Fachbereich Veterinärmedizin


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    Untersuchungen zum klinischen Einsatz von Propofol als Kurzzeitanästhetikum bei einheimischen Wasservögeln (2009)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Holzapfel, J. M.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2009 — 105 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-661-2
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000013346
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
    14163 Berlin
    +49 30 838 62356
    kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    In der Arbeit sollte die Eignung von Propofol für den praktischen Einsatz bei kleineren diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen an zwei ausgewählten einheimischen Wasservogelarten, dem Höckerschwan (Cygnus olor) und der Stockente (Anas platyrhynchos) überprüft werden. Die Studie wurde an 30 Höckerschwänen und sieben Stockenten im Zusammenhang mit kleineren diagnostischen und/oder therapeutischen Maßnahmen in der Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere der Freien Universität Berlin durchgeführt. Die Vögel wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Den Tieren der ersten Gruppe wurde Propofol als Bolus zur Einleitung und weiter als Bolus nach Bedarf gegeben, die anderen Tiere erhielten nach dem Einleitungsbolus Propofol als Dauertropfinfusion (CRI).
    Der Einleitungsbolus verursachte keine Apnoe. Als Einleitungsbolus kann für beide Vogelarten Propofol in der Dosierung von 8 mg/kg i.v. empfohlen werden. Mit dieser Dosierung war eine problemlose Intubation der Vögel möglich. Da es unter Propofol zu einer Atemdepression kommen kann, sollten die Vögel intubiert werden, um eine künstliche Beatmung einleiten zu können.
    Zur Bolusnarkose kann der Bolus bei Höckerschwänen und Stockenten in einer Dosis von 2-4 mg/kg Propofol im Abstand von einer bis sieben Minuten problemlos nach Wirkung weiter verabreicht werden. Allerdings erwachen die Tiere meist unerwartet plötzlich.
    Propofol als Dauertropfinfusion (CRI) anzuwenden ist der Bolustechnik überlegen, weil diese Komplikation nicht beobachtet wurde. Zur Dauertropfinfusion ist Propofol in einer Dosierung von 0,85 mg/kg/min geeignet.
    Körpertemperatur, Herz- und Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung und Reflexstatus waren bei Bolusnarkose und CRI vergleichbar. Die Körpertemperatur fiel innerhalb von 35 Minuten bei Höckerschwänen um 0,75°C (Bolusnarkose), bzw. 0,85°C (CRI) und bei Stockenten um 0,8°C (Bolusnarkose) bzw. 0,9°C (CRI) ab. Die Herzfrequenz nahm bei Höckerschwänen von 164 auf 129 (Bolusnarkose) bzw. von 221 auf 191 Schlägen pro Minute und bei Stockenten von 310 auf 210 (Bolusnarkose) bzw. von 367 auf 337 Schlägen pro Minute (CRI) ab. Die Atemfrequenz variierte bei den Höckerschwänen im Verlauf der Bolusnarkose, bzw. nahm während der CRI von acht auf 12 Atemzügen pro Minute zu. Stockenten wiesen während der Bolusnarkose eine konstante und während der CRI eine leicht abnehmende Atemfrequenz auf. Die Sauerstoffsättigung variierte bei den Vögeln auffallend. Sie stieg bei Höckerschwänen in der Bolusgruppe von 69 % auf 81 %, bei Stockenten unter der Bolusgabe von 61 % auf 88 %, und in der CRI-Gruppe bei Stockenten von 79 % auf 82 % an. In der CRI-Gruppe der Höckerschwäne konnte keine Zunahme der Sauerstoffsättigung festgestellt werden.
    Der Schluckreflex erlosch bei der Mehrzahl der Tiere mit der Narkosedauer, blieb aber bei einigen Vögeln bis zum Narkoseende verzögert auslösbar. Der Interphalangealreflex konnte bei der Mehrzahl der Vögel immer ausgelöst werden. Der Kornealreflex war bei den Höckerschwänen während der CRI und auch bei den Stockenten immer physiologisch auslösbar. Während der Bolusnarkose der Höckerschwäne war er zeitweise bei drei Tieren verzögert auslösbar und bei einem Tier erloschen.
    Alle Tiere wachten gut aus der Narkose auf und waren innerhalb von 40 min nach dem Ende der Narkose vollständig wach. Während der Aufwachphase kam es bei 60 % (12/30) der Höckerschwäne und bei 71 % (5/7) der Stockenten zu unterschiedlich stark ausgeprägten Exzitationen, die am Ende der Aufwachphase nicht mehr vorlagen.
    Sieht man von nicht therapiebedürftigen Atemdepression und reversiblen Exzitationen in der Aufwachphase ab, konnten keine weiteren Nebenwirkungen bei Höckerschwänen und Stockenten festgestellt werden. Mit den in der Studie angegebenen Dosierungen wurde eine leichte Narkose ohne analgetisches Potential erzielt, die – insbesondere als CRI – für kleinere diagnostische Eingriffe empfohlen werden kann.