Fachbereich Veterinärmedizin


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    Untersuchungen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Lebendimpfstoffes gegen die Druse - Equilis® StrepE (Intervet International, Niederlande) - an trächtigen und laktierenden Stuten sowie an Absetzfohlen (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Röhm, A.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — 168 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-528-8
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000009030
    Kontakt
    Klinik für Pferde, allgemeine Chirurgie und Radiologie

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    14163 Berlin
    +49 30 838 62299
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    Abstract / Zusammenfassung

    In der vorliegenden Arbeit wurde die Verträglichkeit und Wirksamkeit der Druse-Lebendvakzine Equilis® StrepE (Intervet International, Boxmeer, Niederlande) an trächtigen und laktierenden Stuten sowie an Absetzfohlen unter den Feldbedingungen eines Gestüts-betriebes untersucht.
    Die Prüfung der Vakzine an tragenden und laktierenden Stuten erfolgte als Placebo-kontrollierte Untersuchung an insgesamt 30 Stuten der Rassen Deutsches Warmblut und Arabisches Vollblut (drei bis 17 Jahre alt), von denen 21 die Vakzine und neun ein Placebo appliziert erhielten. Die Stuten befanden sich zum Zeitpunkt der Erstimpfung im dritten bis zehnten Trächtigkeitsmonat.
    Ziel des Versuches war die Untersuchung der Wirksamkeit der Impfung, der allgemeinen und lokalen Verträglichkeit der Vakzine sowie deren mögliche Auswirkungen bezüglich des Reproduktionsgeschehens und der Laktation. Weiter wurde die passive Übertragung maternaler Impfantikörper sowie deren Persistenz bei den Fohlen untersucht.
    Die Prüfung der Wirksamkeit erfolgte durch die Untersuchung der M-Protein-spezifischen Serumantikörperantwort. Zur Untersuchung des passiven Antikörpertransfers sowie der Persistenz maternaler SeM-spezifischer Antikörper wurden die Seren der Saugfohlen der im Versuch befindlichen Stuten prä- und postkolostral mit derselben Technik untersucht.
    Die Verträglichkeitsprüfung erfolgte durch die Beurteilung der Injektionsstelle und durch regelmäßige klinische Kontrollen der Probanden. Besonders kontrolliert wurden Gravidität, Geburtsverlauf und Zustand der Neonaten. Während der Laktation wurden die Stuten, ihre Gesäuge und die Saugfohlen sorgfältig klinisch überwacht.
    Die Untersuchung der Wirksamkeit und der allgemeinen und lokalen Verträglichkeit der Vakzine bei Absetzfohlen erfolgte an 54 Fohlen der Rassen Deutsches Warmblut und Arabisches Vollblut im Alter von vier bis sieben Monaten. Zusätzlich wurde die Auswirkung der Immunisierung der Absetzfohlen bezüglich des Auftretens von respiratorischen Erkrankungen in der frühen Aufzuchtphase mit nicht geimpften Herden von Absetzfohlen verglichen. Dies diente auch den damit verbundenen Untersuchungen zur Epizootiologie der Streptokokkeninfektionen im Gestüt.

    Die in der vorliegenden Untersuchung erarbeiteten Ergebnisse lassen folgende Schlüsse zu:
    • Die lokale und allgemeine Verträglichkeit bei Stuten und Fohlen entsprach im Großen und Ganzen den Herstellerangaben. Unseres Erachtens sind die nach etwa 15 % der Impfungen aufgetretenen lokalen, z.T. schweren Entzündungsreaktionen zu hoch und entsprechen nicht den Anforderungen an eine praxisreife Vakzine.
    • Die von anderen Autoren beschriebenen Sicherheitsbedenken (KEMP-SYMONDS et al. 2007) und möglichen Impfschäden (SWEENEY et al. 2005; TIMONEY 2007) müssen bei der Anwendung dieser Vakzine bedacht werden. Aufbauend auf den in unseren Untersuchungen ermittelten serologischen Ergebnissen ist insbesondere ein Risiko für eine impfinduzierte Purpura haemorrhagica (SWEENEY et al. 2005) nicht aus-zuschließen. Speziell die Impfempfehlungen des Herstellers mit den häufigen Re-vakzinationen in kurzen Impfintervallen von zwölf Wochen könnten dazu beitragen.
    • Die serologischen Ergebnisse sprechen dafür, dass entgegen der vom Hersteller empfohlenen Revakzination in zwölfwöchigen Abständen, Wiederholungsimpfungen in sechsmonatigen Intervallen vorzuziehen sind. Zum einen reduziert man dadurch das Risiko immunvermittelter Impfschäden, zum anderen persistieren die durch Impfung erreichbaren SeM-spezifischen Serumtiter über sechs Monate auf einem gleichbleibend hohen Niveau.
    • Die Verträglichkeit der Vakzine bezüglich des Reproduktionsgeschehens und der Laktation ist nach den vorliegenden Versuchsergebnissen als gut zu bezeichnen.
    • Die Anwendung der Vakzine bei tragenden und laktierenden Stuten hatte eine Stimulation der Bildung von Serumantikörpern zur Folge, die sich auch in den passiv erworbenen SeM- Titern der Saugfohlen niederschlägt.
    • Saugfohlen profitieren von der Immunisierung der hochträchtigen Stute mit Equilis® StrepE. Eine Persistenz maternaler SeM-spezifischer Serumantikörper in den Fohlen aus geimpften Mutterstuten konnte mindestens bis zum Ende des vierten Lebensmonates nachgewiesen werden.
    • Die Impfung von Absetzfohlen mit Equilis® StrepE induzierte keine messbaren humoralen Antikörper und erbrachte in den untersuchten Fohlenherden keine feststellbare Verbesserung der Krankheitssituation infolge bakterieller Atemwegs-infektionen. Damit konnte eine Wirksamkeit der eingesetzten Impfstoffcharge bei Absetzfohlen nicht bestätigt werden.

    Aufgrund des hohen Impfaufwandes, der laut Hersteller zeitlich begrenzten Immunität von drei Monaten, der Risiken hinsichtlich möglicher postvakzinaler Impferkrankungen und Impf-schäden, der häufigen Impfreaktionen und der geringen Schutzwirkung kann Equilis® StrepE in der geprüften Form nicht für eine breite, präventive Anwendung in der Pferdepraxis empfohlen werden.
    Weitergehende Untersuchungen zur Charakterisierung der im Rahmen einer S. equi -Infektion induzierten, komplexen immunologischen Vorgänge sowie die Erforschung neuer Methoden, diese effektiv zu stimulieren, sind für die Entwicklung eines brauchbaren Druse-impfstoffes unerlässlich. Zur sicheren und wirkungsvollen Präventive der Druse werden Impfstoffe mit besserer und länger vorhaltender Schutzwirkung sowie einem höheren Sicherheitsprofil benötigt.