Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Untersuchungen zur röntgenologischen Darstellbarkeit abdominaler Erkrankungen beim Meerschweinchen (Cavia aperea f. porcellus) (2004)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Schulze, Heiko
    Quelle
    Berlin, 2004 — 236 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001558
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
    14163 Berlin
    +49 30 838 62356
    kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    In den Jahren 1994 bis 1999 wurden in der Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere der Freien Universität Berlin 368 Meerschweinchen, davon 233 (63,3 %) weibliche und 132 (35,9%) männliche Tiere, abdominal geröntgt. Die Vorbereitungen des Patienten zur röntgenologischen Untersuchung sowie die Lagerungstechniken werden diskutiert. Anhand der erstellten Aufnahmen wird in dieser Arbeit, unter Berücksichtigung der klinischen Symptomatik, die Anwendbarkeit der Röntgenuntersuchung bei abdominalen Erkrankungen des Meerschweinchens in der Nativaufnahme untersucht. Physiologische und pathologische Darstellungen der Abdominalorgane werden beschrieben. Zu den physiologisch röntgenologisch abgrenzbaren Abdominalorganen des Meerschweinchens gehören die Leber, der Magen, der Blinddarm, die Nieren und die Harnblase. Bei geringgradigem Gasgehalt können auch der Dünndarm und einzelne Kolonabschnitte differenziert werden. Bei Tieren unter einem halben Jahr ist eine Differenzierung der Abdominalorgane bis auf die Leber nicht möglich. Größere Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt korrelieren beim Meerschweinchen häufig mit Erkrankungen desselben, des Urogenitalapparates und mit Allgemeinerkrankungen. Als Ausdruck massiver Gasbildung kommen oft Magen- und Blinddarmtympanien, auch in Kombination, vor. Die Magentympanie trat in dieser Studie häufiger auf als die Zäkumtympanie. Während die Magentympanie bei weiblichen Tieren häufiger zu sehen war, trat die Zäkumtympanie häufiger bei männlichen Meerschweinchen in einem Alter von drei bis vier Jahren auf. Grunderkrankungen, die häufig zu Inappetenz bzw. Anorexie geführt haben, waren die auslösenden Ursachen, vor allem Erkrankungen der Maulhöhle und Enteropathien. Magenbefunde wie Überladung, Bezoarbildung und Verkalkung der Magenwand werden in dieser Arbeit beschrieben. Leberveränderungen können als Organvergrößerungen bei Steatosis, Kongestion sowie bei Leberabszessen beobachtet werden. Röntgenologische Anzeichen einer Hepatomegalie sind die Lokalisation des Kaudalrandes des Lobus quadratus über L1 hinaus, Werte der kraniokaudalen Ausdehnung von mehr als vier Zentimeter und die Dislokation der kranialen Magenwand unter T11 bis T13. Aufgrund einer neoplastischen Entartung konnte die Bauchspeicheldrüse in einem Fall wegen diffuser Verkalkungsherde röntgenologisch dargestellt werden. Die Darstellung der Milz wird beispielhaft als Splenomegalie bei Infektionen des Gastrointestinaltraktes und bei Neoplasien beschrieben. Die physiologische Nierenlänge entspricht nach den vorliegenden Untersuchungen der 2,1 bis 2,9 - fachen Länge des ersten Lendenwirbelkörpers. Neben tympanischen Zuständen und raumfordernden Prozessen in der Bauchhöhle des Meerschweinchens hat die Röntgenologie bei der Diagnostik der Urolithiasis große Bedeutung. Sie kann röntgenologisch in den Nieren, den Harnleitern, der Harnblase und in der Harnröhre bei männlichen und bei weiblichen Tieren als Grieß- und Konkrementbildung nachgewiesen werden. Die Urolithiasis ist bei weiblichen Meerschweinchen mit 63% häufiger als bei männlichen. Ab einem Lebensalter von einem dreiviertel Jahr waren in dieser Studie alle Altersklassen betroffen. Weibliche Meerschweinchen neigen deutlich mehr zur Konkrementbildung in der Harnröhre bzw. an Orificium urethrae als männliche. Bei Anzeichen eines dolenten Abdomens sowie von Erkrankungen der Harnwege sollte die Radiologie aufgrund des häufigen Vorkommens der Urolithiasis beim Meerschweinchens wesentlicher Bestandteil der Diagnostik sein. Veränderungen am Uterus wie Pyometra, Nachgeburtsverhaltung, tumoröse Entartung und fruchtbedingte Geburtsstörungen konnten in dieser Studie nachgewiesen werden. Desweiteren lassen sich zystische Veränderungen an den Eierstöcken ab einer Größe von 1,5 cm röntgenologisch darstellen. Das Alter der betroffenen Tiere lag in dieser Studie mit einer Häufung der drei- bis fünfjährigen Tiere zwischen einem und sieben Jahren. Nebenbefunde am Skelettsystem werden in dieser Arbeit zusätzlich noch herausgearbeitet und dokumentiert.