Fachbereich Veterinärmedizin


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    Experimentelle Untersuchungen zu fütterungsabhängigen Einflussfaktoren auf die Ergebnisse des Glukosetoleranztests bei Jungbullen, Ochsen und Färsen (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Görner, S.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — 167 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-539-4
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000009013
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

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    Abstract / Zusammenfassung

    Die einseitige Selektion auf hohe Milchleistung in der Milchviehzucht hat neben einer enormen Milchleistungssteigerung auch zu einer Reihe von gesundheitlichen Problemen in den Milchviehbeständen geführt. Milchkühe mit einer hohen Milchleistung weisen gleichzeitig niedrige Insulinspiegel auf. Insulin nimmt über die Regulation des Glukosestoffwechsels eine zentrale Stellung in der Metabolitenverteilung für die Milchleistung, Fruchtbarkeit und Stoffwechselgesundheit ein. Um diesem Trend in der Selektion von Zuchtrindern entgegenwirken zu können, soll mit Hilfe des Glukosetoleranztests (GTT) das individuelle Stoffwechselregulationsvermögen der Glukosehomöostase und darüber der genetisch determinierte Stoffwechseltyp von Zuchttieren bestimmt werden. Dadurch könnten wertvolle Zusatzinformationen für die Zuchtwertschätzung gewonnen werden. Allerdings hat sich gezeigt, dass die Ergebnisse des GTT von einer Reihe an Faktoren beeinflusst werden. Es bedarf einer Standardisierung der Testdurchführung, um für das Einzeltier und für den Vergleich einer Tiergruppe reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten.
    In der vorliegenden, experimentellen Studie wurden Einflüsse der Fütterung, der Körperkondition und von akutem Stress auf die Ergebnisse des GTT unter Berücksichtigung der Faktoren Geschlecht und Alter untersucht.
    An jeweils sechs Bullen, Ochsen und Färsen wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten jeweils 23 GTTs durchgeführt. Die Tiere waren im Durchschnitt zu Untersuchungsbeginn 9,2 Monate und am Versuchsende 14,8 Monate alt. Die Gesamtversuchsperiode von sechs Monaten wurde in drei sich wiederholende Abschnitte unterteilt. In jedem Versuchsabschnitt wurde zwischen einer energiereichen (4 - 6 kg Kraftfutter täglich plus 4 kg Heu) und einer energiearmen (4 kg Heu und Stroh ad libitum täglich) Fütterung gewechselt. Zusätzlich wurde eine protein- und energiereiche Ration einer proteinreichen und energiearmen Ration gegenüber gestellt. Zur Erzeugung von akutem Stress wurden akustischer Stress und Stress durch Futterneid bzw. Hunger verwendet. Pro Woche wurde ein Glukosetoleranztest durchgeführt, die Lebendmasse ermittelt und die Rückenfettdicke gemessen.
    Die Glukosehalbwertszeit der Bullen ist signifikant länger im Vergleich zu den Ochsen und Färsen. Zwischen der Glukosehalbwertszeit von Ochsen und Färsen gibt es keinen signifikanten Unterschied, jedoch zeigen die Färsen tendenziell die kürzeste Glukosehalbwertszeit. Das Glukoseflächenäquivalent zeigt keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern und kann deshalb für Vergleiche von GTT-Ergebnissen zwischen Bullen und Färsen verwendet werden.
    Die Färsen zeigen erwartungsgemäß signifikant stärkere Rückenfettdicken als die Bullen und Ochsen. Zwischen Bullen und Ochsen waren bezüglich der Rückenfettdicke keine signifikanten Unterschiede nachweisbar.
    Das Niveau der Energieversorgung beeinflusst das GTT-¬Ergebnis signifikant. Dieser Fütterungseinfluss wirkt unabhängig vom Geschlecht gleich¬gerichtet. Eine energiearme Fütterung ist mit signifikant kürzeren Glukosehalbwerts¬zeiten im Vergleich zu einer energiereichen Ernährung verbunden. Durch abrupten Wechsel der Ration von energiereich auf energiearm verkürzt sich die Glukosehalbwertszeit signifikant. Beim Wechsel von energiearm auf energiereich verlängert sich die Glukosehalbwertszeit wieder. Bei längerer energiereicher Fütterung verkürzt sich die Glukosehalbwertszeit nach einigen Wochen wieder. Dieser Effekt wird von einer gleichzeitigen, sprunghaften Zunahme der Rückenfettdicke begleitet. Die Art der Fütterung hat somit auch über die Körperkondition einen signifikanten Einfluss auf die Ergebnisse des GTT. Der Einfluss der Körperkondition auf die GTT-Ergebnisse steigt mit zunehmender Überkonditionierung. In diesem Zusammenhang muss zwischen individueller Überkonditionierung und altersbedingter Verfettung unterschieden werden.
    Auch ein hoher Proteingehalt in der Ration beeinflusst die GTT-Ergebnisse. Besonders bei gleichzeitigem Energiemangel in der Ration kann es zu einem Abfall der basalen Glukosekonzentration und zu einer Verlängerung der Glukosehalbwertszeit kommen. Eine Beeinflussung der GTT-Ergebnisse durch akuten Stress kann sich abhängig vom Zeitpunkt des Auftretens der Stresssituation unterschiedlich darstellen. Dadurch können untypische Verläufe der Glukosekonzentrationen während des GTT verursacht werden. Bei Bullen kann akuter Stress die Glukosehalbwertszeit signifikant verlängern, während sie sich bei Ochsen und Färsen signifikant verkürzt.
    Zur Sicherung reproduzierbarer Ergebnisse sind die zu testenden Jungrinder vor der Testdurchführung bedarfsgerecht ausbilanziert über einen längeren, mindestens vierwöchigen Zeitraum zu füttern. Dabei sollte sich die Körperkondition der zu testenden Jungrinder in body condition score - Noten zwischen 2,5 - 3,5 bewegen. Einseitige Rationen und drastische Rationswechsel sind zu vermeiden.