Fachbereich Veterinärmedizin


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    Krankheiten bei wildlebenden Schimpansen im Taï-Nationalpark, Côte d'Ivoire (2005)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Leendertz, Fabian H
    Quelle
    Berlin: Mensch-und-Buch-Verl., 2005 — 81 Seiten
    ISBN: 3-89820-884-2
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002031
    Kontakt
    Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin

    Robert-von-Ostertag-Str. 7-13
    Gebäude 35, 22, 23
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62310 Fax.+49 30 838 62323
    email:parasitologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Wenig ist bekannt über Vorkommen und Bedeutung von Krankheitserregern bei wild leben¬den Menschenaffen, während die Bedrohung der Tiere durch Krankheiten offensichtlich ist. In dieser Arbeit wurden über ein Jahr hinweg drei Gruppen von habituierten Schimpansen, die teilweise seit mehr als 17 Jahren unter menschlicher Beobachtung im Taï-Nationalpark (Côte d’Ivoire) leben, gefolgt und systematisch Kot- und Urinproben gesammelt sowie Aufzeich¬nungen über klinisch auffällige Tiere angefertigt. Vier verstorbene Schimpansen und zwei Rote Stummelaffen wurden autopsiert und pathologisch begutachtet. Von zwei zusätzlichen Schimpansen konnten Muskelstücke gewonnen werden, wobei der Großteil dieser beiden Kadaver von Leoparden verzehrt worden war. Die Gewebeproben wurden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Primatenzentrum, Göttingen, histologisch untersucht. Die Proben der im Zeitraum der Felduntersuchungen verstorbe¬nen Tiere sowie einige zusätzliche Proben von Schimpansen, die vor überwiegend 2001 ver¬storben waren, wurden auf Infektionen mit verschiedenen Erregern akuter bzw. chroni¬scher Erkrankungen mit serologischen und molekularen Methoden untersucht. In sechs Fällen konnte anhand der molekularbiologischen Analysen sowie der pathologi¬schen und histologischen Beurteilung Bacillus anthracis als Todesursache identifi¬ziert werden. B. anthracis ist zwar in vielen Regionen Afrikas endemisch, wurde jedoch im Rahmen dieser Studie zum ersten Mal bei wild lebenden Menschenaffen diagnostiziert. Wo¬her der Erreger stammt und wie sich die Schimpansen infizieren konnten, wird Thema weite¬rer Studien sein. Des Weiteren konnte bei den Schimpansen neben anderen Viren eine ungewöhnliche Viel¬zahl unterschiedlicher STLV 1-Stämme festgestellt werden. Ein phylogenetischer Vergleich der Schimpansen-STLV 1-Stämme mit zwei Stämmen, die in Proben von Roten Stummel¬affen erfasst wurden, zeigte, dass Stämme der Stummelaffen teilweise näher mit den Schim¬pansen-STLV 1 verwandt waren als Stämme der Schimpansen untereinander. Da Schim¬pansen regelmäßig Rote Stummelaffen jagen und verzehren, kann hier eine Transspezies-Übertragung von STLV 1 von Beute auf Räuber postuliert werden. Auch Menschen in dieser und in vielen anderen Regionen Afrikas jagen und verzehren Affen; daher kann diese Trans¬spezies-Übertragung auch als Hinweis auf eine mögliche Übertragung auf den Menschen dienen und auf die Gefahren des Verzehrs von Affenfleisch hinweisen. Mit Hilfe eines modifizierten HTLV 1/2-Western Blots konnte die epidemiologische Verbrei¬tung von STLV 1 durch Antikörperbestimmung in Urinproben aller Mitglieder der 3 Schim¬pansengruppen untersucht werden. Derartige Untersuchungen ermöglichen, das Spektrum an neuen Erregern und Varianten bekannter Erreger abzuschätzen und damit sowohl einen Beitrag zum Schutz der bedrohten Menschenaffen als auch zum Erhalt der menschlichen Gesundheit zu leisten.