Fachbereich Veterinärmedizin


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    Zur Skelettentwicklung und Wachstumsdynamik der Beckengliedmaße bei Mastputern - (makroskopische, mikroskopische, radiologische, osteodensitometrische und mineralstoffanalytische Verlaufsuntersuchungen) (2003)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Korfmann, Mark Andre
    Quelle
    Berlin, 2003 — 189 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001515
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    Institut für Tierpathologie

    Robert-von-Ostertag-Str. 15
    Gebäude 12
    14163 Berlin
    +49 30 838 62450

    Abstract / Zusammenfassung

    Osteochondropathische Erkrankungen im Bereich des Beinskeletts, bis dato oft unter dem wenig spezifizierenden Begriff der �Beinschwäche� summiert, stellen nach wie vor eine bedeutende Verlustursache für das Mastgeflügel, so auch der Pute, dar. Das Fehlen von Untersuchungen physiologischer wachstumskonformer Knochenparameter aus dem Bereich der Knorpel-Knochen-Grenze der Epiphysen der Beckengliedmaße im Verlauf einer Aufzucht- und Mastperiode bei der Pute erschwert die Diagnostik und Erforschung dieser Erkrankungen sowie die Abgrenzung zwischen physiologischen und pathologischen Prozessen. Das Ziel der vorliegenden Untersuchungen lag somit in der Darstellung der Wachstums- und Differenzierungsprozesse im Bereich der Wachstumsplatte (WP) der langen Beckengliedmaßenknochen über eine vollständige Wachstumsperiode. Es kamen insgesamt 94 weiße Putenhähne der 4-fach Hybridlinie B.U.T. Big 6 zur Untersuchung, welche wöchentlich vom 1. Lebenstag (LT) bis zum 147. LT (4 bis 6 Tiere pro Woche) einem konventionellen Mastbetrieb entnommen wurden. Neben der Erfassung makroskopischer Parameter wie der Körpermasse, der Knochenlängen, der Femurfeuchtmasse, dem kraniokaudalen Diaphysendurchmesser des Femur (F) und Tibiotarsus (TT), fand die histologische und histometrische Analyse von Veränderungen der WP, sowie die Ausdehnung und Resorption der embryonalen Knorpelkegel (EK) und die Entwicklung des Gefäßsystems im Bereich der WP des proximalen (prox.) TT besonderes Augenmerk. Hierfür wurden rund 1900 Hämatoxylin�Eosin�gefärbte Paraffinschnittpräparate der Knochenenden angefertigt und unter Einsatz der automatischen Bildanalyse beurteilt. Ergänzend wurde röntgenologisch der WPSchluß, die Entwicklung der Ossifikationszentren (EOC) und der EK anhand von 564 Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen dargestellt. Das Verhältnis von Markraum zur Kompaktafläche wurde anhand von 188 Röntgenbildern eines diaphysären F- und TT- Ringes ebenfalls über die automatische Bildanalyse ermittelt. Supplementär wurde eine Veraschung der F- Diaphysenringe der jeweiligen Wochengruppe mit folgender Mineralstoffanalyse auf Ca und P sowie eine Knochendichtemessung der prox. Femurmetaphyse mit der Röntgenstrahlabsorptionstechnik durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Körpermasse, die Knochenlängen, der kraniokaudale Diaphysendurchmesser von F und TT, die F- und TTDiaphysenquerschnittsflächen und die Feuchtmasse des F sich im untersuchten Zeitraum relativ gleichmäßig entwickeln, wobei sich bei diesen Parametern eine mehr oder weniger deutliche Sigmoidalität im Kurvenverlauf zeigt. Die am 1. LT an allen untersuchten Knochenenden histologisch sowie röntgenologisch nachzuweisenden EK werden zwischen der zweiten und dritten Lebenswoche (LW) vollständig resorbiert. Die untersuchten WP weisen ein einheitliches histologisches Erscheinungsbild der Zonenanordnung in Ruhe-, Proliferations-, prähypertrophe, hypertrophe sowie Ossifikationszone auf. Allen WP gemein ist, dass sie in der 6. LW ihre größte Ausdehnung erreichen. Unterschiede bestehen hinsichtlich der Dicke der WP. Es wird hierbei zwischen den Typ 1-WP und den Typ 2-WP differenziert. Erstere (WP des Femur) sind gekennzeichnet durch eine relative Konstanz ihrer Dicke zwischen 3000 µm und 4000 µm und einer folgenden kontinuierlichen Abnahme. Die WP des prox. TT und prox. TMT (Typ 2-WP) zeichnen sich dagegen durch einen raschen Anstieg der Dicke auf Werte zwischen 8500 µm und 8800 µm mit anschließendem raschen Schwund aus. Eine Zwischenstellung nimmt die WP des distalen (dist.) TT ein. Das Verhältnis von Proliferations- zur hypertrophen Zone stellt sich für die untersuchten WP als nicht konstant dar. Es zeigt für alle WP in der 7. LW die größte Weite. Es konnten keine Anastomosen zwischen den die Proliferationszone der WP versorgenden penetrierenden epiphysären Gefäßen und dem metaphysären Gefäßsystem, welches die Matrixverkalkung, Chondrozytenlysis und �resorption sowie Ossifikation bewirkt, beobachtet werden. Der WP-Schwund endet mit der vollständigen Resorption am prox. F in der 19. LW, am dist. F in der 18. LW, am prox. TT in der 19. LW (20. LW), am dist. TT in der 14. LW und am prox. TMT in der 18. LW. An beiden Epiphysen des TT sowie am prox. TMT konnten insgesamt fünf EOC nachgewiesen werden. Das im prox. TT solitär vorkommende EOC läßt sich erst ab der 4. LW bei allen Tieren der Wochengruppe röntgenologisch nachweisen. Seiner relativ späten Ausprägung und seiner Lage an der Insertionsstelle des Lig. patellae nach, ist es als sekundär anzusehen. Hingegen sind die beiden kondylären EOC am dist. TT und das am prox. TMT, die bei einem Teil der Tiere schon am ersten Lebenstag vorliegen als primär zu bezeichnen, da sie den Tarsalknochen entstammen. Das ebenfalls am 1. LT nachweisbare sog. dritte EOC in der dist. Epiphyse des TT liegt im Zentrum dreier Bandinsertionsstellen und ist demnach wiederum sekundären Ursprungs. Die mit der Zwei- Spektren- Röntgenstrahlabsorptionsmessmethode ermittelte Knochendichte der prox. Femurmetaphyse erhöht sich im Zeitraum zwischen der 5. LW und 11. LW um das 3,5-fache, wohingegen die Veraschung und Mineralstoffanalyse der Femurdiaphyse maximale Zuwächse an Trockenmasse, Rohasche sowie Ca und P lediglich bis zur 7. LW erkennen lassen. Die mit dieser Arbeit vorliegenden Daten über die physiologische Skelettentwicklung der Knochen der Hinterextremität der Pute sollen eine Hilfe für die Früherkennung und weitere Erforschung von Osteochondropathien darstellen. Die Wachstumsabschnitte, in denen die Knochenparameter rapiden Veränderungen und starken Umbauprozessen unterliegen und damit eine erhöhte Anfälligkeit des unausgereiften Skeletts bedingen, werden herausgearbeitet und gesondert berücksichtigt.