Fachbereich Veterinärmedizin


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    Immunhämolytische Anämie und immunbedingte Thrombozytopenie beim Hund, eine prospektive Studie (Januar 1997-Januar 1999) (2001)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Engelbrecht, Rolf
    Quelle
    Berlin, 2001 — 187 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000000496
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
    14163 Berlin
    +49 30 838 62356
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    Abstract / Zusammenfassung

    VI. Zusammenfassung

    In dieser prospektiven Studie wurden alle Patienten mit immunbedingter Thrombozytopenie (ITP) und immunhämolytischer Anämie (IHA), die innerhalb von 2 Jahren (Januar 1997-Januar 1999) in der Klinik für kleine Haustiere der FU Berlin vorgestellt wurden, im Hinblick auf Symptome, Diagnostik und Krankheitsverlauf ausgewertet.

    Immunbedingte Thrombozytopenie:
    Eine Thrombozytopenie mit Tc-Zahlen < 150.000/µl wurde bei insgesamt 268 Hunden festgestellt, davon hatten 15 Hunde (5,6 %) eine primäre ITP (pITP). Die Diagnose pITP wurde aufgrund des Vorliegens einer Thrombozytopenie, dem Ausschluß anderer Erkrankungen sowie dem positiven Nachweis Tc-gebundener Antikörper gestellt. Insgesamt waren Hunde 11 verschiedener Rassen erkrankt. Mehrfach vertreten waren Cockerspaniel (n=3) und Golden Retriever (n=3). Das Alter zu Erkrankungsbeginn lag zwischen 0,5 und 10,0 Jahren ( 7,3 Jahre). Vier Tiere waren männlich, 10 weiblich und 1 weiblich kastriert. 12 Hunde zeigten Anzeichen einer erhöhten Blutungsneigung, wie Petechien in Haut und Schleimhäuten (n=10), Zahnfleischbluten (n=4), Meläna (n=3), Ekchymosen (n=1) und Epistaxis (n=1). Die Tc-Zahlen lagen zwischen 0 - 74.000 /µl ( 10.400/µl), 93 % der Hunde hatten Tc-Zahlen < 30.000/µl. Das mittlere Plättchenvolumen (MPV) wurde bei 6 Hunden bestimmt und schwankte zwischen 5,6 und 9,1 fl ( 7,4 fl; Normalbereich 3,9-6,1 fl). Eine Anämie mit Hkt < 35 % lag bei 5 Hunden vor. In der Röntgen- und Ultraschalluntersuchung wurde bei 7 Hunden eine Splenomegalie, bei einem eine Hepatomegalie und bei 2 Hunden eine Hepatosplenomegalie festgestellt.
    Die Patienten wurden mit Prednisolon (n=9), Prednisolon/Azathioprin (n=3) und Prednisolon/Azathioprin/Vincristin (n=3) behandelt. Erster Anstieg der Tc-Zahlen über 50.000/µl wurde bei 13 Hunden nach 2-11 Tagen (&#61638; 4,4 Tage) festgestellt. Bei einem Hund stiegen die Tc-Zahlen nie über 25.000/µl, ein Patient hatte bereits initial Tc-Zahlen > 50.000/µl.
    Fünf Hunde mit kontinuierlichem Tc-Anstieg konnten nur einen begrenzten Zeitraum (9-38 Tage, &#61638; 20,4 Tage) beobachtet werden. Nach telefonischer Auskunft der Besitzer waren diese Patienten ca. ein Jahr nach Ende der Studie noch am Leben.
    Unter Medikamentation erlitten 2 Hunde, nach Absetzen aller Medikamente zeigten ebenfalls 2 Hunde ein Rezidiv. Die Rezidivrate bei 15 Hunden betrug somit 27 %. Betrachtet man nur die 10 über einen längeren Zeitraum (59 ý 588 Tage, &#61638; 234 Tage) kontrollierten Patienten, so betrug die Rezidivrate 40 %.
    Fünf Hunde erfuhren während des Behandlungszeitraumes (59 ý208 Tage) kein Rezidiv und hatten nach Absetzen der Medikamente (48-580 Tage, &#61638; 356 Tage) oder unter anhaltend niedriger Prednisolonbehandlung (59-119 Tage) Tc-Zahlen im Referenzbereich.
    Ein Hund wurde wegen Pankreatitis und DIC euthanasiert. Die Letalitätsrate betrug damit 6,7 %.
    Bei 17 Hunden mit Grundkrankheit (Tc-Zahlen 1.400-119.000/µl,  31.200/µl) und positivem Nachweis Tc-gebundener Antikörper wurde die Verdachtsdiagnose sITP gestellt. Als Grundkrankheiten lagen Ehrlichiose (4), Ehrlichiose/Babesiose (1), Ehrlichiose/Polyarthritis (1), Babesiose (2), Babesiose/Leishmaniose (2), Lymphom (2), Abszeß (1), Prostatitis (1), Lebertumor (1) und Milztumor (1) vor; bei einem Hund trat die Thrombozytopenie nach einer Bluttransfusion auf. Neben der Behandlung der Grundkrankheit wurden 3 Hunde (Ehrlichiose 2, Ehrlichiose/Polyarthritis 1) auch immunsuppressiv behandelt. Ein positives Testergebnis Tc-gebundener Antikörper war demnach nicht spezifisch für eine pITP und andere Ursachen für eine ITP bedürfen der sorgfältigen Abklärung.
    Der Nachweis Tc-gebundener Antikörper war bei 17 Hunden (Tc-Zahlen 2.700-110.000/µl, &#61638; 48.900/µl) mit Grundkrankheit (Milztumor/Hämangiosarkom 4, DIC 3, lymphatische Leukämie 2, Hämophilie 2, Lymphom unter Chemotherapie 1, Cumarinintoxikation 1, Milzhämatome 1 und Milztorsion 1) negativ. Bei 2 Hunden mit negativem Testresultat, die bereits 1 bzw. 4 Wochen mit Glukokortikoiden vorbehandelt wurden, konnte keine Grundkrankheit festgestellt werden.
    Bei den 42 gesunden Kontrollhunden war der Nachweis Tc-gebundener Antikörper negativ.

    Immunhämolytische Anämie:
    Bei 352 Hunden wurde eine Anämie mit Hkt < 35 % festgestellt. Davon waren 15 Hunde
    (4,3 %) an primärer IHA (pIHA) erkrankt. Die Diagnose pIHA wurde aufgrund von positivem Coombs-Test (n=13), makroskopischer Objektträgeragglutination (n=15), Sphärozyten (n=10), dem Auschluß anderer Erkrankungen und dem Ansprechen auf die immunsuppressive Therapie gestellt. Bei 2 Hunden, die nicht immunsuppressiv vorbehandelt waren, war der Coombs-Test negativ. Hier stützte sich die Diagnose auf die makroskopische Objektträgeragglutination (n=2), Sphärozyten (n=1), dem Ansprechen auf die immunsuppressive Therapie (n=2) und auf den Ausschluß anderer Erkrankungen (n=2).
    Die Hunde gehörten 6 verschiedenen Rassen an, 6 waren Mischlingshunde. Mehrfach vertreten waren Cockerspaniel (n=2) und Bobtail (n=2). Das Erkrankungsalter lag zwischen 1-10 Jahren (&#61638; 5,3 Jahre). 9 Tiere waren männlich oder männlich-kastriert, 6 Hunde weiblich oder weiblich-kastriert. Der Hkt bei Erstvorstellung lag zwischen 10 ý 23 % (&#61638; 16,6 %), wobei 10 Hunde (66 %) eine schwere Anämie mit Hkt < 20 % aufwiesen. Neun Hunde hatten auch eine Thrombozytopenie (Tc-Zahlen 11.800-143.000/µl), davon 3 wegen DIC.
    Die differenzierten Coombs-Test-Ergebnisse (n=12) ergaben eine Beteiligung von IgG (n=7), IgG + C3 (n=4) und IgG + IgM + C3 (n=1). Ein Hund hatte ein unspezifisch positives Coombs-Testergebnis. Von 7 Patienten wurden die Titer von IgG bestimmt, die zwischen 1:40 und 1:1280 lagen. Die C3-Titer lagen zwischen 1:20-1:40. Es bestand kein Zusammenhang zwischen Antikörperklasse und Titerhöhe des Coombs-Testes und dem Verlauf und der Schwere der Erkrankung.
    Die korrigierten Retikulozytenzahlen lagen zwischen 0 ý 23,6 % (&#61638; 4,0 %), wobei mit Retikulozytenzahlen < 1,0 % die Anämie bei 5 Hunden bei Erstvorstellung nicht regenerativ war. Eine Serumbilirubinerhöhung mit Werten zwischen 0,7 ý 33 mg/dl (&#61638; 4,6 mg/dl) wiesen 11 Hunde auf. An extravaskulärer Hämolyse litten 14, an intravaskulärer Hämolyse ein Hund. Eine Erhöhung unterschiedlicher Leberenzyme (AP, ALT, AST, GLDH) lag bei 12 Tieren, eine DIC bei 3 Hunden vor. In der Röntgen- und Ultraschalluntersuchung zeigten 7 Hunde eine Splenomegalie, 4 eine Hepatomegalie und 2 Tiere eine Hepatosplenomegalie.
    Die immunsuppressive Therapie erfolgte mit Prednisolon (n=6), Prednisolon/Azathioprin (n=8) und Prednisolon/Cyclophosphamid (n=1). Bei je einem Hund mit Prednisolon/Azathioprin-Behandlung wurde das Azathioprin durch Cyclophosphamid bzw. Ciclosporin ersetzt.
    Vier Hunde konnten nur einen kurzen Zeitraum (10-39 Tage, &#61638; 19 Tage) verfolgt werden und zeigten einen Hkt-Anstieg > 25 % in der 2. (n=2), 3. (n=1) bzw. 4. Woche. Diese Hunde waren am Ende der Studie nach telefonischer Auskunft noch am Leben. Fünf Hunde starben bzw. wurden in der Anfangsphase der Erkrankung euthanasiert.
    Sechs Hunde wurden längerfristig beobachtet (10-89 Wochen, &#61638; 32,7 Wochen). Sie zeigten in der 2. (n=4) bzw. 3. Woche (n=2) einen Hkt-Anstieg > 25 %. Unter Medikamentation erlitten 2 Patienten, nachdem sie 12 bzw. 20 Wochen unter Therapie standen, einen Rückfall. Der eine Patient wurde mit respiratorischen Symptomen euthanasiert. Der 2. Patient erholte sich vom dem Rezidiv, war 34 Wochen in Behandlung und wies 10 Wochen nach dem Ende der Studie stabile Hkt-Werte auf. Damit lag die Rezidivrate unter 15 Hunden mit pIHA bei 13 %. Betrachtet man nur die längerfristig betreuten Hunde (n=6), so ergab sich eine Rezidiv-rate von 33 %. Einer der längerfristig untersuchten Hunde war 25 Wochen in Behandlung, zeigte kontinuierlichen Hkt-Anstieg und wies 64 Wochen nach Absetzen der Medikamente stabile Hkt-Werte auf. Weitere 3 der längerfristig kontrollierten Hunde zeigten kontinuierlichen Hkt-Anstieg und standen am Ende der Studie noch unter Medikamenten.
    Insgesamt überlebten 6 Hunde die Erkrankung nicht. Das ergab eine Letalitätsrate von 40 %.
    Eine sIHA wurde bei 7 Hunden (Hkt 17-28 %; &#61638; 23,6 %) aufgrund eines positiven Coombs-Tests vermutet. Die Patienten waren an Leishmaniose (n=2), Leishmaniose/Babesiose, Ehrlichiose, Lebernekrose und Leberzellkarzinom (je n=1) erkrankt oder standen unter Medikamenten (Phenobarbital, n=1). Alle Patienten mit sIHA zeigten eine unterschiedlich ausgeprägte Objektträgeragglutination, die bei einem Patienten bei 4°C makroskopisch persistierte. Bei 2 Tieren fanden sich Sphärozyten im Blutausstrich.
    Bei 25 Hunden (Hkt 11-35 %, &#61638; 22,1 %) mit pITP (8), Babesiose (3), Ehrlichiose (3), chronischer Niereninsuffizienz (3), gastrointestinalen Tumoren (3), Hämophilie (2), hämorrhagischer Gastroenteritis (1), lympho-plasmazellulärer Enteritis (1) und lymphatischer Leukämie (1) war das Coombs-Test-Ergebnis negativ.

    Immunbedingte Thrombozytopenie und immunhämolytische Anämie (Evansý Syndrom):
    Bei 9 Hunden lag neben einer pITP zusätzlich eine pIHA vor. Insgesamt waren 5 Hunde 3 verschiedener Rassen (Cockerspaniel und Riesenschnauzer, je n=2) und 4 Mischlingshunde erkrankt. Das Alter zu Erkrankungsbeginn lag zwischen 2 und 14 Jahren (&#61638; 7,3 Jahre). 5 Tiere waren männlich, 3 weiblich und eines weiblich-kastriert. Anzeichen einer erhöhten Blutungsneigung wie Meläna (n=2), Petechien in Haut und Schleimhäuten, Ekchymosen, Hämatome, blutigen Durchfall und blutigen Scheidenausfluß (je n=1) zeigten 5 Hunde. Die Tc-Zahlen lagen zwischen 10.000-143.000/µl (&#61638; 46.900/µl); bei 5 Hunden lagen sie < 30.000/µl. Der Nachweis Tc-gebundener Antikörper war bei allen 9 Hunden positiv. Das MPV wurde bei 5 Hunden bestimmt und lag zwischen 1,8 und 5,3 fl (&#61638; 3,3 fl). Alle 9 Hunde waren
    anämisch; eine schwere Anämie Hkt < 20 % wiesen 6 Tiere auf. Eine makroskopische Objektträgeragglutination zeigten alle 9, Sphärozyten wiesen 5 Hunde auf. Mit dem Coombs-Test wurden die Antikörperklassen IgG (n=8) und IgG + C3 (n=1) nachgewiesen. Alle Patienten zeigten eine extravaskuläre Hämolyse. Die korrigierte Retikulozytenzahl lag zwischen 0,4 ý 6,8 % (&#61638; 2,6 %); bei einem Hund war die Anämie nicht regenerativ. Eine Serumbilirubinerhöhung wiesen 2 Hunde auf. In der Röntgen- und Ultraschalluntersuchung zeigten 5 Hunde eine Splenomegalie und 2 eine Hepatosplenomegalie.
    Die immunsuppressive Therapie erfolgte mit Prednisolon (n=2) und Prednisolon/Azathioprin (n=7), wobei bei einem Hund nach Tc-Abfall und nachfolgend fehlendem Tc-Anstieg das Azathioprin gegen Ciclosporin ausgetauscht wurde. Erster Anstieg der Tc-Zahlen über 50.000/µl wurde bei 7 Hunden 2-6 Tage (&#61638; 3,4 Tage) nach Therapiebeginn beobachtet. Zwei Hunde hatten bereits Tc-Zahlen über 50.000/µl. Einen Hkt-Ansteig zeigten alle Hunde in der 1. (n=1), 2. (n=6) und 3. (n=2) Behandlungswoche.
    Ein Patient konnte nur 13 Tage verfolgt werden. Es fehlen sämtliche Daten über den Verlauf.
    Unter Medikamentation erlitten 3 Hunde nach 16, 84 und 119 Tagen einen Tc-Abfall. Bei 2 Hunden erfolgte gleichzeitig ein Hkt-Abfall. Bei dem 3. Patienten erfolgte ein Hkt-Abfall zeitlich versetzt (18 Wochen) nach dem Tc-Abfall. 235 Tage nach Absetzen der Medikamente erlitt ein Patienten einen Tc-und Hkt-Abfall. Damit lag die Rezidivrate (Tc- bzw. Hkt-Abfall) bei 50 %. Diese 4 Hunde mit Rezidiven und 3 Tiere mit kontinuierlichem Tc- und Hkt-Anstieg standen am Ende der Studie noch unter Therapie.
    Ein Patient mit kontinuierlichem Tc-und Hkt-Anstieg wurde wegen Harninkontinenz beim Haustierarzt euthanasiert. Die Letalitätsrate lag bei 11 %.