Fachbereich Veterinärmedizin


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    Reihenuntersuchung an den Backenzähnen des Pferdes mit Hilfe der Intraoral-Kamera (2002)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Schacht, Deike
    Quelle
    Berlin, 2002 — 137 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001039
    Kontakt
    Klinik für Pferde, allgemeine Chirurgie und Radiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62299
    pferdeklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Die vorliegende Reihenuntersuchung befasst sich mit dem Auftreten von Backenzahnerkrankungen
    bei 166 Pferden. Zur Ergänzung der gewöhnlichen Adspektion wird eine endoskopisch arbeitende
    Intraoral-Kamera eingesetzt, die aufgrund einer 90°-Winkeloptik eine ausführliche Befunderhebung
    der Backenzähne ermöglicht. Folgende Veränderungen treten auf:
    Scharfe Zahnspitzen: 64,5 %, Wellengebiss: 22,9 %, Treppengebiss: 1,8 %, seniles Gebiss: 7,3 %,
    Brachygnathie ³ 1 mm: 22,9 %, Brachygnathie ³ 4 mm: 6 %, Polyodontie: 4,8 %, Oligodontie: 3,6
    %, Diastema: 21,6 %, Exsuperanz: 21,7 %, Backenzahnrotation oder ýdeviation: 6 %, Backen-zahnfraktur:
    23,9 %, Backenzahnfissur: 42,9 % und Backenzahnkaries oder Infundibularnekrose ³
    Grad 2: 28,6 %.
    Gewisse Erkrankungen treten am Oberkiefer oder an einzelnen Backenzähnen oder Backen-zahnabschnitten
    des Oberkiefers gehäuft auf: Exsuperantien nur P2/M3: v.a. P2, Absprengungs-frakturen:
    v.a. lingual bzw. lingual-kaudal und Backenzahnfissuren: v.a. linguale bzw. lingual-rostrale
    Dentinsäule.
    Der Unterkiefer bzw. einzelne Backenzähne oder Backenzahnanteile des Unterkiefers sind
    insbesondere betroffen von: Angeborenen Diastemen: v.a. P2/P3, Exsuperantien exkl. P2/M3: v.a.
    M1, Absprengungsfrakturen: v.a. Molaren, v.a. bukkal bzw. bukkal-rostral, Backenzahnfissuren: v.a.
    M1 u. M2, bukkale bzw. bukkal-rostrale Dentinsäule und Zement- u. Dentinkaries (ohne
    Schmelzbecher): v.a. M1.
    Unabhängig von den Kiefern werden folgende Verteilungshäufigkeiten gefunden: Absprengungs-frakturen:
    v.a. P4, umfangreiche Frakturen (nur Molaren): v.a. M1, Approximalflächenkaries: v.a.
    M1/M2 und M2/M3 und Infundibularnekrosen der Molaren mit Schwerpunkt M1 u. M2.
    Folgende Rassen- und Altersdispositionen können ermittelt werden (<: verringerte Disposition, >:
    erhöhte Disposition):
    Warmblüter: > Backenzahnfrakturen
    Kleinpferde: < Backenzahnfrakturen und ýfissuren
    Traber: > scharfe Zahnspitzen und Backenzahnfissuren, < Brachygnathia inferior (³ 1 mm)
    0-5 Jahre: < Wellengebisse, < Exsuperantien, < Backenzahnfrakturen, < Backenzahnfissuren
    11-15 Jahre: > Brachygnathia inferior (³ 1 mm), > Backenzahnfissuren
    Einzelne Gebissveränderungen (scharfe Zahnspitzen, Wellengebisse) treten zwar in großem Umfang
    aber geringem Ausprägungsgrad auf, was als Folge der heutzutage meistenteils regelmäßig
    durchgeführten Zahnbehandlungen angesehen werden dürfte.
    Interessante Aspekte ergeben sich hinsichtlich der Veränderungen der Schmelzbecher im
    Kauflächenbild und der daraus resultierenden Möglichkeit für eine ergänzende Zahnalterschätzung
    älterer Pferde.
    Aufgrund der Verteilungsmuster der scharfen Zahnspitzen, Backenzahnfissuren und Abspreng-ungsfrakturen
    wird von einem ursächlichen Zusammenhang ausgegangen.
    Klinisch unauffällige Pferde zeigten im Durchschnitt 2,3 und klinisch auffällige Pferde zeigten 3,8
    verschiedene Zahnerkrankungen. Es kann allerdings keine definitive Aussage bezüglich der
    Ausbildung charakteristischer klinischer Symptome beim Vorliegen einer bestimmten
    Zahnerkrankung gemacht werden.
    Die Befunderhebung mit Hilfe der Intraoral-Kamera ist am stehenden sedierten Pferd leicht
    durchzuführen, erfordert keinen hohen apparativen Aufwand und führt zu Ergebnissen, die ý
    insbesondere bei Veränderungen im Kauflächen- und Zwischenzahnbereich - ähnlich genau sind wie
    Sektionsergebnisse.
    Ferner bestechen die von der Intraoral-Kamera gelieferten Bilder durch ihre Anschaulichkeit.