Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Auswirkungen der Expression des Latenten Membranproteins 2A und der permanenten Aktivität des nukleären Faktors-KappaB auf die Entwicklung von B-Zellen in Mäusen (2006)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Schulze, Pröbsting Kristina
    Quelle
    Berlin: Mensch-und-Buch-Verl., 2006 — V, 118 Seiten
    ISBN: 3-86664-160-5
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002695
    Kontakt
    Institut für Immunologie

    Robert-von-Ostertag-Str. 7-13
    Gebäude 35
    14163 Berlin
    +49 30 838 51834

    Abstract / Zusammenfassung

    Hodgkin Lymphome gehören zu den häufigsten malignen Erkrankungen des Immunsystems. Es konnte gezeigt werden, dass Hodgkin/Reed Sternberg (H/RS) Zellen, die malignen Zellen des Hodgkin Lymphoms, von B-Zellen abstammen. Die molekulare Pathogenese der H/RS Zellen ist bis heute ungeklärt. Wichtige Faktoren, die in der Pathogenese dieser Zellen eine Rolle spielen, sind die permanente Aktivität des Transkriptionsfaktors Nuclear Factor (NF)-kB und das in mehr als 50 % der H/RS Zellen exprimierte Latente Membranprotein 2A (LMP2A) des Epstein-Barr Virus. Ziel dieser Arbeit war es, erstmals ein Mausmodell zu entwickeln, in dem NF-kB permanent aktiv ist und LMP2A-exprimiert wird. Die Auswirkungen der beiden Faktoren auf die B-Zellen der Mäuse sollten untersucht werden. Zur Etablierung des Mausmodells wurden modifizierte fötale hämatopoietische Stammzellen in B-Zell-defiziente Rezipienten transplantiert. Auf diese Weise konnte man Untersuchungen an Mäusen mit definiert veränderten B-Zellen durchführen. Die Spender-Stammzellen stammten aus Föten mit einem knockout des NF-kB-Inhibitors IkB(alpha). Sie wurden vor der Transplantation mit einem LMP2A-kodierenden Retrovirus infiziert. Als Kontrolle dienten mit dem LMP2A-Retrovirus infizierte Stammzellen aus Wildtyp-IkB(alpha)-Föten. Die permanente Aktivität von NF-kB und die Expression von LMP2A konnten bereits fünf Wochen nach der Transplantation in den hämatopoietischen Zellen der Rezipienten nachgewiesen werden. So ermöglichte das Modell erstmals in vivo die Expression von LMP2A und die permanenten Aktivität von NF-kB in Kombination zu untersuchen. Durchflusszytometrische Analysen belegten einen verringerten Anteil an B-Zellen in Zellfraktionen mit LMP2A Expression. Hervorzuheben ist, dass der Anteil an B-Zellen, die B-Zell-Rezeptoren in hoher Dichte exprimierten (IgM high), innerhalb dieser Zellfraktion niedriger war als in Fraktionen ohne LMP2A Expression. Als Ursache hierfür kommt die - im Rahmen dieser Arbeit nachgewiesene - durch LMP2A und permanente NF-kB Aktivität verminderte Expression der B-zellspezifischen Transkriptionsfaktoren EBF und Pax5 in Betracht. Deren Verlust führt in knockout Mausmodellen zur Unterbrechung der B-Zell-Entwicklung im pro-B-Zell-Stadium. Proliferationsversuche bewiesen eine Hemmung der Proliferation der B-Zellen durch LMP2A. Diese Hemmung und die mittels RT-PCR Analysen gezeigte Herunterregulierung von B-Zell-Differenzierungsfaktoren (EBF und Pax5) spiegeln wider, dass die B-Zellen in ihrer normalen Differenzierung und Proliferation gestört sind. Die permanente Aktivität von NF-kB forcierte die Proliferation der B-Zellen nach Stimulation mit B-zellspezifischen Stimulantien. Diese Zellen profitierten also von Überlebensvorteilen, die sie gegenüber Zellen mit physiologischer NF-kB Aktivität hatten. Sowohl NF-kB als auch LMP2A steigerten die Transkription des Rezeptors und Transkriptionsfaktors Notch1. Es ist bereits belegt, dass dieser Faktor in H/RS Zellen aktiv ist und proliferative und anti-apoptotische Effekte aufweist. NF-kB und LMP2A könnten also den Notch1 Signalweg nutzen, um das Überleben der B-Zellen zu sichern. Im Rahmen dieses Mausmodells konnte gezeigt werden, dass die permanente Aktivität des Transkriptionsfaktors NF-kB und die Expression des Epstein-Barr Virus Proteins LMP2A nicht ausreichend sind für die maligne Transformation von B-Zellen in Milz und Knochenmark. Die Untersuchungen konnten allerdings demonstrieren, dass beide Faktoren auf B-Zellen und deren Transformation Auswirkungen haben. NF-kB verstärkt dabei das Tumorpotential der B-Zellen durch forcierte Proliferation. Beide Faktoren verringern die Transkription der B-Zell-Differenzierungsfaktoren EBF und Pax5.