Fachbereich Veterinärmedizin


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    Untersuchung verschiedener prognostischer Marker einschliesslich des C-reaktiven Proteins bei der caninen autoimmunhämolytischen Anämie (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Griebsch, C.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — VII, 159, [2] Seiten
    ISBN: 978-3-86664-532-5
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000008471
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

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    Abstract / Zusammenfassung

    Die canine primäre immunhämolytische Anämie (pIHA) ist assoziiert mit einer hohen Letalitätsrate. Negative prognostische Parameter wie ein sehr niedriger Hämatokrit, eine nichtregenerative Anämie, schwere Thrombozytopenie, Hypoalbuminämie und Hyperbilirubinämie sind beschrieben. Über das wichtigste Akute-Phase-Protein beim Hund, das C-reaktive Protein (CRP), ist diesbezüglich nichts bekannt.
    Ziel der Studie war die Evaluierung von CRP und weiteren Laborparametern sowohl initial als auch im Verlauf als mögliche Marker für Prognose und Behandlungserfolg bei Hunden mit IHA.
    Bei 31 Hunden wurde die Diagnose pIHA aufgrund des Vorliegens einer Anämie, dem Ausschluss möglicher auslösender Faktoren, einem positiven Coombs-Test (n = 30) bzw. persistierender Autoagglutination (n = 1), dem Nachweis von Sphärozyten im Blutausstrich (n = 20), makroskopischer Objektträgeragglutination (n = 29) und dem Ansprechen auf die immunsuppressive Therapie (n = 21) gestellt. 21 Hunde überlebten die ersten 14 Tage (Gruppe 1), 8 Hunde verstarben vor Tag 14 bzw. wurden aufgrund eines sehr schlechten Allgemeinzustandes euthanasiert (Gruppe 2). Zwei Hunde wurden vor Tag 14 auf Besitzerwunsch euthanasiert und wurden daher keiner der beiden Gruppen zugeordnet.
    Die Hunde gehörten 18 verschiedenen Rassen an, 7 waren Mischlingshunde. Das Erkrankungsalter lag zwischen 0,5 und 13 Jahren (M 7 Jahre).
    23 Hunde hatten eine extravaskuläre, 8 eine intravaskuläre Hämolyse. Von den 8 Hunden mit intravaskulärer Hämolyse starben 5, 3 überlebten. Von den 23 Hunden mit extravaskulärer Hämolyse starben 4, einer wurde auf Besitzerwunsch euthanasiert und 18 überlebten.
    Der Mikro-Hkt bei Erstvorstellung lag zwischen 0,05 und 0,32 l/l (M 0,16), wobei eine schwere Anämie mit Hkt <0,20 l/l bei 23 Hunden vorlag. Der Hkt bei Erstvorstellung war bei beiden Gruppen ähnlich (p = 0,448). In Gruppe 1 kam es zwischen Tag 0 und 3 zu einem medianen Hb-Anstieg (+0,8 mmol/l), in Gruppe 2 jedoch zu einem -Abfall (-0,3 mmol/l) (p = 0,012), hinsichtlich des Hkt-Wertes war dieser Unterschied nicht signifikant. Insgesamt war die Anämie bei 14 Hunden (46,6%) nicht regenerativ, bei 5 (16,6%) schwach regenerativ und bei 11 (36,6%) mässig bis stark regenerativ. Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen lag weder initial noch im Verlauf vor.
    Hunde der Gruppe 1 (n = 21) hatten im Median initial höhere Leukozytenzahlen als Hunde der Gruppe 2 (n = 8) (p = 0,237). Bei Hunden der Gruppe 2 kam es an Tag 3 zu einem Anstieg der Leukozytenzahl (M +32,7 G/l), während die Leukozytenzahl bei Hunden der Gruppe 1 in etwa konstant blieb (M +3,5 G/l) (p = 0,003). Hunde der Gruppe 1 hatten im Median signifikant höhere Thrombozytenzahlen (M 152 G/l) als Hunde der Gruppe 2 (M 90 G/l) (p = 0,009). Während die Thrombozytenzahlen in Gruppe 1 im Median unter der Behandlung im Verlauf anstiegen (M 7 G/l), kam es in Gruppe 2 bis zu Tag 3 zu einem Abfall (M -24 G/l) (p = 0,376).
    4 Hunde (19%) aus Gruppe 1 und 5 Hunde (62,5%) aus Gruppe 2 hatten initial eine Azotämie. Zwischen Tag 0 und 3 kam es in Gruppe 1 zu einem Absinken der Harnstoffkonzentration (M -2,3 mmol/l), während es in Gruppe 2 zu einem Anstieg (M +8,4 mmol/l) kam (p = 0,047).
    Elf Hunde waren mit Glukokortikoiden vorbehandelt worden, daher wurden die Leberenzyme dieser Hunde von der Beurteilung ausgeschlossen. Hinsichtlich der AST- (p = 0,056), ALT- (p = 0,117), AP- (p = 0,566) und GLDH- (p = 0,851) Konzentration gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Hunde der Gruppe 1 hatten initial eine mediane Bilirubinkonzentration von 16,1 µmol/l, Hunde der Gruppe 2 von 38 µmol/l (p = 0,04). Der Anstieg der Bilirubinkonzentration zwischen Tag 0 und 3 war in Gruppe 2 mit +626,7 µmol/l signifikant höher als in Gruppe 1 mit +1,4 µmol/l (p = 0,035).
    Bei 11 Hunden lag bei Erstvorstellung eine DIC vor, dabei 4 (13%) aus Gruppe 1 und 7 (87,5%) aus Gruppe 2. Die aPTT war bei Hunden aus Gruppe 2 (M 34,1 s) signifikant länger als die aPTT bei Hunden der Gruppe 1 (M 20 s) (p = 0,004). In Gruppe 2 kam es im Verlauf der Therapie zu einer Verlängerung (M +1,2 s), in Gruppe 1 zu einer Verkürzung (M -6,6 s) der aPTT (p = 0,013). Auch die PT war mit 26 s in Gruppe 2 und 18,5 s in Gruppe 1 bei Hunden der 2. Gruppe signifikant verlängert (p = 0,032). In Gruppe 2 kam es von Tag 0 zu Tag 3 zu einer Verlängerung (M +6,4 s), in Gruppe 1 zu einer Verkürzung (M -1,8 s) der PT (p = 0,038). Eine Bestimmung von Fibrinogen wurde bei 14 Hunden durchgeführt. Eine Erhöhung des Fibrinogenwertes >3,5 g/l lag bei 9 Hunden aus Gruppe 1 vor, eine Erniedrigung des Fibrinogens <1,8 g/l wurde bei 2 Hunden festgestellt, beide aus Gruppe 2.
    Das CRP war bei den meisten Hunden (80%) mit immunhämolytischer Anämie an Tag 0 hochgradig erhöht und fiel im Verlauf ab. In Gruppe 1 (n = 19) lag die mediane CRP-Konzentration initial bei 213 µg/ml, in Gruppe 2 (n = 4) bei 194 µg/ml. Zwischen Tag 0 und 3 kam es zu einem Abfall der medianen CRP-Konzentration um -137 µg/ml in Gruppe 1 und -95 µg/ml in Gruppe 2. Sie sank in Gruppe 1 auf 54 µg/ml an Tag 3, 34 µg/ml an Tag 8 und 1 µg/ml an Tag 14. Bei 11 Hunden wurde eine Bestimmung von Hp durchgeführt. Der Hp-Spiegel lag mit 2,3 mg/ml im Median initial im Normbereich und stieg im Verlauf der Therapie bis auf 15,6 mg/ml an.
    Die Bestimmung von EPO bei 15 Hunden ergab eine mediane EPO-Konzentration von 397 U/l (Gruppe 1 185 U/l, Gruppe 2 1052 U/l) (p = 0,641). Die inverse Korrelation zwischen EPO-Wert und Hämatokritwert war statistisch signifikant (p = 0,011).
    26 Hunde erhielten eine unterschiedliche Anzahl an Bluttransfusionen (14 Hunde Erythrozytenkonzentrat, 6 Vollblut, 8 frisch gefrorenes Plasma). Hunde der Gruppe 2 bekamen mit im Median 9 ml/kg signifikant mehr Plasmaprodukte (FFP und Vollblut) als Hunde der Gruppe 1 (M 0) (p = 0,004). Hinsichtlich der transfundierten Menge an Erythrozytenprodukten (Erythrozytenkonzentrat, Vollblut) bestand kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen.
    Insgesamt waren eine initial vorliegende Thrombozytopenie, ein deutlich erhöhter Plasmabilirubinwert und eine stark verlängerte PT und aPTT mit einer signifikant höheren Letalität assoziiert. Im Verlauf der Erkrankung waren ein weiterer Anstieg der Leukozytenzahl, Harnstoff- und Bilirubinkonzentration, ein Abfall der Hb-Konzentration und eine Verlängerung von PT und aPTT mit einer signifikant höheren Letalität verbunden. CRP war initial stark erhöht und fiel im Verlauf der Therapie ab. CRP könnte ein nützlicher Marker für den Behandlungserfolg bei Hunden mit IHA sein.