Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Ergebnisse von 1431 stationär behandelten Kolikpatienten, unter besonderer Berücksichtigung der 285 chirurgisch versorgten Pferde, in den Jahren 1990 bis 1997 in der Klinik für Pferde, allgemeine Chirurgie und Radiologie der Freien Universität Berlin (2003)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Johnson, Anette
    Quelle
    Berlin, 2003 — 205 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000000984
    Kontakt
    Klinik für Pferde, allgemeine Chirurgie und Radiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62299
    pferdeklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Zwischen 1990 und 1997 wurden an der Klinik für Pferde, Allgemeine Chirurgie und Radiologie der Freien Universität Berlin 1431 Patienten wegen Kolik stationär
    untersucht und behandelt. 1206 (84,3%) Patienten konnten geheilt entlassen werden.
    20% (285) der Kolikpatienten wurden chirurgisch behandelt. Dünndarm- (41%) und
    Dickdarmerkrankungen (40%) waren die am häufigsten zu operierenden Kolik-erkrankungen.
    Wobei die Dünndarmverschlingung (Volvulus mesenterialis nodosus)mit 35 Fällen zu 40% (14) und die Torsio coli bei 45 Pferden zu 31% (14) geheilt werden konnte. Die häufigsten Früh- bzw. Spätkomplikationen waren Kolikrezidive, die bei 16 (55%) bzw. bei 13 (36%) der Patienten auftraten und eine Relaparotomie erforderten. Wundheilungsstörungen (vermehrte Sekretion, Serombildung, abgestoßene Fadenreste aus tieferen Schichten z.B. Subkutis oder Bauchdecke, nekrotisches Gewebe, Nahtdehiszenzen und Bauchbrüche) traten bei 52 (18%) der 285 operierten Koliker auf. In diesem Zusammenhang wurde überprüft, ob eine Verbesserung der Wundheilung durch intraperitoneale Medikation (DMSO, Antibiotika) und/oder
    intraperitoneale Drainagen (Foley®katheter) möglich ist. 145 Tiere der 285 Koliker verstarben oder wurden euthanasiert, davon 99 (68%) intra operationem, 26 (18%) Pferde innerhalb der ersten 24 Stunden post operationem und 20 Tiere (14%) kamen während der verbleibenden Klinikdauer zu Tode. Haupt-todesursache während der Operation war eine infauste Prognose und nicht behebbare Lageveränderungen. Die Heilungsrate der operierten Pferde betrug unter Berücksichtigung aller zur Operation gelangten Tiere 49%; bezogen auf die Anzahl der Tiere, die die Operation überstanden haben, sind es 71,4%. Der Klinikaufenthalt betrug durchschnittlich 12 Tage.
    Eine konservative Kolikbehandlung erfolgte bei 1146 (80%) der Patienten. Die am
    häufigsten betroffenen Darmabschnitte waren das Kolon mit 44,1% und das Zäkum mit
    18,2%. Der Darmkrampf war mit 13,4% die dritthäufigste Kolikursache. 5,2% der
    Patienten litten an einer Sandkolik. Von den 56 (76%) der insgesamt 74 Patienten mit
    einer Kolonverlagerung über das Milz-Nieren-Band konnten 52 (93%) der Pferde nach
    einer konservativen Behandlung entlassen werden. Der durchschnittliche
    Klinikaufenthalt der konservativ behandelten Koliker betrug 4,5 Tage. Die Heilungsrate
    dieser Patientengruppe betrug 93%. Die Haupttodesursache für die 7% zu Tode
    gekommenen konservativen Patienten waren Schockzustände, fehlende Operations-erlaubnis,
    akute Darmentzündungen und Rupturen im Bereich des Magen-Darm-Traktes.
    Mit Hilfe des Chi² Homogenitätstestes konnten Signifikanzen auf dem 5% (beidseitig)
    Niveau zwischen der Erfolgswahrscheinlichkeit und den Parametern Puls, Atmung und
    Hämatokrit festgestellt werden, ebenso für Wundheilungsstörungen und dem Einsatz
    intraperitonealer Medikation und Bauchdrainagen. Hierbei traten Wundheilungs-störungen
    unter intraperitonealer Medikation signifikant vermindert und unter dem Einsatz von Drainagen signifikant erhöht auf. Die Überprüfung einer Geschlechtsdisposition für eine bestimmte Kolikart zeigt, dass Stuten signifikant häufiger an einer Torsio coli erkranken. Weitere Signifikanzen zeigten sich im internationalen und nationalen Vergleich der Heilungsraten 1 (alle operierten Koliker) und der Heilungsrate 2 (alle Pferde, die die Kolikoperation überstanden haben). Die Krankenunterlagen lieferten die Informationen für jeden einzelnen Patienten. Diese wurden klassifiziert und mit Hilfe des Computers erfasst, gespeichert und für die Auswertung bearbeitet.