Fachbereich Veterinärmedizin


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    Wirksamkeit von Zitzenreinigungssystemen in automatischen Melkverfahren (AMV) und Auswirkungen des Hygienemanagements auf die Zitzensauberkeit (2009)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Halbedl, N. W.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2009 — X, 175 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-738-1
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000015909
    Kontakt
    Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene

    Königsweg 69
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62550 Fax.+49 30 838 46029
    email:lebensmittelhygiene@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Zitzenreinigung vor dem Melken ist notwendig, um die Milch vor einer mikrobiellen Kontamination durch Verschmutzung zu schützen. Die Sauberkeit von Euter und Zitzen vor dem Melken wird deshalb auch rechtlich durch die Richtlinie 89/362/EWG gefordert. Der Effekt unterschiedlicher Zitzenreinigungsverfahren auf die Milchqualität wurde in zahlreichen Studien untersucht. In automatischen Melkverfahren (AMV) wurde die Zitzenreinigung automatisiert mit dem Nachteil, dass eine Überprüfung des Reinigungserfolges bis heute unmöglich ist.
    Ziel der Untersuchung war es, in einem ersten Schritt eine praktikable Methode zur Überprüfung von Zitzensauberkeit zu entwickeln. Mit Hilfe eines geeigneten Verfahrens wurde dann die Effektivität verschiedener Zitzenreinigungssysteme der AMV ermittelt, und es wurde überprüft, ob es Unterschiede in der Reinigungswirksamkeit der AMV der einzelnen Firmen gibt. Untersucht wurden je 3 Praxisbetrieben von 6 AMV-Herstellern.
    Um zu ermitteln, inwieweit die Zitzensauberkeit durch das Hygienemanagement beeinflusst werden kann, wurden zusätzlich in den Betrieben Daten erhoben. Einerseits wurde ein Fragenkatalog konzipiert, der dann in Form eines Interviews des Betriebsleiters ausgefüllt wurde. Andererseits wurde vor Ort eine Checkliste zur Ermittlung des Hygienestatus von bestimmten Bereichen des Betriebes ausgefüllt. Es wurde eine Varianzanalyse zum Nachweis von Einflussfaktoren durchgeführt, die 45 Fragen aus dem Fragenkatalog und 17 Aspekte aus der Checkliste einschloss.
    Aus einer Tankmilchprobe jedes Betriebs wurden die aerobe Gesamtkeimzahl sowie die Zahl der coliformen und thermoduren Mikroorganismen und der Staphylokokken bestimmt, um mögliche Mängel in der Milchqualität zu ermitteln. Außerdem wurde von jedem Betrieb eine Probe von frischem Einstreumaterial auf ihre bakterielle Kontamination untersucht:
    Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
    1. Der bakteriologische Status der Tankmilch kann Probleme in der Milchqualität anzeigen und Rückschlüsse auf die mögliche Quelle der Kontamination erlauben. Derartige Befunde helfen bei der Behebung eines Fehlers, damit die Gesamtkeimzahl in der Tankmilch nicht über die für die Milchqualität kritische Grenze von 10 000 KbE/ml ansteigt.
    Der Nachweis hoher coliformer Keimzahlen in der Tankmilch von 8 der untersuchten Praxisbetriebe sprach für eine unzureichende System- und/oder Zitzenreinigung. In 14 Betrieben überstiegen die thermoduren Keimzahlen 200 KbE/ml, was auf ein Problem in der Reinigung des Systems hinweist, obwohl die Gesamtkeimzahlen deutlich unter 10 000 KbE/ml lagen. Die thermoduren Bakterien können aber auch aus dem Einstreumaterial stammen.
    2. In frischem Einstreumaterial der Betriebe wurde eine unterschiedliche bakterielle Kontamination gefunden, wobei die niedrigsten Gesamtkeimzahlen in speziell behandelten Sägespänen und in Sand ermittelt wurden. Coliforme Bakterien auf der Zitzenoberfläche haben ihren Ursprung nicht unbedingt in fäkaler Kontamination, da diese Bakterien auch in frischer Einstreu vorkamen.
    3. Die zur Bestimmung der Zitzensauberkeit entwickelte Methodenkombination bestand aus einer visuellen Beurteilung der Zitzen vor und nach der Reinigung, dem Sedimenttest nach der Reinigung und der Bestimmung von Gesamtkeimzahlen und ATP-Werten in Zitzentupfern, die vor und nach der Reinigung genommen wurden. In jedem der 18 Praxisbetriebe wurden von 50 Kühen je zwei Zitzen mit den 4 Verfahren untersucht.
    Die Ergebnisse zeigten, dass die bei der entwickelten Methodenkombination zur Bestimmung von Zitzensauberkeit verwendete ATP-Bestimmung ein geeignetes Verfahren ist, um in Praxisbetrieben die Effektivität der Reinigung von Zitzen zu charakterisieren. Diese Analysentechnik gestattet es, eine mangelnde Zitzensauberkeit festzustellen und damit in einzelnen Betrieben Fehler im Management aufzudecken.
    4. Die mit der Methodenkombination gewonnenen Ergebnisse zeigten große Varianten innerhalb eines Betriebes und zwischen den einzelnen Betrieben. Eine Varianzanalyse ergab weiterhin, dass signifikante Unterschiede in der Effektivität der Zitzenreinigungssysteme von 4 AMV-Herstellern gegenüber 2 anderen Firmen bestanden. Beim Vergleich der Resultate der einzelnen Methoden (visuelle Beurteilung, Keimzahlbestimmung und ATP-Bestimmung) hinsichtlich der Effektivität der Zitzenreinigung entstanden Ranglisten der Hersteller, in denen sich die gezeigten Unterschiede widerspiegelten. Nur bei einer Firma differierten die Ergebnisse der einzelnen Methoden innerhalb der Kombination. Die Abweichung lässt sich auf Grund der Tatsache erklären, dass bei diesem Hersteller aus technischen Gründen keine Proben direkt nach der Reinigung genommen werden konnten. Der ermittelte Reinigungseffekt wurde in diesem Fall zusätzlich von der Zitzenwaschung während des Melkens beeinflusst.
    Eine Varianzanalyse zur Ermittlung der Wirkungen von Hersteller, Betrieb und Ausgangskontamination der Zitzen auf die Reinigungseffektivität ergab, dass nicht nur signifikante Unterschiede zwischen den Herstellern bestanden, sondern auch zwischen den einzelnen Praxisbetrieben, die mit dem gleichen AMV arbeiteten. Außerdem nahm die Ausgangs¬kontamination vor der Reinigung einen signifikanten Einfluss auf die Reinigungs¬effektivität.
    5. Die detaillierte Auswertung der Managementfaktoren mittels Fragebogen und ergänzender Checkliste bezüglich der Euter- und Zitzensauberkeit ergaben teilweise große Unterschiede zwischen den Betrieben. Differenzen zwischen den 3 Betrieben mit AMV eines Herstellers lassen vermuten, dass die Milchqualität nicht nur durch die Installation, sondern wesentlich auch durch die Betriebsleitung beeinflusst wird. Aus diesem Grunde sind die Faktoren des Managements zur Sicherung sauberer Zitzen vor dem Melken ebenfalls wichtig, zumal davon ausgegangen werden kann, dass Verbesserungen möglich sind. Die Hersteller von AMV könnten die Ergebnisse dieser Studie dafür verwenden, Verbesserungen ihrer Systeme zu entwickeln.
    6. Managementfaktoren der Betriebe mit AMV, die einen Zusammenhang mit hohen Zitzenkontaminationen aufweisen, sind das Wechseln der Reinigungseinheit weniger bis mindestens einmal pro Jahr, der schlechte Zustand der Zitzenreinigungseinheit, die durchschnittliche Reinigungsfrequenz von weniger bis mindestens 2,5/Tag und verzichtet auf Selektion der Kühe nach Roboter¬akzeptanz.
    7. Effekte, die unabhängig von dem Vorhandensein eines AMV bestanden, aber signifikant eine hohe Zitzenkontamination hervorriefen, betrafen das Management der Liegeboxen, insbesondere das Bereitstellen von weniger als einer Liegebox pro Kuh, das Vorhandensein von Spaltenliegern in der Herde, die Zugabe von Einstreumaterial weniger als einmal pro Tag, die fehlende Selektion der Kühe nach Eutergesundheit, ein mäßiger oder schlechter Zustand der Einstreu und ein mäßiger oder schlechter Zustand der Klauen.
    8. Besondere Aufmerksamkeit muss den Kühen mit Mastitis gelten, denn sie können durch verfrühten Milchfluss die Liegeboxen mit hohen Keimzahlen kontaminieren. Die Selektion von Kühen nach der Eutergesundheit würde demnach das Risiko der Kontamination der Liegeboxen reduzieren und steht so indirekt im Zusammenhang mit einer geringeren Keimzahl auf den Zitzen. Weiterhin besteht bei Kühen im AMV sogar ein höheres Risiko für verfrühten Milchfluss. Dieser Aspekt des Managements sollte ein Teil des Mastitis Kontrollprogramms sein, das als zusätzliche Maßnahme eine saubere Umgebung propagiert.
    9. Der erste Eindruck des Roboters, die Reinigungsfrequenz der Melkbox, der hygienische Status der Zitzenbecher und die Verwendung von Kuhbürsten im Stall sind Faktoren, die eher im Zusammenhang mit der allgemeinen Einstellung des Betriebsleiters zur Hygiene stehen und weniger im direkten Zusammenhang mit Zitzensauberkeit.
    10. Als allgemein akzeptierte Hygieneparameter – da fast alle Betriebsleiter diese praktizierten. können folgende Managementfaktoren angesehen werden: Zweimal pro Tag Reinigung der Liegeboxen, das Scheren der Euter und das Kürzen der Schwanzquasten. Diese Faktoren sollten die Basis des Managements sein, woran sich andere hygienische Maßnahmen anschließen sollten.
    Es ist zu erwarten, dass die Berücksichtigung der mit der Zitzensauberkeit in Zusammenhang stehenden Faktoren - ausgenommen der AMV-spezifischen Faktoren, wie z.B. Wechselfrequenz der Reinigungseinheit - die Zitzensauberkeit von Kühen in Betrieben mit konventionellem Melksystem gleichermaßen verbessern, wie in Betrieben mit AMV.