Fachbereich Veterinärmedizin


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    Einfluss der Dauer der Nüchternzeit auf das Ergebnis im intravenösen Glukosetoleranztest beim weiblichen Jungrind (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Kremer, J.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — 202 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-535-6
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000008470
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    Klinik für Klauentiere

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    Abstract / Zusammenfassung

    Zur Prüfung unterschiedlicher Hungerphasen auf den Glukosemetabolismus erfolgte der intravenöse Glukosetoleranztest an jeweils 28 weiblichen Rindern unter Verwendung fünf verschiedenener Nüchternstufen.
    Der erste Test fand im Frühjahr an 28 Färsen der Rasse Schwarzbuntes Milchrind und Holstein–Friesian statt, der Wiederholungstest erfolgte dann im Herbst desselben Jahres an 28 Jungkühen, ebenfalls der Rasse Schwarzbuntes Milchrind und Holstein–Friesian zugehörig.
    Es kamen fünf unterschiedliche Nüchternstufen zur Anwendung. Jeder Tiergruppe wurde das Futter für 0, 12, 24, 36 und 48 Stunden entzogen.
    Als Untersuchungsgrößen wurden die Lebendmasse, die Glukose– und Insulinanfangskonzentrationen, die Glukose– und Insulinmaximalkonzentrationen bzw. deren korrigierte Versionen, die Glukose– und Insulinflächen bzw. deren korrigierte Flächenwerte, die Glukose– und Insulinendkonzentrationen und deren korrigierte Endkonzentrationen verwendet. Ferner flossen in die Untersuchung die Glukose- und Insulinhalbwertszeiten sowie die Zeitpunkte, in denen die Insulinmaximalkonzentration erreicht wurde, ein. Die korrigierten Versionen beinhalten die ursprünglichen Testparameter, abzüglich den jeweiligen Anfangskonzentrationen.
    Ziel dieser Arbeit war, neben einer Beurteilung der tierindividuellen Insulinantwort und Glukosereaktion unter Einfluss der fünf verschiedenen Nüchternstufen, eine Aussage über die Entwicklung der einzelnen Testparameter während eines zweiten Testdurchgangs im Herbst zu erhalten. Dies sicherte auch den Stichprobenumfang.
    Unter Einhaltung der verschiedenen Nüchternzeiten kam es nach dem i. v. GTT zu einem Anstieg der meisten Glukoseparameter mit der Dauer des Futterentzugs. So stieg die Glukosehalbwertszeit von 28,0 Minuten nach 0 Stunden Fasten auf 52,2 Minuten während einer 48 stündigen Nüchternzeit, die Glukosefläche begann mit 72,5 (0 Stunden Fasten) und stieg auf 88,1 (48 Stunden Fasten). Ebenso stiegen die Glukoseendkonzentrationen von 4,4 mmol/l (0 Stunden) auf 6,7 mmol/l (48 Stunden) und Glukosemaximalkonzentrationen von 14,1 mmol/l (0 Stunden) auf 14,7 mmol/l (36 Stunden), wobei es zu einem geringen Abfall während einer 48 Stunden langen Fastenzeit (14,3 mmol/l) kam.
    Die einzige Ausnahme bilden in dieser Studie die Glukoseanfangskonzentrationen, die mit der Länge der Fastenzeit sanken (4,5 mmol/l bis 3,8 mmol/l).
    In der Regel erfolgte nach einer Nüchternzeit von 12 Stunden ein deutlicher Anstieg der einzelnen Glukosewerte.
    Während einer Nüchternzeit von 24 und 36 Stunden gab es nur geringe Unterschiede zwischen den einzelnen Glukoseparametern.
    Signifikante Unterschiede traten in beiden Testreihen bei den meisten Glukoseparametern auf. Die Glukosewerte während der zweiten Testreihe (Herbst) hielten sich auf einem deutlich höheren Niveau als während der ersten Testreihe (Frühjahr).
    Die Glukoseanfangskonzentrationen (Signifikanz = 0,13) und Glukosehalbwertszeiten (Signifikanz = 0,171) dagegen verhielten sich in beiden Testreihen nahezu identisch ohne signifikanten Unterschied.
    Die Insulinparameter verhielten sich unter Einhaltung der Nüchternzeiten größtenteils konträr zu den Glukosewerten.
    So sanken einzelne Insulinwerte mit der Dauer eines Futterentzugs, teilweise traten erhebliche Schwankungen innerhalb der Nüchternzeiten auf. Dies vor allem während der ersten Testreihe.
    Die Insulinanfangskonzentrationen fielen konstant von 10,2 μU/ml nach 0 Stunden Fasten auf 3,3 μU/ml während einer 48 Stunden langen Nüchternzeit. Die Insulinmaximalkonzentrationen sanken von 140,9 μU/ml (0 Stunden) auf 86,4 μU/ml (48 Stunden), die Insulinfläche von 754
    (12 Stunden) auf 501 (48 Stunden). Ebenso verhielten sich die korrigierten Insulinmaximalkonzentrationen bzw. korrigierten Insulinflächen.
    Allerdings stiegen die Insulinendkonzentrationen bzw. korrigierten Insulinendkonzentrationen mit der Dauer der Fastenzeiten und fielen während einer 48 stündigen Nüchternzeit (32,9 μU/ml) dann wieder ab. Hier bewegen sich die Werte zwischen 20,6 μU/ml (0 Stunden) und 40,1 μU/ml (36 Stunden), die basalen Insulinkonzentrationen wurde aber bei keinem Tier erreicht.
    Die Zeitpunkte, in denen die Insulinhöchstkonzentrationen auftraten, bewegten sich zwischen 13,5 Minuten (12 Stunden Fasten) und 16,5 Minuten (24 Stunden Fasten). Bei diesem Testparameter gab es einige Schwankungen. So wurde die Insulinmaximalkonzentration ohne Nüchternzeiten nach 14,5 Minuten erreicht, nach einer Nüchternzeit von 36 Stunden nach 16,0 Minuten und nach 48 Stunden Fasten nach 14,7 Minuten. Diese Ergebnisse werden auch von anderen Studien bestätigt.
    Schwankungen traten auch bei den Insulinhalbwertszeiten auf. Die schnellste Insulinelimination erfolgte nach einer Nüchternzeit von 12 Stunden (19,7 Minuten), die längsten Insulinhalbwertszeiten zeigten Nüchternzeiten zwischen 24 Stunden (41,5 Minuten) und 36 Stunden (42,9 Minuten). Eine 48 Stunden lange Nüchternzeit hatte wiederum eine Insulinhalbwertszeit von 37,3 Minuten.
    Bei den Insulinparametern traten, ebenso wie bei den Glukoseparametern, die geringsten Abweichungen zwischen 24 und 36 Stunden Futterentzug auf.
    Die Insulintestparameter halten sich, ebenso wie die Glukoseparameter, während der zweiten Testreihe auf einem signifikant höheren Level als während der ersten Testreihe. Allerdings verhalten sich einzelne Insulinparameter, wie 1. die Insulinfläche, 2. die Zeitpunkte zum Erreichen der Insulinmaximalkonzentration und 3. die Insulinhalbwertszeit in der ersten Testreihe anders als während der zweiten. Einzig die Insulinanfangskonzentrationen weisen zwischen beiden Testreihen keine signifikanten Unterschiede auf. Hier hat die höhere Lebendmasse, die Tageszunahme und Fütterungsintensität während der zweiten Testreihe maßgeblichen Einfluss auf die Konzentrationsunterschiede.
    In dieser Sudie konnte festgestellt werden, daß für den intravenösen Glukosetoleranztest Nüchternzeiten zwischen 24 und 36 Stunden am aussagekräftigsten für eine zuverlässige Beurteilung der Insulinantwort und Glukoseraktion ist, da hier die geringsten Schwankungen bei den Glukose – und Insulintestparametern zwischen den einzelnen Tieren auftraten.
    Allerdings bedarf es noch weiterer Abklärung, ob bei Nüchternzeiten zwischen 12 und 18 Stunden bzw. 18 und 24 Stunden ebenso geringe Schwankungen auftreten, wie während 24 und 36 Stunden Futterentzug.