Fachbereich Veterinärmedizin


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    Ausmaß der Hypothermie und Hypothermieprävention bei Hunden in Allgemeinnarkose - Evaluation eines Infusionswärmers aus der Humanmedizin als Wärmekonzept beim Kleintier (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Somerkoski, M.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — IX, 124 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-685-8
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000015468
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62356 Fax: +49 30 - 838 460 157
    email: kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Eine durch die Anästhesie induzierte Inhibition der normalen Thermoregulation kombiniert mit kühlen Umgebungsbedingungen im Operationssaal führen bei den meisten chirurgischen Patienten zur peri- und postanästhetischen Hypothermie. Ziel dieser prospektiven Studie war es, die Effektivität eines Infusionserwärmers als einzige aktive perianästhetische Wärmemaßnahme bei Hunden während oberflächlichen, meist orthopädischen Operationen, zu evaluieren.

    In diese Studie gingen 67 Hunde verschiedener Rassen ein, bei denen 70 elektive Operationen mit einer Narkosedauer von mindestens 60 Minuten durchgeführt wurden. Die Patienten wurden in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe erhielt erwärmte kristalloide Infusionslösungen (42°C) mittels eines koaxialen Infusionserwärmers (Autotherm®) in einer Fließgeschwindigkeit von 10 ml/kg/h. Die zweite Gruppe wurde als Kontrollgruppe beobachtet und erhielt während der intraoperativen Phase keine aktiven Wärmemassnahmen (raumtemperierte Infusionslösungen). Nach einer routinemäßigen Sedation mit Midazolam, L-Methadon und Propofol wurden die Patienten intubiert und eine Allgemeinnarkose wurde mit Isofluran/Sauerstoff aufrechterhalten. Die Körperkerntemperatur wurde ösophageal sowie tief rektal gemessen. Die Körpertemperatur wurde bei der präoperativen Allgemeinuntersuchung, vor der Induktion, direkt nach der Induktion, alle fünf Minuten während der Narkose, sowie 5, 10, 30, 60 und 180 Minuten nach Extubation bestimmt. Zusätzlich wurde während der Aufwachphase das postoperative Verhalten, die Körperhaltung sowie etwaiges postoperatives Zittern vermerkt.

    Nach einer kurzfristigen, wohl aufregungsbedingten Erhöhung der Körperkerntemperatur während der Induktion sank die Körpertemperatur in beiden Gruppen. Der perianästhetische Temperaturabfall folgte in vielen Fällen einem charakteristischen Muster und war am schnellsten während der ersten Stunde der Narkose. Die Körperkerntemperatur der Wärmegruppe war vom Zeitpunkt 40 Minuten bis 130 Minuten nach Induktion signifikant höher als die der Kontrollgruppe. Die Patienten der Wärmegruppe wiesen einen signifikant geringeren Hypothermiegrad sowohl 60 Minuten nach Narkoseinduktion als auch bei Extubation auf. Die Temperaturverläufe der Gruppen unterschieden sich signifikant nach 40 Minuten Narkosedauer. Betrachtet man einmal die Differenzen der Mediane der Temperaturveränderungen zum Anfangswert für jeden Messpunkt einer Gruppe, so sind 55 Minuten nach Narkoseinduktion die Patienten der Kontrollgruppe durchschnittlich mindestens 0,4°C kühler als die Patienten der Behandlungsgruppe (0,4–1°C). Ausserdem wiesen die Hunde der Wärmegruppe gegenüber der Kontrollgruppe einen signifikant geringeren sekundären Hypothermiegrad auf. Während der Aufwachphase konnten die Patienten der Wärmegruppe signifikant früher extubiert werden. Ein postoperatives Zittern bestand in beiden Gruppen, jedoch wurde dieses in der Kontrollgruppe tendenziell häufiger beobachtet. Die perianästhetische Anwendung eines Infusionserwärmers zur Hypothermieprophylaxe kombiniert mit gewöhnlicher passiver Wärmekonservierung (Abdeckung, Isolierung) kann das Ausmass der Hypothermie beim Hund verringern. Diese Massnahme allein ist allerdings nicht effektiv genug, eine perioperative Normothermie aufrechtzuerhalten.