Fachbereich Veterinärmedizin


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    Klinisch-pathologische Untersuchungen zum Ligamentum olecrani bei Hunden mit Ellbogengelenksdysplasie (2009)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Seelig, U.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2009 — VII, 120 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-706-0
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000015460
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
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    Tel.+49 30 838 62356 Fax: +49 30 - 838 460 157
    email: kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Klinisch-pathologische Untersuchungen zum Ligamentum olecrani bei Hunden mit Ellbogengelenksdysplasie

    Bei der ED (Ellbogengelenksdysplasie) lassen sich osteoarthrotische Zubildungen häufig zuerst im Ansatzgebiet des Ligamentum olecrani auf dem Dach des Processus anconaeus finden.

    Ziel der Untersuchungen war es, an Ellbogengelenken großer Hunderassen mit osteoarthrotischen Veränderungen auf dem Dach des Processus anconaeus, das Ansatzgebiet des Ligamentum olecrani zu untersuchen. Es galt zu prüfen, ob bei großen Hunden die osteoarthrotischen Veränderungen in dieser Lokalisation mit der Inkongruenz der radio-ulnaren Gelenkfläche korellieren und ob die osteoarthrotischen Zubildungen Folge einer Insertionsdesmopathie des Ligamentum olecrani sind.

    Es wurden 110 Ellbogengelenke von 55 Hunden großer Rassen untersucht. Von den 55 Hunden waren 21 Patienten der Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere, die aus unterschiedlichen Gründen vorgestellt worden waren und 34 tote Hunde, die aus unterschiedlichen Gründen euthanasiert worden waren. Die Röntgenbefunde eventueller osteoarthrotischer Zubildungen auf dem Dach des Processus anconaeus der Toten und die CT-Befunde (Osteophyten auf dem Dach des Processus anconaeus, fragmentierter Processus coronoideus medialis ulnae (FPC), isolierter Processus anconaeus (IPA), Osteochondrosis dissecans der Trochlea humeri (OCD)) aller Hunde, sowie die pathologisch-anatomischen Befunde von 4 Hunden und die pathomorphologischen Befunde des Ligamentum olecrani mit Insertionsarealen von 6 toten Hunden wurden erfasst. Um eine Korrelation der Osteophyten auf dem Dach des Processus anconaeus mit einer eventuellen Inkongruenz zu prüfen, wurden die Ellbogengelenke aufgrund der Osteophytenmessung in Anlehnung an das Scoring System für ED nach IEWG (International Elbow Working Group) in 4 Arthrosegrade und in 2 Arthrosegruppen, mit und ohne Osteophyten, eingeteilt. Die humero-radialen und humero-ulnaren Gelenkspalten wurden an CT-Bildern in sagittaler und coronaler Ebene 3, 6 und 9 mm kaudal des Processus coronoideus medialis vermessen.

    An 22 der 68 röntgenologisch abgebildeten Ellbogengelenken (32,4 %) toter Tiere waren Osteophyten auf dem Dach des Processus anconaeus erkennbar. Die CT-Untersuchung ergab, dass 26 der 110 Ellbogengelenke (24 %) ein FPC, OCD, IPA oder eine Kombination der Erkrankungen aufwiesen. Ein Arthrosegrad 0 war bei 44,5 % der Ellbogengelenke, ein Grad 1 bei 29,1 %, 2 bei 19,1 % und 3 bei 7,3 % auszumachen. Entsprechend waren 49 der 110 Ellbogengelenke (44,5 %) ohne Arthrose (Gruppe 1) und 61 (55,5 %) mit (Gruppe 2) zuzuordnen.
    Diese Studie zeigt einen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Arthrosegruppen hinsichtlich der humero-radialen und der humero-ulnaren Gelenkspalten in der sagittalen CT-Rekonstruktion 3 mm kaudal des Processus coronoideus medialis (p < 0,01). Sie zeigt in der coronaler Rekonstruktion einen statistischen Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der Beträge der Stufen in der coronalen CT-Rekonstruktion an allen gemessenen Positionen (p < 0,05).
    Somit konnte bestätigt werden, dass die Osteophytose auf dem Dach des Processus anconaeus Folge einer Ellbogengelenksinkongruenz ist.

    Bei der pathologisch-anatomischen und pathologisch-histologischen Untersuchung war der röntgenologisch sichtbare Osteophyt prominent neben der Knorpelfläche des Processus anconaeus sichtbar und räumlich 2 mm von der Insertion des Ligamentum olecrani entfernt im Bereich der synovialen Insertion. Das Ligamentum olecrani wies bei keinem Ellbogengelenk eine Insertionsdesmopathie auf. Die pathomorphologischen Befunde bestätigen letztlich zweifelsfrei, dass röntgenologisch nachweisbare sekundäre Veränderungen im Sinne einer Arthrose als Folge einer ED auch bei Tieren mit ausgeprägter Ellbogengelenksinkongruenz nicht Ausdruck einer Insertionsdesmopathie des Ligamentum olecrani sind.