Fachbereich Veterinärmedizin


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    Transfusionsrisiken bei Mensch und Hund unter besonderer Berücksichtigung von Vascular endothelial growth factor in Blutprodukten in Abhängigkeit von ihrer Lagerungszeit (2010)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Graf, Christine
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2010 — VII, 203 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-948-4
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000022255
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    Abstract / Zusammenfassung

    Die vorliegende Dissertation hatte zum Ziel, einen Literaturüberblick über Transfusionsrisiken bei Mensch und Hund zu geben. Dabei wurde die Akkumulation von Vascular endothelial growth factor (VEGF) in gelagerten Blutkonserven genauer betrachtet. VEGF ist einer der wichtigsten Wachstumsfaktoren für Gefäße und somit wichtig während Embryonalentwicklung und Wundheilung. Zudem ermöglicht VEGF Tumoren den Anschluss an das Gefäßsystem und erleichtert durch seine permeabilitätssteigernde Wirkung die metastatische Ausbreitung. Die Bildung von VEGF findet nicht nur in Endothel- und Tumorzellen, sondern auch in Thrombozyten und Leukozyten statt. Da diese in Blutkonserven zerfallen, stieg in humanmedizinischen Studien die VEGF-Konzentration in gelagerten Blutprodukten wie Vollblut und thrombozytenreichem Plasma an. Durch den Einsatz von Leukozytenfiltern vor der Lagerung kann diese Anreicherung vermindert werden. Die Freisetzung von VEGF aus Tumorgewebe ist bei Hunden beschrieben, doch es gibt bisher keine Daten zur Akkumulation von VEGF in Blutkonserven. Der Einsatz von Leukozytenfiltern bei Vollblut vor der Auftrennung und Lagerung bei Hunden wurde bereits beschrieben. Ziel des experimentellen Teils der Dissertation war es, die Anreicherung von VEGF incaninen Blutkonserven während des Lagerungsverlaufs sowie den Einfluss von Leukozytenfiltern zu untersuchen. Dazu wurden Plasmaproben von 10 caninen Blutspendern entnommen und mittels eines humanen ELISA, der bereits für canines VEGF etabliert worden war, untersucht. Die Proben wurden in Zitratplasmaröhrchen gesammelt, die durch den Zusatz von Theophyllin, Adenosin und Dipyridamin eine maximale Thrombozytenstabilität gewährleisteten. Fünf der 10 Vollblut-Spenden wurden vor der Auftrennung in Erythrozytenkonzentrat und frisch gefrorenes Plasma durch einen Filter der 3. Generation (Sepacell RS-2000, Baxter, Unterschleißheim) leukozytenreduziert. Direkt nach der Auftrennung erfolgte die Probenentnahme aus Erythrozytenkonzentrat und frisch gefrorenem Plasma, und in wöchentlichem Abstand wurden Aliquoten der Erythrozytenkonzentrate untersucht. Frisch gefrorene Plasma-Proben, von denen je 2 gefiltert und nicht-gefiltert waren, wurden nach ca. 4 bzw. 6 Wochen untersucht.
    Es gab keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf Erythrozytenzahl zwischen gefilterten und ungefilterten Konserven. Durch die Leukozytenfilter wurden jedoch sowohl Leukozyten als auch Thrombozyten effektiv entfernt (Leukozytenzahl 0 – 0,2 G/l und Thrombozytenzahl 0 – 10 G/l nach Filtration). Die VEGF-Konzentration lag im Plasma von 9 der 10 Blutspender unterhalb der Nachweisgrenze von 9 pg/ml, in einer Plasmaprobe betrug die Konzentration 12 pg/ml. Der VEGF-Wert war < 9 pg/ml in allen Erythrozytenkonzentraten und frisch gefrorenen Plasma-Konserven direkt nach der Auftrennung. Nach 1 Woche Lagerungszeit lag die mediane VEGF-Konzentration der 5 ungefilterten Ec-Konzentrate bei 37 (0-139) pg/ml, nach 2 Wochen bei 164 (0-333) pg/ml und nach 3 Wochen bei 110 (37-358) pg/ml. In den 5 gefilterten Erythrozytenkonzentraten und in allen gelagerten frisch gefrorenen Plasma- Konserven blieb die VEGF-Konzentration während der gesamten Lagerungszeit unterhalb der Nachweisgrenze.
    In einem zweiten Teil der Arbeit erfolgte die VEGF-Messung im Plasma von 5 transfundierten Hunden, die niemals zuvor eine Transfusion erhalten hatten und während des Probenentnahmeintervalls nicht operiert wurden. Die Untersuchung wurde vor, direkt nach und 6, 12 und 24 Stunden nach Ende der Transfusion durchgeführt. Die VEGF-Konzentration von 3 der 5 Patienten lag zu jedem Zeitpunkt unterhalb der Nachweisgrenze. Bei einem Hund fiel der VEGF-Wert von 154 pg/ml vor Transfusion auf 53 pg/ml 24 Stunden nach Transfusion ab. Ein weiterer Hund zeigte nach 6 Stunden (176 pg/ml) und nach 24 Stunden (74 pg/ml) messbare Werte. Die Patientengruppe war für ein aussagekräftiges Ergebnis jedoch zu klein und zu heterogen.
    Weiterhin wurde 8 Hämangiosarkom-verdächtigen Hunden mit rupturierter abdominaler Masse in Milz (n=7) oder Leber (n=1) einmalig eine Plasmaprobe entnommen und untersucht. Zwei Patienten, deren Milzmassen sich als benigne herausstellten, zeigten Werte <9 pg/ml, ebenso wie 3 von 6 Patienten mit bestätigtem Hämangiosarkom. Bei den anderen 3 Patienten ergaben sich Werte zwischen 33 und 106 pg/ml, wobei 2 Aszitesproben wesentlich höhere Werte (625 bzw. 1617 pg/ml) aufwiesen als die entsprechenden Plasmaproben.
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Transfusionsmedizin ein wichtiger Bestandteil der Human- sowie der Veterinärmedizin ist. Viele Risiken können durch sorgfältige Abnahme und Herstellung, einen verantwortungsvollen Umgang mit Blutprodukten und die Weiterentwicklung des Zubehörs minimiert werden. Leukozytenfilter werden in der Humanmedizin routinemäßig verwendet. Sie sind geeignet, auch in caninen Blutprodukten die Freisetzung von VEGF während der Lagerung zu verhindern. Die im Vergleich zu den üblichen Mehrbeutelsystemen hohen Kosten könnten jedoch die routinemäßige Anwendung in der Veterinärmedizin limitieren. Allerdings sollte die Verwendung leukozytenreduzierter oder frischer Erythrozytenkonzentrate aufgrund des VEGF-Anstiegs bei der Transfusion von Hunden mit Hämangiosarkom oder anderen Tumorerkrankungen in Erwägung gezogen werden.