Fachbereich Veterinärmedizin


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    Auswirkungen verschiedener Futterrationen auf das Wachstum und die Pansenentwicklung von Kälbern (2009)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Noci, B.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2009 — 128 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-760-2
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000017475
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
    Gebäude 26
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62261 Fax.+49 30 838 62512
    email:klauentierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Das anfangs monogastrisch funktionierende Kalb sollte sich möglichst komplikationslos und unter optimalem Wachstum zum Wiederkäuer entwickeln. Mit dem Ziel einer frühzeitigen Adaptation des Pansens an die spätere Ration der Milchkuh werden den Kälbern zusätzlich zur Milchtränke Futtermittel auf Basis von Heu, Silage oder Kraftfutter in pelletierter Form angeboten. In der vorliegenden Studie wurde deshalb der Einfluss verschiedener Futterrationen auf die Lebendmasseentwicklung und die Pansenentwicklung untersucht: gehäckseltes Heu (H), Kraftfutter in pelletierter Form (KF), Kraftfutter mit Heu (KFH), Maissilage mit 5 % Stroh (MS) sowie Maissilage mit Kraftfutter und 5 % Stroh (KFMS). In die Studie wurden 20 Kälber der Rasse Deutsch Schwarzbunt X Holstein-Frisian einbezogen. Die tägliche Futter- und Tränkeaufnahme sowie die körperliche Entwicklung der Kälber mittels Bestimmung der Körpermasse und Messung von Brustumfang und Widerristhöhe wurden 10 Wochen lang dokumentiert. Regelmäßig wurden Blutproben zur Überprüfung des Gesundheitszustandes sowie zur Untersuchung des Einflusses der verschiedenen Futterrationen auf die Blutparameter gewonnen. Nach Schlachtung der Tiere wurden die Gewichte der Organe des Verdauungstraktes sowie die Trockensubstanzgehalte der jeweiligen Ingesta bestimmt. Pansensaftproben wurden auf die folgenden Parameter untersucht: pH-Wert, D-/L-Laktat, Ammonium und kurzkettige Fettsäuren. Nach Begutachtung der Pansenschleimhaut wurden aus zwei Lokalisationen zwei 3 cm² große Gewebeproben entnommen und mikroskopisch untersucht.
    Die durchschnittliche Gesamt-TS-Aufnahme lag je nach Fütterungsgruppe zwischen 0,40 und 1,27 kg/Tag. Die TS-Aufnahme der Gruppen, in denen Kraftfutter angeboten wurde, fiel aufgrund der größeren Schmackhaftigkeit deutlich höher aus als für die Gruppen mit alleiniger Zufütterung von Heu oder Maissilage. Maissilage wurde nur sehr zögerlich aufgenommen. Die TS-Aufnahmen und der höhere Energiegehalt des Kraftfutters spiegelten sich in der ME-Aufnahme (14,5-24,9 MJ/Tag) und den Lebendmassezunahmen (0,49-0,95 kg/Tag) wider. Die durchschnittliche Trinkwasseraufnahme variierte zwischen 1,3 und 5,0 l/Tag. Es bestand eine positive Wechselbeziehung zwischen der Höhe der TS-Aufnahme und der aufgenommenen Wassermenge. Die Blutuntersuchungen spiegelten die altersbedingten Veränderungen wider und befanden sich innerhalb der für die jeweilige Altergruppe angegebenen Referenzbereiche. Der ß-Hydroxybuttersäure- und Harnstoffspiegel sowie die Enzymaktivität der GLDH wurden von der Art der Ration bzw. deren Fermentationsverhalten beeinflusst. Der pH-Wert im Pansensaft der Kälber lag bei den verschiedenen Gruppen zwischen 5,09 und 6,62. Die Gruppen H und MS zeigten einen höheren pH-Wert, eine niedrigere Laktat-Konzentration und eine niedrigere Gesamtkonzentration kurzkettiger Fettsäuren als die Gruppen KF, KFH und KFMS. Obwohl die Kälber der Gruppen KFH und KFMS nur wenig Rauftutter aufnahmen, fiel der pH-Wert dieser Gruppen etwas höher aus als der der Gruppe KF. Dies deutet darauf hin, dass bereits kleine Mengen Raufutter in der Ration den pH-Wert im Pansen erhöhen können. Bei der Beurteilung der Pansenschleimhaut fielen bei den mit Kraftfutter gefütterten Kälbern unregelmäßig geformte, z.T. verklumpte Zotten sowie die Anwesenheit von Haaren und Läsionen auf. Die Zotten der Gruppe MS waren kaum ausgebildet. Sowohl im ventralen Pansensack als auch im ventralen Blindsack wiesen die Kälber der Gruppen KF, KFH und KFMS eine höhere Zottenlänge und -breite, jedoch eine geringere Zottendichte als die Gruppe H auf. Die Gruppen KF, KFH und KFMS zeigten ein höheres Verhältnis von Mucosa- zu Serosalänge (MLSL) als die Gruppen H und MS, wobei die Gruppe MS die geringste MLSL aufwies. Das Gewicht des leeren Reticulorumens und der Leber fiel bei den Gruppen KF, KFH und KFMS höher aus als bei den Gruppen H und MS.
    Neben den auf die Entwicklung bezogenen Vorteilen eines Angebots von Kraftfutter, allein oder in Kombination mit Raufutter, sind hinsichtlich der Gesundheit auch mögliche Risiken festgestellt worden. Die Bevorzugung des Kraftfutters auf Kosten der Raufutteraufnahme bedingte morphologische Veränderungen der Pansenschleimhaut. Sie könnten infolge einer subakuten Pansenazidose und/oder einer ungenügenden mechanischen Beanspruchung infolge fehlenden ?scratching factors? entstanden sein. Um die Vorteile der Fütterung von Kraftfutter zu nutzen und gleichzeitig eine gesunde Entwicklung des Pansenepithels von Anfang an sicherzustellen, sollte Kälbern von Beginn an Heu ad libitum und Kraftfutter in begrenzten Mengen angeboten werden.