Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Kokzidiose beim Dromedar (Camelus dromedarius) (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Gerlach, F.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — 157 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-534-9
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000009165
    Kontakt
    Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin

    Robert-von-Ostertag-Str. 7-13
    Gebäude 35, 22, 23
    14163 Berlin
    +49 30 838 62310
    parasitologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Eimeria - Infektionen sind protozoäre Parasitosen die weltweit bei vielen Haus- und Nutztieren vorkommen, so auch bei den Altweltkamelen. Die Morphologie, die endogene und exogene Entwicklung der kamelspezifischen Eimerien sowie die histopathologischen Veränderungen bei einer solchen Infektion sind nicht umfassend erforscht und die überwiegende Zahl der Publikationen zu dieser Thematik ist größtenteils mehr als 20 Jahre alt. Auch über die auslösenden Faktoren einer Kokzidiose (Eimeriose), der klinisch relevanten Verlaufsform einer Eimerieninfektion, existieren keine analytischen Studien. Mit Toltrazuril (Baycox®) kommt derzeit ein Antikokzidium zur Anwendung, das für Altweltkamele nicht zugelassen ist und zu dessen Pharmakokinetik, Verträglichkeit und Wirksamkeit bei dieser Tiergattung weitgehend Unkenntnis besteht. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, zu diesen Fragestellungen neue Erkenntnisse zu gewinnen.
    Hierfür wurden im Rahmen einer Prospektivstudie Dromedare unter verschiedenen Versuchsbedingungen [Alter, Haltung, Infektionsdosis, Medikation] experimentell mit E. cameli infiziert und der Verlauf der Infektion sowie ihre klinische Relevanz untersucht. Begleitend wurden die Blutbilder der Versuchstiere analysiert. Zur detaillierten Beschreibung der endogenen Entwicklung von E. cameli wurden täglich Kotproben mit einem quantitativen Nachweisverfahren auf Oozysten getestet. Die durchgeführten Tenazitäts- und Sporulations-versuche dienten der Erhebung von Daten zur exogenen Entwicklung des Parasiten. Außerdem wurden Morphologiestudien an sporulierten Oozysten dieser Art durchgeführt. Histopathologische Untersuchungen an 1.192 Darmschnitten von 221 Altweltkamelen wurden vorgenommen, um die pathologischen Veränderungen und die Lokalisation der endogenen Entwicklungsstadien im Magen-Darmtrakt zu beschreiben. Zusammen mit mikrobiologischen Untersuchungsbefunden wurden diese Ergebnisse in einer statistischen Analyse auf Risikofaktoren bezüglich einer klinisch manifesten Kokzidiose untersucht. In einer weiteren statistischen Berechnung wurde die Prävalenz von drei in Dubai vorkommenden Eimeria spp. im Zeitraum von 4 Jahren analysiert sowie ein Zusammenhang zwischen dem Vorkommen dieser Eimerien und anderen Endoparasiten geprüft. Darüber hinaus wurden Versuche einer pro- und metaphylaktischen Behandlung mit Toltrazuril (Baycox®) an den experimentell infizierten Dromedaren durchgeführt.
    Die vorliegende Arbeit beschreibt Infektionen mit E. cameli, E. dromedarii und E. rajasthani bei Altweltkamelen im Emirat Dubai. Für E. cameli konnte experimentell eine Präpatenz von 16 – 40 Tagen und eine Patenz von 12 – 48 Tagen errechnet werden. Die Infektionskurven hatten in der Patenzphase einen mehrheitlich zweigipfeligen Verlauf, der auf eine wellen-förmige Oozystenausscheidung hindeutet. Diese könnte die Folge von zwei zeitversetzten ungeschlechtlichen Vermehrungsphasen von E. cameli sein. Eine klare tageszeitliche Dynamik bei der Oozystenausscheidung konnte nicht eruiert werden. Nach künstlicher Primärinfektion lag die Gesamtausscheidung zwischen 20 x 106 und 182 x 106 Oozysten. Das Versuchstier mit der niedrigsten Infektionsdosis und dem niedrigsten Lebensalter hatte die höchste Gesamtoozystenausscheidung. Die experimentelle Infektion mit unterschiedlich hohen Dosen erzeugte bei keinem der Versuchstiere spezifische Symptome einer klinischen Kokzidiose. Wiederholte Blutuntersuchungen zeigten, dass die neutrophilen Granulozyten bereits während der Präpatenz erhöht sein können und so einen Hinweis auf eine Eimeria – Infektion geben.
    Bei einer Umgebungstemperatur von 22 - 24 °C sporulierte E. cameli innerhalb von 8 - 20 Tagen. E. cameli besitzt eine große Widerstandsfähigkeit gegenüber hohen Temperaturen und einer relativ niedrigen Luftfeuchtigkeit. Diese Spezies zeigte für das Emirat Dubai im Jahresverlauf und in einem Vierjahreszeitraum (2003 - 2006) eine annähernd gleichbleibend hohe Prävalenz von 16,3 % im Monatsmittel.
    Im Rahmen eigener Morphologiestudien erfolgte die Wiederbeschreibung einer erstmals von YAGOUB (1989) dokumentierten fragilen, transparenten Außenhülle bei E. cameli.
    Wie die histologisch diagnostizierten Eimeria – Infektionen und Kokzidiosefälle zeigen, sind die endogenen Entwicklungsstadien der Eimerien hauptsächlich in der Lamina propria mucosae der Dünndarmschleimhaut zu finden. Dabei ist in den Krypten von Jejunum und Ileum die größte Zahl der Stadien lokalisiert.
    Bei einer Eimeria – Mischinfektion (E. cameli + kleine Eimerien) ist das Risiko für einen klinisch relevanten Verlauf, im Sinne einer Kokzidiose, im Vergleich zu einer Infektion mit E. cameli oder mit kleinen Eimerien allein statistisch signifikant höher und könnte möglicher-weise noch weiter ansteigen, wenn eine gleichzeitige Cl. perfringens – Infektion vorliegt. Durch eine solche bakterielle Sekundärinfektion könnte sich das klinische Bild einer akuten Kokzidiose so verschärfen, dass es zu irreversiblen Schädigungen an lebenswichtigen Organen kommt, die den Tod der Tiere zur Folge haben.
    Die Medikationsversuche mit Toltrazuril (Baycox®) zeigten, dass dieses Antikokzidium bei einmaliger oraler Applikation an unterschiedlichen Tage p.i. den Lebenszyklus der Eimerien nicht unterbrechen und eine patente Infektion nicht verhindern konnte. Bei einer wiederholten dreimaligen oralen Anwendung (Dosis: je 20 mg/kg KM) im Abstand von jeweils 5 bis 6 Tagen wurden bei den Tieren keinerlei Nebenwirkungen durch Toltrazuril festgestellt, was für eine gute Verträglichkeit spricht. Der steile Anstieg der Serumkonzentrationskurve in den ersten 3 Tagen zeigt, dass das Medikament schnell absorbiert wird. Das Wiederabfallen der Kurve nach Erreichen eines Maximums zeigt, dass Toltrazuril verstoffwechselt und seine Metaboliten ausgeschieden werden.
    Durch die Literaturstudie und die eigenen Untersuchungen im Emirat Dubai wird deutlich, dass Eimeria - Infektionen bei Dromedaren sehr häufig sind. Zumeist handelt es sich dabei um Monoinfektionen mit nur einer Eimeria – Art, die nach diesen Untersuchungen v.a. zu subklinischen Verläufen führen. Auch wenn klinisch manifeste Kokzidiosen (Eimeriosen) somit wesentlich seltener sind, können sie bei Dromedaren zu schweren, auch tödlichen Erkrankungen führen. Vor dem Hintergrund zunehmender Tierkonzentrationen auf Kamel-farmen könnte diese Erkrankung in der Zukunft aber eine größere klinische Bedeutung erlangen.