Fachbereich Veterinärmedizin


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    Systemic Inflammatory Response Syndrome und Sepsis beim Hund : Untersuchung von klinischen, hämatologischen, blutchemischen und gerinnungsdiagnostischen Parametern sowie des C-reaktiven Proteins (2009)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Gebhardt, C.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2009 — 166 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-669-8
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000012678
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
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    +49 30 838 62356
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    Abstract / Zusammenfassung

    SIRS und Sepsis sind in der veterinärmedizinischen Literatur noch wenig umfassend beschriebene Erkrankungsbilder mit einer hohen Inzidenz und Letalität. Für die optimale Therapie ist eine frühe Diagnose und Prognose entscheidend.
    Ziele dieser Arbeit waren daher, das klinische Bild, hämatologische, blutchemische und gerinnungsdiagnostische Parameter und das C-reaktive Protein (CRP) zu evaluieren sowie die prognostische Wertigkeit der Parameter im Hinblick auf überleben/Tod der Tiere zu untersuchen. Dabei wurden die Werte initial und im Verlauf (Tag 0 bis Tag 2) bestimmt.
    15 Hunde hatten non-septic SIRS (Gruppe 1) und 52 Hunde Sepsis (Gruppe 2). Die Überlebensrate innerhalb von 14 Tagen lag insgesamt bei 61% (Gruppe 1: 67%, Gruppe 2: 60%).
    14% der Blutkulturen waren positiv. Von 58 weiteren mikrobiologischen Untersuchungen bei 49 Hunden waren 35 positiv. Insgesamt wurden mehr gramnegative (47%) als grampositive (23%) Bakterien bzw. Anaerobier (23%) nachgewiesen; 30% waren Mischkulturen.
    Die klinischen Parameter Verhalten, KFZ sowie Farbe und Feuchte der Körperschleimhäute waren bei den nicht-überlebenden Hunden stärker verändert als bei den überlebenden Hunden. An Tag 1 und 2 hatten die überlebenden Hunde signifikant niedrigere Pulsfrequenzen als die nicht-überlebenden (pTag 1=0,004, pTag 2=0,001). Der systolische Blutdruck war bei überlebenden Hunden an Tag 0 und 1 signifkant höher als bei nicht-überlebenden (pTag 0=0,001, pTag 1=0,006).
    Hunde mit non-septic SIRS hatten an Tag 0 und 1 höhere Plasmaalbuminwerte als Hunde mit Sepsis (pTag 0=0,004, pTag 1=0,019). Zwischen überlebenden und nicht-überlebenden Hunden bestanden an Tag 0, 1 und 2 keine signifikanten Unterschiede für das Albumin.
    An Tag 0 und 1 hatten überlebende Hunde signifikant niedrigere Bilirubinkonzentrationen als nicht-überlebende (pTag 0=0,027, pTag 1=0,006). Hunde mit non-septic SIRS hatten an Tag 1 niedrigere Bilirubinwerte als Hunde mit Sepsis (p=0,017). Hunde mit non-septic SIRS hatten an allen drei Tagen niedrigere Werte für die Alkalische Phosphatase als Hunde mit Sepsis (pTag 0=0,009, pTag 1=0,017, pTag 2=0,018), bezüglich überleben/Tod bestand kein Unterschied.
    Nicht-überlebende Hunde hatten an Tag 0 und 1 höhere Kreatininwerte als überlebende (pTag 0=0,026, pTag 1=0,005). Nicht-überlebende Hunde hatten an Tag 0, 1 und 2 höhere Harnstoffwerte als überlebende (pTag 0=0,040, pTag 1=0,003, pTag 2=0,018). Die binäre logistische Regression ermittelte für das Kreatinin an Tag 0 (p=0,007) und Tag 1 (p=0,035) sowie für den Harnstoff an Tag 0 (p=0,027), 1 (p=0,015) und 2 (p=0,049) einen Einfluß auf die Überlebenswahrscheinlichkeit der Hunde.
    Hunde, die überlebten, hatten an Tag 1 eine signifikant kürzere Prothrombinzeit als Hunde, die nicht überlebten (p=0,031; binäre logistische Regression: p=0,036). Die Hunde mit non-septic SIRS hatten an Tag 1 eine signifikant kürzere aktivierte partielle Thromboplastinzeit als Hunde mit Sepsis (p=0,033). Hunde mit non-septic SIRS hatten an Tag 0 und 1 höhere Antithrombin-Aktivitäten als Hunde mit Sepsis (pTag 0=0,003, pTag 1=0,016). An Tag 2 hatten überlebende Hunde höhere Antithrombin-Aktivitäten als nicht-überlebende (p=0,028, binäre logistische Regression: p=0,049).
    Zwischen Hunden der Gruppen 1 und 2 und zwischen überlebenden und nicht-überlebenden Hunden bestanden keine signifikanten Unterschiede bezüglich Rektaltemperatur, Atemfrequenz, Hämatokrit, Leukozyten-, Thrombozytenzahl, Natrium-, Kalium-, Glukosekonzentration, Gesamteiweißgehalt und Alaninaminotransferase.
    Bei über 80% der Hunde war an Tag 0, 1 und 2 der D-Dimer-Nachweis positiv. Eine DIC hatten an Tag 0 43% (50% überlebten), an Tag 1 60% (52% überlebten) und an Tag 2 48% der Hunde (50% überlebten).
    62 kranke Hunde hatten eine signifikant höhere CRP-Konzentration (1-632 mg/ml, Median 178 mg/ml) als 15 gesunde Hunde (1,9-4,3 mg/ml, Median 2,4 mg/ml; p=<0,001). 14 Hunde mit non-septic SIRS hatten an Tag 0 signifikant niedrigere CRP-Werte (1-315 mg/ml, Median 132 mg/ml) als 48 Hunde mit Sepsis (9-632 mg/ml, Median 187 mg/ml; p=0,046). Zwischen den überlebenden und gestorbenen Hunden bestand an keinem der Untersuchungstage ein signifikanter Unterschied bezüglich der CRP-Konzentration. 31 Hunde, die überlebten, hatten einen signifikant stärkeren CRP-Abfall als 10 Hunde, die nicht überlebten (p=0,001). Für die CRP-Konzentration an Tag 2 ermittelte die binäre logistische Regression ein p von 0,029 und für den CRP-Verlauf ein p von 0,014. Die Falschaussage bezüglich überleben/Tod der Hunde lag für die CRP-Konzentration an Tag 2 bei 20% (8/41 Hunden) und für den CRP-Verlauf von Tag 0 bis 2 bei 22% (9/41 Hunden).
    Die untersuchten Parameter erlaubten jeder für sich keine zuverlässige Prognosestellung bezüglich des Ausgangs der Erkrankung, da die Rate der mittels der binären logistischen Regression für überleben/Tod falsch prognostizierten Hunde insgesamt zu hoch war. Die Parameter, für die in unserer Arbeit signifikante Unterschiede zwischen überlebenden und nicht-überlebenden Hunden festgestellt wurden, könnten für die Entwicklung eines Sepsis-Scores für Hunde in der Art des Survival Prediction Index (SPI) von Bedeutung sein. Zukünftige Untersuchungen sollten den Verlauf dieser Parameter bei Patienten mit schwerer Sepsis und septischem Schock untersuchen.