Fachbereich Veterinärmedizin


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    Häufigkeit und Entwicklung röntgenologischer Befunde am Tarsus des Pferdes - Bewertung von Röntgenreihenuntersuchungen und klinischen sowie röntgenologischen Verlaufsuntersuchungen bei 3-5jährigen Auktionspferden des Westfälischen Pferdestammbuchs e.V. in Anlehnung an den Röntgenleitfaden (2009)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Bach, S.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2009 — II, 76 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-724-4
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000015595
    Kontakt
    Klinik für Pferde, allgemeine Chirurgie und Radiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62299
    pferdeklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    In der vorliegenden Untersuchung wurden die Sprunggelenke von 139 klinisch gesunden Reitpferden des Westfälischen Pferdestammbuchs, die über Auktionen versteigert wurden, zweimal im Abstand von etwa zwei Jahren (25,4 ± 15,7 Monate) röntgenologisch untersucht und die Befunde nach dem Röntgenleitfaden 2007 (RöLF 07) beurteilt. Es handelte sich um 52 Stuten (37,4%), 77 Wallache (55,4%) und 10 Hengste (7,2%). Die Pferde waren bei der Erstuntersuchung zwei bis vier Jahre alt (3,1 ± 1,0 Jahre).
    Am Talokruralgelenk stellten distal gerichtete Zubildungen am Talus den häufigsten Befund dar (Erstuntersuchung: 10,8% der Pferde, Verlaufsuntersuchung: 10,1%). Gravierende Veränderungen, wie beispielsweise malazische Dissekate, die zur Einstufung in die Röntgenklasse III-IV führten, traten bei 5,8% bzw. 2,9% der Pferde auf. Charakteristische geschlechtsabhängige Unterschiede waren nicht zu verzeichnen. Die linke Hintergliedmaße war häufiger betroffen als die rechte. Bei beiden Röntgenuntersuchungen wurden 96% aller 278 Talokruralgelenke gleich bewertet, bessere Einstufungen kamen bei 3,6% und schlechtere bei 0,4% der Gelenke vor.
    Am Tarsometatarsalgelenk und an den Intertarsalgelenken waren Rand-exostosen am Mt III (28,8% und 32,4%) am häufigsten und führten zusammen mit verschwommenen/schmalen Gelenkspalten (12,2% und 10,8%) zu einer Einstufung in Kategorie II. Osteophyten bis (Klasse II-III) und über 2 mm (Klasse III) traten bei jeweils 16,5% und 17,3% der Pferde auf. Strichförmige Gelenkspalten (Klasse III-IV) waren bei 13,7% und 9,4% der Pferde zu beobachten. Seltener führten Deformierungen des Os tc/Os t III (beide Untersuchungen 1,4%) oder Strukturauflösungen (0,7% und 3,6%) zu einer Einstufung in Kategorie IV. Auffallend war eine Häufung der leichteren Befunde bei Stuten und des schweren Befundes „strichförmiger Gelenkspalt“ bei Hengsten/Wallachen. Auch an den Tarsometatarsal-/Intertarsalgelenken war häufiger die linke Hintergliedmaße betoffen. Eine Übereinstimmung der Kategorisierung nach dem RöLF 07 bei beiden Untersuchungen bestand lediglich bei 85,2% dieser Gelenke, 9,4% wurden beim zweiten Röntgen schlechter und 5,4% besser beurteilt.
    Ein statistisch signifikanter Einfluss des zeitlichen Abstandes zwischen beiden Röntgenuntersuchungen des Sprunggelenks auf die Einstufung nach dem RöLF 07 war nicht nachzuweisen.
    Insgesamt wurden von allen 139 Pferden 14 bei der Verlaufsuntersuchung besser eingestuft als bei der Erstuntersuchung. Hiervon waren bei 8 Pferden (57,1%) lagerungsbedingte Variationen zwischen beiden Röntgenuntersuchungen zu verzeichnen. Von 12 Pferden mit einer schlechteren Einstufung bei der Verlaufsuntersuchung wurden dagegen nur bei 3 Tieren (25,0%) Lagerungsabweichungen vermerkt, und unter den 113 Pferden mit übereinstimmender Beurteilung bei beiden Untersuchungen hatten unterschiedliche Lagerungen nur bei 5,3% bestanden (Chi2-Test: p < 0,0001). D.h. dass tendenziell die Variationen der Lagerung bei der Zweituntersuchung zu einer besseren Einstufung der Pferde nach RöLF 07 führten.
    Es wird betont, dass die Röntgendarstellung eine Hilfsuntersuchung aus einer Vielzahl klinischer und bildgebender Methoden darstellt und lediglich dem Ziel dient, den derzeitigen Zustand des Pferdes zu dokumentieren. Obwohl der Röntgenleitfaden eine gute Basis für einen möglichst präzisen Untersuchungsgang mit objektiven Auswertungskriterien liefert, sind bei einem Teil der Pferde, beispielsweise durch Variationen der Lagerung, nicht reproduzierbare Ergebnisse unvermeidbar. Es scheint wünschenswert, weitere Bemühungen um eine Standardisierung der Aufnahmetechnik zu unternehmen.