Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Die Milchkuh:
    Leistung und Leistungsgrenzen (2010)

    Art
    Vortrag
    Autor
    Martens, H
    Kongress
    Maximum > Optimum! Erfolgreiche Milchkuhherden ökonomisch richtig managen
    Brehna, 04.02.2010
    Quelle
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Physiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62600
    physiologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Die beachtliche Erhöhung der Laktationsleistung der Kühe in den letzten Jahrzehnten beansprucht in erheblichem Umfang verschiedene Organsysteme wie z. B. den Magen-Darm-Trakt, den intermediären Stoffwechsel und die Leber, das Kreislaufsystem, das Euter und die Reproduktionsorgane, die zu einer Zunahme von Erkrankungen wie gestörte Fruchtbarkeit, Erkrankungen der Gebärmutter, Eutererkrankungen, Lahmheiten und Erkrankungen des Verdauungssystems (Labmagenverlagerung, Pansenazidose)geführt haben. Die vielfältigen Gesundheitsstörungen haben zu einer Verkürzung der Nutzungsdauer auf ca. 2.5 Laktationen geführt, sodass sich die Lebensmilchleistung der Kühe in den vergangenen 50 Jahren nicht verändert hat.
    Die o. a. unterschiedlichen Erkrankungen haben viele Ursachen wie Fütterung, Haltung und Management der Herden. Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die negative Energiebilanz (NEB) in der frühen Laktation ein wichtiger pathogenetischer Faktor ist. Die NEB ist mit einem Anstieg der freien Fettsäuren (non esterified fatty acids: NEFA) im Blut verbunden, die eine Leberverfettung/Ketose verursachen und/oder eine Insulinresistenz induzieren (direkte, NEFA-abhängige Wirkung). Darüber hinaus ergeben sich durch die NEB bedingte, indirekte NEFA-unabhängige Wirkungen, die zu Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit und der Immunantwort sowie infolge der hohen Energiedichte des Futters zu Störungen der Vormagenverdauung (subakute Pansenazidose) führen können. Das Ausmaß und die Dauer der NEB haben sich infolge der primären Selektion auf erhöhte Milchleistung vergrößert, weil die Heritabilität für die Milchleistung erheblich größer ist als für das Futteraufnahmevermögen. Diese Diskrepanz limitiert zurzeit schon das Leistungsvermögen und wird eine weitere Zunahme nicht erlauben, wenn man unter Leistung nicht nur die Milchproduktion, sondern auch die Häufigkeit von Erkrankungen und insbesondere die Lebens(milch)leistung einbezieht. Besondere Beachtung sollten daher die Kühe und die Kuhherden finden, die trotz der allgemeinen Entwicklung den Belastungen gewachsen sind und bei hoher Laktationsleistung eine überdurchschnittliche Lebensleistung aufweisen.