Fachbereich Veterinärmedizin


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    Untersuchungen zum Vorkommen und zur Verbreitung von medikamentenresistenten Trypanosomenpopulationen in Rinderherden der Provinz Kénédougou im Südwesten von Burkina Faso, Westafrika (2003)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Woitag, Tanja
    Quelle
    Berlin, 2003 — 194 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001047
    Kontakt
    Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin

    Robert-von-Ostertag-Str. 7-13
    Gebäude 35, 22, 23
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62310 Fax.+49 30 838 62323
    email:parasitologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Ziel der Arbeit war es, den Grad und die Ausbreitung der Medikamentenresistenz von Trypanosomen in Rinderherden der Provinz von Kénédougou, Burkina Faso, zu bestimmen. In einer 1998 durchgeführten Querschnittsuntersuchung wurde der Trypanosomose-Status für die Provinz bestimmt. Die Auswahl der Untersuchungsdörfer beruhte auf einer Zufallsauswahl von 45 aus 166 Dörfern. In jedem Dorf wurden, je nach Grösse der Rinderherden, 10 bis 100 Tiere ausgewählt. Insgesamt wurden 2000 Rinder parasitologisch auf Trypanosomen mit der sogenannten "Buffy Coat Technik" (BCT) untersucht. In jedem der Dörfer wurden zugleich Fliegenfallen zur Bestimmung der Tsetse-Fliegendichte ("Apparent Density") aufgestellt. Vergleichsweise hohe Trypanosomenprävalenzen von ≥10% (Trypanosoma congolense und/oder T. vivax) sowie hohe Tsetse-Fliegendichten (5,8 Fliegen pro Falle und Tag; Glossina palpalis gambiensis und G. tachinoides) mit einer mittleren Infektionsrate von 4,8% wurden vor allem in den beiden südlichen Distrikten Koloko und Orodara ermittelt. Basierend auf diesen Ergebnissen wurden anschliessend in den beiden südlichen Distrikten neun Dörfer mit Trypanosomenprävalenzen von ≥10% für eine Blockbehandlung mit Isometamidiumchlorid (Trypamidium®, 1 mg/kg Körpergewicht) ausgewählt. Beim zehnten Dorf handelte es sich um eine Region (Fama), aus der schon in den 90-iger Jahren über Trypanozidresistenzen berichtet wurde. Insgesamt wurden in diesem Studienabschnitt 726 Rinder nach initialer Isometamidium-Behandlung zweiwöchentlich über einen Zeitraum von drei Monaten parasitologisch mit der BCT untersucht. Erneut positive Rinder wurden mit Diminazenazeturat (Berenil®, 3,5 mg/kg Körpergewicht) nachbehandelt. Hohe Prävalenzwerte zu Beginn und im weiteren Verlauf dieses Studienteils bestätigten das sich aus der Querschnittsuntersuchung ergebene Trypanosomose-Risiko. Die hohe durchschnittliche Anfangsprävalenz von 12,4% variierte stark zwischen den einzelnen Dörfern (3,3% bis 27,5%). Der Hauptanteil der Infektionen entfiel mit 70,1% auf die Spezies Trypanosoma congolense, 23,3% der Infektionen entfielen auf T. vivax, 3,3% auf T. brucei und 3.3% auf Mischinfektionen. In sechs der neun Dörfer zeigten sich erhebliche Behandlungsmisserfolge. 14 Tage nach der ISMM-Behandlung waren in Sokouraba 70%, in Dieri 60%, in Kotoura und M'Bie jeweils 50%, in Toussian-Bandougou 33% und in Sokoroni 14,3% der Rinder, die zum Zeitpunkt der Behandlung BCT positiv waren, wieder parasitämisch. Von diesen Parasitämien entfielen 92,6% auf T. congolense und 7,4% auf T. vivax. Auch gegenüber Diminazen konnten Behandlungsmisserfolge in Rinderherden von Sokouraba, Kotoura und Dieri beobachtet werden. Diese variierten zu den einzelnen Untersuchungszeitpunkten zwischen 13,4% und 23,3%. Basierend auf den Ergebnissen der Isometamidium-Blockbehandlungsstudie wurden drei Dörfer mit einem auffällig hohen Behandlungsmisserfolg nochmals in einer abschliessenden Langzeitstudie untersucht (Dieri, Toussian-Bandougou und Kotoura). Ein viertes Dorf (Sokoroni) wurde aufgrund des hohen Behandlungserfolges während des vorangegangenen Studienteils als Kontrolldorf ausgewählt. Über einen Zeitraum von fünf Monaten wurden 306 Rinder nach erneuter initialer Isometamidium-Blockbehandlung (1 mg/kg Körpergewicht) und Diminazennachbehandlung (7,0 mg/kg Körpergewicht) wieder parasitämischer Tiere in monatlichen Abständen untersucht. Es zeigte sich eine gute Übereinstimmung mit den Ergebnissen des vorangegangenen Studienteils. Die Anfangsprävalenzen der vier Dörfer variierten zwischen 8,5% (Dieri) und 21,3% (Kotoura). Der Behandlungsmisserfolg, einen Monat nach Isometamidiumapplikation, lag in Dieri bei 66,7%, in Kotoura bei 47,1% und in Toussian-Bandougou bei 27,3%. Im als Kontrolldorf dienenden Sokoroni zeigte sich ein vergleichbar hoher Wirkungsverlust (66,7%) wie in den anderen drei Dörfern, so dass auch hier von einer bestehenden Resistenzsituation ausgegangen werden muss. Die Ergebnisse dieser Arbeit belegen das Vorkommen resistenter Trypanosomen-populationen der Spezies Trypanosoma congolense und T. vivax gegenüber Isometamidium-chlorid und Diminazenazeturat in Rinderherden der südlichen Distrikte von Kénédougou. Die Ergebnisse fanden eine Bestätigung in weiterführenden Untersuchungen anderer Arbeitsgruppen, sowohl mittels der Polymerasekettenreaktion (PCR), im Isometamidium-ELISA, als auch in in-vivo und in-vitro Untersuchungen an Feldisolaten aus der Provinz Kénédougou.