Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Einfluss ausgewählter Erkrankungen auf die Ökonomie in der Milchviehhaltung (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Schmiedel, Chris
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — 93 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-418-2
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000004474
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
    Gebäude 26
    14163 Berlin
    +49 30 838 62261
    klauentierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Einigkeit besteht, dass Erkrankungen in der Milchviehproduktion zu großen wirtschaftlichen Verlusten führen. Unklar sind sich Wissenschaftler jedoch über die Einflüsse einzelner Krankheiten auf die Höhe der verursachten Kosten. Ziel dieser Arbeit war es, Lösungswege aufzuzeigen, wie diese Verluste zukünftig mit Hilfe einer Herdensoftware genauer berechnet werden können. Daraus ergab sich die Fragestellung, welche Kennzahlen dafür benötigt werden und wie sie monetär zu bewerten sind, um wirtschaftliche Verluste ausreichend zu beschreiben. Desweiteren befaßte sich die Arbeit damit, auf welcher Vergleichsbasis Kalkulationen erfolgen sollten. Dazu wurden die Ergebnisse erkrankter Kühe zum einen nicht erkrankten also gesunden Tieren gegenübergestellt. Und zum anderen wurden sie dem Rest der Herde gegenübergestellt.
    Als Managementsoftware diente in dieser Untersuchung das Programm „Herde“ der DSP-Agrosoft. Die hierfür notwendigen Daten lieferte der praktische Teil der Arbeit, der im Juli 2005 bis März 2006 in einer Brandenburger Milchviehanlage stattgefunden hat.
    Bei der Kalkulation der betriebswirtschaftlichen Verluste beschränkte sich die Analyse auf die Auswirkungen der Krankheiten auf die Kennzahlen Milchleistung, Güstzeit, Besamungsindex und Remontierungsraten, die monetär bewertet wurden. Es zeigte sich, dass die hier untersuchten Erkrankungen durchweg zu Verlusten im Betrieb führten. Jedoch müssen bei der Betrachtung der Ergebnisse folgende Punkte berücksichtigt werden:
    - Bei der Beschreibung der wirtschaftlichen Auswirkungen blieben die direkten Tierarztkosten aufgrund betrieblicher Gegebenheiten unberücksichtigt. Folglich sind die berechneten Verluste einer Erkrankung weitaus höher.
    - In den Erkrankungsgruppen kommt es vielfach zu Mehrfacherkrankungen, so dass eine isolierte Betrachtung von einzelnen Krankheiten nicht möglich war.
    - Die berechneten Verluste basieren auf kalkulatorischen Ansätzen, diese können von Betrieb zu Betrieb und von Jahr zu Jahr schwanken (z. B. Milchpreis).

    In dem Erhebungszeitraum kalbten 657 Kühe ab, von denen 227 Tiere erstlaktierend waren. Die wirtschaftlichen Einbußen waren bei Erstkalbinnen deutlich geringer als bei Kühen mit mehr als zwei Laktationen. Somit wurde die Vermutung bestätigt, dass sich Erkrankungen wirtschaftlich stärker negativ auf Alt- als auf Jungkühe auswirken.
    Bei den Erstlaktierenden führte die Nachgeburtsverhaltung mit 580 Euro zu den höchsten wirtschaftlichen Verlusten auf Einzeltierbasis. Pro Tier waren die Verluste bei der Endometritis mit 178 Euro nicht so hoch. Jedoch, multipliziert mit der Anzahl der erkrankten Kühe, hatte diese Erkrankung auf Bestandsebene mit 23670 Euro entgangenem Gewinn die größte Bedeutung. Danach kam die Nachgeburtsverhaltung (16820 Euro), gefolgt von der Mastitis (15870 Euro) und den Klauenkrankheiten (15400 Euro). Die Stoffwechselkrankheiten führten bei Jungkühen durchweg zu Verlusten, die über 500 Euro pro Kuh betrugen. Allerdings hatte auf Bestandsbasis nur die Labmagenverlagerung mit 6083 Euro eine größere Bedeutung.
    Als Haupterkrankung führte bei den Kühen mit mehr als zwei Laktationen die Mastitis zu den höchsten Verlusten. In der Gruppe der Tiere, die mindenstens einmal an einer Euterentzündung erkrankten, lagen die Mindereinnahmen bei 669 Euro pro Tier. Hochgerechnet auf alle erkrankten Kühe betrug der Verlust für den Betrieb damit 165912 Euro. Danach schlugen die Kühe mit einer Endometritis mit 106362 Euro zu Buche. Mit 622 Euro pro Tier lag der entgangene Gewinn auf einem ähnlichen Niveau. Zu den dritthöchsten Verlusten für den Betrieb führten die Klauenerkrankungen mit 87165 Euro. Bezogen auf das Enzeltier hatte die Labmagenverlagerung mit 1102 Euro Verlust den höchsten Stellenwert. Danach kam die Ketose mit 906 und die mindestens dreimal an einer Mastitis erkrankten Kühe mit 851 Euro pro Tier.
    Was die notwendigen Kennzahlen für eine betriebswirtschaftliche Analyse betrifft, so kommt die Untersuchung zu folgenden Ergebnissen:
    - Allein mit Hilfe der verwendeten Kennzahlen lassen sich wirtschaftliche Verluste sehr gut beschreiben.
    - Bei betriebswirtschaftlichen Analysen sollten immer Milchsperrzeiten der erkrankten Kühe berücksichtigt werden. Ihre Einbeziehung ergibt bei vielen Krankheiten ein ganz anderes Bild.
    - Zusätzliche Güsttage sollten in die Kostenberechnungen mit eingehen, jedoch nicht mit einem einheitlichen Wertansatz. Vielmehr ist es sinnvoll, die entstehenden Kosten variabel nach Milchleistung und Laktationspersistenz der Kuh zu gestalten.
    - Die Differenz aus dem Schlachterlös der Altkuh und dem Neuanschaffungspreis für eine hochtragende Färse war in dieser Untersuchung Grundlage für die Festsetzung der Remontierungskosten mit 530 Euro pro Abgang. Jedoch fehlte bei dieser Vorgehensweise die Berücksichtigung der Milchleistungsdifferenz zwischen einer Erstkalbin und einer Kuh, die sich in der dritten oder vierten Laktation auf dem Hochleistungsniveau befindet.
    - In Punkto Vergleichsmaßstäbe für die Bewertung von Verlusten kommt die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der alleinige Vergleich von erkrankten und gesunden Kühen zwar ein geeigneter Maßstab für eine Beurteilung von entgangenen Gewinnen ist. Jedoch ist für eine problemorientierte Analyse die Berücksichtigung beider Maßstäbe wichtig.

    Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass es zukünftig immer wichtiger sein wird, auf Betriebsebene diese Kalkulationen durchzuführen. Denn nur wenn Landwirt, Berater und Tierarzt über die genauen Verluste, verursacht durch Erkrankungen, informiert sind, ist ein wirtschaftlich sinnvolles problemorientiertes Handeln möglich.