMR und mischten diese mit Hilfe einer Heugabel unter. Es wurde über 8 Wochen jede Woche der Harn-pH, die NSBA und die Kalziumausscheidung mit dem Harn gemessen. Bei beiden Betrieben fiel die breite Streuung der Werte auf. Dafür könnte eine unterschiedliche Futteraufnahme oder eine individuelle Reaktion der Tiere verantwortlich sein. Dies erklärt auch die Berichte der Landwirte über ein Versagen der Anionen oder auch plötzliche Todesfälle beim Einsatz von Anionen. Der dritte Betrieb begann mit der Fütterung von Anionen. Dieser Betrieb konnte nach Optimierung der Ration die Anionen erfolgreich einsetzen. Die Vorbereiterration beinhaltete einen Schwefelgehalt über der empfohlenen Grenze von 0,4% der Ration ohne nachteilige Effekte an den Tieren. Bei Verwendung hochwertiger Futtermittel und genauer Kalkulation der Rationsinhalte können die toxischen Eigenschaften von Schwefel toleriert werden. Der Einsatz von Anionenrationen erfordert also ein sehr gutes Management. Die Menge der Anionen sowie die Ration selbst müssen optimal berechnet sein. Trotzdem kann auf eine Kontrolle nicht verzichtet werden. Hierzu müssen der Säuren-Basen-Haushalt anhand des Harn-pH oder der NSBA sowie der Kalziumhaushalt mittels der Kalziumausscheidung im Harn überprüft werden. Zusätzlich muss die Ration regelmäßig untersucht und die Häufigkeit von Erkrankungen festgehalten werden. Diese Arbeit beantwortet die Frage, wann welche Untersuchung durchgeführt werden sollte und gibt so eine Anleitung zur Kontrolle der Anionen. So kann der Einsatz der Anionen sicherer gestaltet werden.