Fachbereich Veterinärmedizin


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    Der Einfluss viskositätsbildender Nicht-Stärke-Polysaccharide auf die Morphologie der Dünndarmschleimhaut von Ferkeln (2002)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Wiese, Frigga
    Quelle
    Berlin, 2002 — 115 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000000964
    Kontakt
    Institut für Tierernährung

    Königin-Luise-Str. 49
    Gebäude 8
    14195 Berlin
    +49 30 838 52256
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    Abstract / Zusammenfassung

    In der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluß viskositätsbildender Nicht-Stärke-Polysaccharide auf die Morphologie der Dünndarmschleimhaut von sieben Wochen alten Schweinen geprüft. Dabei kamen licht-, raster- und transelektronenmikroskopische Techniken sowie immunhistochemische und morphometrische Methoden zum Einsatz.
    Die untersuchten Dünndarmproben stammten von 24 Ferkeln, die im Alter von vier Wochen
    abgesetzt und in vier Gruppen eingeteilt worden waren. Während der anschließenden dreiwöchigen Fütterungsperiode erhielten die Tiere pro Gruppe eine von vier verschiedenen Diäten.
    Zwei der verfütterten Diäten waren semisynthetisch und basierten auf Maisstärke und Sojaprotein-Isolat. In der einen dieser semisynthetischen Diäten wurden 2% der kristallinen Zellulose gegen hochvisköse Karboximethylzellulose ausgetauscht.
    Die beiden anderen Rationen basierten auf einer Roggen-Weizen-Mischung und Sojaprotein-Isolat, wobei einer ein Xylanase-Präparat (Zy 68; 0.4 g/kg) zugesetzt war.
    Neben der Lebendmasse wurden nach dem Töten der Tiere Länge und Gewicht des Darmtraktes
    bestimmt. Ferner wurde die Viskosität von duodenaler, jejunaler und ilealer Digesta gemessen.
    Zur Untersuchung der Teilungsaktivität der Epithelzellen wurde der Proliferationsmarker
    Bromodesoxiuridin eingesetzt. Um die Apoptose-Rate zu bestimmen, wurde sowohl die
    TUNEL-Methode angewendet als auch ein immunhistochemischer Nachweis des Enzyms Caspase-3 durchgeführt. Ausgehend von den morphologischen Befunden wurden neue morpho-metrische
    Parameter entwickelt, die mit den funktionell wichtigen Größen Resorptionskapazität
    und fraktioneller Proteinsynthese-Rate der Dünndarmschleimhaut im Zusammenhang stehen.
    Die Ferkel, die mit einer semisynthetischen Ration gefüttert wurden, erzielten während der drei-wöchigen Fütterungsphase eine größere Lebendmassenzunahme als die Tiere, die die auf Getreide basierende Diät ohne Enzym-Zusatz erhielten. Bei Letztgenannten war ferner der Dünndarm relativ zur Lebendmasse schwerer.
    Die Viskosität der Digesta war bei den Tieren am höchsten, die mit der semisynthetischen, Karboximethylzellulosehaltigen Diät gefüttert wurden. Sie betrug im Duodenum 2.57 mPas, im
    Jejunum 306 mPas und im Ileum 684 mPas. Die Digestaviskosität der Gruppe, die die Getreide-Diät ohne Enzymzusatz erhielt, war ebenfalls deutlich höher als die der beiden anderen Gruppen (Duodenum: 3.51 mPas; Jejunum: 53.8 mPas; Ileum: 215 mPas). In der Gruppe, die mit der semisynthetischen Ration ohne Karboximethylzellulose gefüttert wurde, betrug sie im Duodenum 0.93 mPas, im Jejunum 1.26 mPas und im Ileum 2.10 mPas. Für Tiere, die die Getreide-Ration mit Enzym-Zusatz erhielten, wurden im Duodenum 1.89 mPas, im Jejunum 39.4 mPas und im Ileum 8.76 mPas ermittelt.
    Die Schleimhautoberfläche stellte sich generell variabel und inhomogen dar.
    Ein Einfluß der Futterzusammensetzung oder der Digestaviskosität auf die Morphologie der Schleimhautoberfläche konnte jedoch nicht festgestellt werden.
    Die duodenalen Zotten waren tendenziell zungenförmig mit variierender Breite und Dicke.
    Ferner wurden finger- und blattförmige Zotten gefunden sowie solche, die an ihrem freien Ende gefurcht oder gegabelt waren. Die jejunalen Zotten ähnelten regional denen des Duodenums; ver-mehrt traten jedoch sehr breite, Bogen- oder Gebirgskammähnliche Zotten auf, die einander teilweise umgriffen oder seitliche Verzweigungen aufwiesen.
    Im Ileum waren ebenfalls Bereiche mit gleichförmig Zungenähnlichen Zotten zu finden.
    In Schleimhautregionen hingegen, die Lymphfollikel enthielten, war die Oberfläche sehr inhomogen. Sie bildete wulstige Leisten oder Kämme, die teilweise in einander verschlungen waren und die gesamte Oberfläche zerklüftet erscheinen ließen. Typisch für solche Bereiche waren kuppelförmige Vorwölbungen von Lymphfollikeln an die Schleimhautoberfläche.
    Die Lieberkühn-Krypten des Dünndarmes der hier untersuchten Ferkel formten ein in der Propria dreidimensional aufgeschlängeltes Schlauchsystem, wobei auch Verzweigungen auftraten.
    Die Auswertung der histologischen Präparate, an denen die Apoptose-Nachweise (TUNEL-Methode
    oder Caspase-3-Nachweis) durchgeführt wurden und die transelektronenmikrosko-pischen
    Untersuchungen führten zu dem Ergebnis, dass Enterozyten ohne nachweisbare Kenn-zeichen
    einer Apoptose sterben. Stattdessen zeigen sie histologische Merkmale von Einzelzellnekrosen. Enterozyten können den Epithelverband sowohl in den Krypten als auch in
    der Zottenregion verlassen.
    Um ein Maß für das Verhältnis der Zottenoberfläche zur basalen Schleimhautfläche, repräsentiert durch die Lamina muscularis mucosae, zu erhalten, wurde der Vergrößerungsfaktor der Schleimhautoberfläche durch Zottenbildung entwickelt. Der morphometrisch ermittelte Faktor betrug für das Duodenum durchschnittlich 3.31, für das Jejunum 3.72 und für das Ileum 2.71. Ein Einfluß der Rationszusammensetzung oder der Digestaviskosität wurde nicht festgestellt.
    Der ebenfalls neu entwickelte Vergrößerungsfaktor der Schleimhautoberfläche durch Krypten-bildung betrug für das Duodenum 9.07, für das Jejunum 8.94 und für das Ileum 6.53. Generell
    war die Kryptenoberfläche der Schweine, die mit einer auf Getreide-basierenden Diät gefüttert wurden größer als die der Tiere, die eine semisynthetische Ration erhielten. Die Erhöhung der Digestaviskosität allein blieb ohne Auswirkung auf die Ausdehnung der Kryptenoberfläche.
    Die Anzahl der proliferationsaktiven Epithelzellen pro mm Kryptenumfang - hier als relative
    Proliferationsrate bezeichnet - betrug im Duodenum 32.9, im Jejunum 34.8 und im Ileum 50.8.
    Unterschiede zwischen den verschiedenen Fütterungsgruppen wurden nicht gefunden.
    Mittels des erstmals bestimmten epithelialen Erneuerungsindexes wurden für das Duodenum
    100, für das Jejunum 89.3 und das Ileum 133 teilungsaktive Epithelzellen pro mm Zottenober-fläche ermittelt. Für die Dünndarmproben der mit den Roggen-Weizen-Diäten gefütterten Ferkel wurden tendenziell höhere Werte gefunden als in den Proben der Tiere, die eine semisynthetische Ration erhielten. Sowohl der Karboximethylzellulose- als auch der Xylanase-Zusatz blieb ohne Auswirkung auf den epithelialen Erneuerungsindex.