Fachbereich Veterinärmedizin


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    Der Einfluss von Geschlechtshormonen auf die allergische Immunantwort (2009)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Kirn, F. A.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl., 2009 — III, 74 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-606-3
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000011702
    Kontakt
    Institut für Immunologie und Molekularbiologie

    Robert-von-Ostertag-Str. 7-13
    Gebäude 35
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 - 518 34 Fax.+49 30 838 451 834

    Abstract / Zusammenfassung

    Die Inzidenz allergischer Erkrankungen hat in den vergangenen Jahrzehnten stark
    zugenommen und damit das Interesse der Forscher an der genauen Aufklärung der
    zugrunde liegenden Mechanismen. Die Ursachen der bereits in den 80er Jahren
    beschriebenen geschlechtsspezifischen Unterschiede bei allergischen Erkrankungen sind bis
    heute nicht bis ins Detail geklärt. Die vorliegende Arbeit sollte zur Klärung der Rolle von
    Östrogen Testosteron im Bezug auf die Entwicklung und klinischen Manifestierung
    allergischer Erkrankungen beitragen.
    Zunächst wurden die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Mausmodell untersucht.
    Hormonkompetente männliche und weibliche Balb/c Mäuse sowie ovarektomierte und
    orchektomierte Balb/c Mäuse wurden mit Ovalbumin (OVA) sensibilisiert und das Ausmaß
    ihrer humoralen Immunantwort mittels Bestimmung von IgE, allergenspezifischem IgE und
    IgG1 sowie Bestimmung der Zytokinsynthese in vitro untersucht.
    In weiterführenden Untersuchungen wurde mittels hormonselektiver Antagonisten versucht,
    die Wirkung von Östrogenen und Testosteron gezielt zu beeinflussen. Es wurden weibliche
    Balb/c Mäuse mit dem GnRH-Antagonisten Cetrorelix behandelt um die Östrogensynthese
    auf der Hypophysen-Hypothalamus-Achse zu blockieren, eine weitere Gruppe erhielt den
    Selektiven Östrogenrezeptormodulator (SERM) Tamoxifen und eine dritte Gruppe erhielt den Testosteronrezeptorantagonisten Cyproteronacetat. Die Tiere wurden erneut mit OVA
    sensibilisiert, zur Bestimmung der humoralen Immunantwort wurden Immunglobuline und
    Zytokine bestimmt, die lokale Immunantwort wurde mittels Hauttest (Ear Swelling)
    untersucht.
    In einem dritten Versuch wurde im Atopischen Dermatitis (AD) Mausmodell untersucht,
    welchen Einfluss Tamoxifen auf das Entstehen und die Manifestation der Atopischen
    Dermatitis hat. Diese chronische, juckende Hauterkrankung wird sehr viel häufiger bei
    Mädchen und Frauen diagnostiziert und die zugrunde liegenden Ursachen sind auf erhöhte
    IgE-Antworten und Imbalancen in der Zytokinproduktion der T-Lymphozyten gekennzeichnet.
    Weibliche Balb/c Mäuse wurden mit Tamoxifen behandelt, mit OVA sensibilisert und
    schließlich wurde durch Kontakt der Haut mit Allergen ein Ekzem ähnlich dem während eines akuten Schubs der Atopischen Dermatitis ausgelöst. Die humorale Immunantwort wurde über die Bestimmung der Immunglobulinantworten sowie des Zytokinmusters analysiert, zusätzlich wurde die Lymphozytenpopulation in der Milz qualitativ bestimmt. Das klinische Bild des ausgelösten Ekzems wurde mittels SkinScore untersucht, immunhistochemische Färbungen der Haut sollten Aufschluss über die Infiltration der Haut mit CD4+- CD8+- und Mastzellen geben.
    Die Bestimmung der geschlechtsabhängigen Immunantwort zeigt, dass Östrogen einen
    stimulierenden Einfluss auf das Entstehen allergischer Erkrankungen hat. Dies drückte sich
    nicht nur in deutlich höheren Antikörperantworten bei den weiblichen Tieren im Vergleich zu
    den männlichen Tieren aus, sondern auch im Aufheben dieser Effekte durch die Behandlung
    mit dem SERM Tamoxifen.
    Die immunprotektive Wirkung von Testosteron konnte bei männlichen Tieren gezeigt
    werden, die im Vergleich zu den hormoninkompetenten männlichen Tieren sehr viel
    niedrigere Antikörperantworten ausbilden.
    Der Einfluss von Östrogen auf die Differenzierung von T-Lymphozyten ist bisher nicht
    eindeutig geklärt. In den oben genannten Studien konnte gezeigt werden, dass die T-Zellantwort nach lokaler Injektion des Allergens bei mit Tamoxifen behandelten Mäusen
    sowie mit Cetrorelix behandelten Mäusen gehemmt ist. Dies zeigte sich nicht nur im
    Ausbleiben der Spätreaktion nach lokaler Allergenapplikation am Ohr, sondern auch in der
    geringeren T-Zellinfiltration der Haut Tamoxifen behandelter Tiere im Mausmodell der
    Atopischen Dermatitis. Korrelierend wurden Imbalancen im Zytokinmuster sowie in der Bund T-Zell-Ratio festgestellt.
    Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen, dass Östrogene bei der Entwicklung und der
    Manifestierung allergischer Erkrankungen eine begünstigende Rolle spielen. Die
    regulatorischen Eigenschaften von Testosteron konnte bei männlichen Tieren gezeigt
    werden, welche Rolle dies aber in weiblichen Individuen spielt konnte nicht geklärt werden.
    Vor allem gewebsspezifische pro- und anti-inflammatorische Interaktionen von Östrogenen
    müssen im komplexen Entstehen atopischer Erkrankungen näher untersucht werden um
    therapeutische Ansätze mit Antiöstrogenen für Patienten zu verifizieren.