Fachbereich Veterinärmedizin


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    Zur Geschichte der Prophylaxe unter besonderer Berücksichtigung des Hundes (2003)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Hamann, Margitta
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2003 — 203 Seiten
    ISBN: 3-89820-710-2
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001269
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    Klinik für kleine Haustiere

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    Abstract / Zusammenfassung

    Die Arbeit stellt die Entwicklung der Prophylaxe in den einzelnen Epochen der Menschheits-geschichte dar und untersucht, wann sich ein prophylaktisches Denken entwickelte und Ein-gang in die Tiermedizin fand. Bei diesen vergleichenden Betrachtungen steht der Hund mit seinen klassischen Infektionskrankheiten Tollwut, Staupe und Parvovirose im Mittelpunkt. Die ersten prophylaktischen Ansätze entwickelten sich im Rahmen religiöser Regeln. Gesell-schaftliche Verhältnisse, demographische Veränderungen, politische, moralische und ethi-sche Ansichten aber auch das Lebensgefühl der Menschen in den einzelnen Epochen der Menschheitsgeschichte prägten Umfang und Einstellung zur Prophylaxe. Die Verwirklichung hygienischer Ansprüche war in allen Epochen von gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen abhängig. Schon die Menschen des Altertums waren bestrebt, durch vorbeugende Maßnahmen ihre Gesundheit zu bewahren. Bei den Griechen rückte die Prophylaxe sogar in das Zentrum ihres Medizinkonzeptes. Auch auf dem Gebiet der Tierheilkunde sind bei ihnen detaillierte prophylaktisch – diätetische Vorschriften nachweisbar. Das Mittelalter war von starken demographischen Veränderungen und einer umfassenden gesellschaftlichen Zerrüttung geprägt. Das Christentum trug wenig zur Durchsetzung von Sauberkeit und Hygiene bei. Zu keiner Zeit gestaltete sich das Verhältnis zum Haustier Hund so zwiespältig wie im Mittelalter. Diese allgemeine und klassenabhängige Einstellung zum Hund hatte unterschiedliche und teils katastrophale Auswirkungen auf seine Haltung, Behandlung und Gesundheit. Mit dem Beginn der Neuzeit besannen sich die Menschen auf das antike Wissen. Vielfältige Dokumente hygienischer Volksbelehrung sorgten für die Verbreitung diätetischer Ansichten. Auch Erkenntnisse zur Gesunderhaltung der Hunde fanden verstärkt Eingang in das Schrift-tum, besonders in die Jägerliteratur. Die Ideen der Aufklärung brachten die Notwendigkeit und Möglichkeit einer Krankheitsverhü-tung in das Bewußtsein der Menschen zurück. Im Rahmen des aufgeklärten Absolutismus erlangte die öffentliche Gesundheitspflege einen hohen Stellenwert. Der Gesundheitszu-stand ganzer Bevölkerungsgruppen wurde gebessert. Das erstarkte Bürgertum änderte im Laufe der Neuzeit seine Einstellung zum Hund. Die zu-nehmende Beliebtheit des Hausgenossen Hund ging mit dem Bemühen einher, ihn vor Krankheiten zu bewahren. Auf dem Gebiet der Tiermedizin erhielt die Prophylaxe mit der Gründung der Tierarzneischu-len ein wissenschaftliches Fundament. Es erfolgte eine intensive Bearbeitung der Hunde-krankheiten und deren Verhütung. Trotz der Anwendung vielfältiger prophylaktischer Maßnahmen verliefen die Infektionskrankheiten Tollwut, Staupe und Parvovirose häufig seuchenhaft und forderten hohe Verluste unter den Hunden. Erst mit der Entwicklung der Immunisierungsverfahren konnte diesen Infektionserkrankungen der Schrecken genommen werden. Bei der Bekämpfung der Tollwut als bedeutender Zoonose hat sich zum Schutz der menschlichen Gesundheit die Vorverlagerung der Prophylaxe auf das Tier bewährt. Die Immunisierung der Füchse führte zu einer grundlegenden Verbesserung der Tollwutsituation in Europa. Allgemein ist die erfolgreiche Durchführung prophylaktischer Maßnahmen auf breiter Ebene nur bei entsprechender gesellschaftlicher Akzeptanz erreichbar.