Fachbereich Veterinärmedizin


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    Die COB des Pferdes im Zusammenhang mit viralen Infektionen und im Vergleich mit dem allergischen Asthma des Menschen (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Räthel, Sabine
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — 83 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-523-3
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000007337
    Kontakt
    Institut für Tierpathologie

    Robert-von-Ostertag-Str. 15
    Gebäude 12
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62450 Fax.+49 30 838 62522

    Abstract / Zusammenfassung

    Im Hinblick darauf, dass die Bedeutung von Atemwegserkrankungen, insbesondere die chronisch obstruktiven Bronchitis (COB) beim Pferd erheblich zugenommen hat, wurden in der vorliegenden Arbeit die Zusammenhänge viraler Infektionen, insbesondere den equinen Herpesviren Typ 2 (EHV-2) und erstmalig den equinen Rhinoviren (ERV) mit der Entstehung von COB untersucht. Zusätzlich erfolgte eine Teildarstellung pathoimmunologischer Vorgänge bei respiratorischen Erkrankungen beim Pferd bezüglich bestehender Gemeinsamkeiten mit dem allergischen Asthma des Menschen.
    Zu diesem Zweck wurden Lungengewebeproben von 36 Schlacht- und Sektionspferden ohne Berücksichtigung von Alter, Haltungs- oder Nutzungsform und Gesundheitszustand histologisch untersucht und diagnostisch eingeteilt. 42% der Tiere waren COB krank, 22% der 36 Pferde zeigten bereits chronische Veränderungen an den Bronchien und Bronchioli, weiterhin litten 6 % an einer interstitiellen Pneumonie und 28 % konnten als lungengesund eingestuft werden.
    In weiteren Arbeitsschritten erfolgte die Aufarbeitung der Proben für den Virus- und Zytokinnachweis mittels RNA- und DNA-Präparation und anschließender RT-PCR. Es wurden die spezifischen Primer für das equine Herpesvirus Typ 2 (EHV-2), die equinen Rhinoviren Perv, 350/72 (equines Rhinitis 1 Virus: ERV-1) und 1436/73 (equines Rhinitis 2 Virus, ERV-2) eingesetzt und die PCR für ERV etabliert. Als zytokinspezifische Primer kamen zum Einsatz: IL-4, IL-5, IL-10, IL-11, IFN- und GM-CSF.
    Es konnten bei keinem der Pferde Rhinoviren nachgewiesen werden, dafür waren 73 % der COB-kranken Pferde EHV-2 positiv, ebenso konnte bei 67% der Tiere mit (Peri-)Bronchitis / (Peri-) Bronchiolitis das Virus nachgewiesen werden, sowie bei einem Pferd mit einer interstitiellen Pneumonie und bei 22 % der Tiere ohne besondere klinische und histologische Befunde.
    Der Nachweis für IL-4 und IL-10 gelang bei allen 36 untersuchten Pferden. IL-11 konnte bei 47% der COB-kranken Pferde, bei 75% mit (Peri-)Bronchitis / (Peri-)Bronchiolitis, 100% mit Pneumonie (2 Pferde) und bei 60% der gesunden Pferde festgestellt werden.
    Bei IFN- lag der meiste Anteil bei den Pferden mit bronchialen Veränderungen (63%) bis hin zu COB (87%). Nur bei einem Pferd ohne Befund konnte ein positiver Nachweis auf IFN- erfolgen.
    IL-5 konnte nur bei insgesamt 5 von 36 untersuchten Pferden nachgewiesen werden, dies Ergebnis verteilt sich auf 2 COB-kranke (13%), 2 gesunde (22%) und 1 Pferd (11%) mit katarrhalischer Bronchitis.
    Das Zytokin GM-CSF wurde nur stichprobenartig mit überwiegend positivem Ergebnis untersucht und sollte in weiteren Arbeiten stärker berücksichtigt werden.
    Anhand der Ergebnisse wird die Verbreitung respiratorischer Verränderungen / Erkrankungen beim Pferd deutlich. Der Zusammenhang viraler Infektionen mit COB konnte bestätigt werden, wie es bereits von Robinson et al. (1996) vermutet wurde. Insbesondere die bislang unterschätzte Bedeutung von EHV-2 Infektionen wird in der vorliegenden Arbeit eindeutig untermauert und bestätigt die Ergebnisse von Wolfinger (1998). Der negative Nachweis für die equinen Rhinoviren schließt den Zusammenhang einer Infektion mit der COB, wie es beim Menschen im Zusammenhang mit Asthma erkennbar ist (Nicholson et al., 1993; Johnston et al., 1995), nicht grundsätzlich aus und sollte in weiteren Forschungsarbeiten mit berücksichtigt werden.
    Die Ergebnisse der Zytokinexpression mit dem Bild einer gemischten Th1- und Th2 – Immunantwort bestätigen die Untersuchungen von Berendonk (2000) und Horohov et al. (2005) und stimmen somit nicht mit dem Bild einer dominanten Th2 – Immunantwort beim allergischen Asthma des Menschen (Chung und Barnes, 1999) überein. Weitere Gemeinsamkeiten mit der Erkrankungen beim Menschen wie eine ausgeprägte Eosinophilie und eine m-RNA Expression für IL-5 konnten in der vorliegenden Arbeit beim Pferd nicht bestätigt werden.
    Inwieweit Virusinfektionen des Atmungsapparates für die Entstehung der COB auslösend sein können, konnte mit der vorliegenden Arbeit nicht geklärt werden. Um die Zusammenhänge viraler Infektionen mit der COB weiter zu hinterfragen, sollten diesbezüglich weitere Untersuchungen folgen. Konnte Gustat (2003) in ihrer Arbeit erstmals zeigen, dass virale Infektionen des equinen Trachealepithels zu einer veränderten Zytokinexpression führen, ist dies bezüglich des Lungenepithels noch unklar. Dabei sollten auch andere Viren (z.B. Influenza) in die Untersuchungen mit einbezogen werden und zusätzlich eine Lokalisation in der Gewebestruktur erfolgen. Das Zytokinspektrum sollte im Zusammenhang mit der Neutrophilie um z. B. IL-8 und IL-17 erweitert werden oder auch bezüglich der Unterscheidung der Th-Antwort um IL-13. Interessant wäre auch eine Quantifizierung der Zytokinexpression im Lungengewebe im Vergleich der verschiedenen Erkrankungsstadien.

    Mit der vorliegenden Arbeit konnte gezeigt werden, dass durchaus ein Zusammenhang viraler Infektionen mit der COB besteht, ähnlich der Pathogenese beim Asthma des Menschen. Des weiteren kann EHV-2 große Bedeutung für die Pathogenese respiratorischer Erkrankungen beim Pferd zugeschrieben werden und im Hinblick darauf sollten weiterer Forschungsarbeiten folgen.