Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Ist die digitale, histologische Morphometrie zur Diagnostik der felinen Kardiomyopathie geeignet? (2010)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Heblinski, N.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2010 — I, 155 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-748-0
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000015907
    Kontakt
    Institut für Tierpathologie

    Robert-von-Ostertag-Str. 15
    Gebäude 12
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62450 Fax.+49 30 838 62522

    Abstract / Zusammenfassung

    Die Diagnostik der felinen hypertrophen Kardiomyopathie (KMP) unterliegt in der Routine-diagnostik mitunter einer starken, vom Untersucher abhängigen Subjektivität. Grund hierfür sind die nicht immer eindeutigen morphologischen Befunde bei dieser Erkrankung. Hin-weisende histologische Befunde sind laut Lehrmeinung die Hypertrophie der Kardiomyozyten und ihrer Kerne, eventuelle Myokardfibrosen sowie die Desorganisation von Muskelfasern. Messbare, objektive Grenzwerte zur makroskopischen und histologischen Diagnostik einer Kardiomyopathie fehlen insbesondere für grenzwertige Fälle. Es gibt in der Praxis weder ein Werkzeug noch eine einfache und dabei objektive, digitale Messmethode, die es ermöglicht, die hypertrophe Kardiomyopathie anhand weniger histologischer Parameter eindeutig zu diagnostizieren.
    Nachstehende Hypothesen sollten in der vorliegenden Arbeit geprüft werden:

    1. Es existieren statistisch nachweisbare Unterschiede zwischen Katzen mit hyper-tropher Kardiomyopathie und herzgesunden Katzen auf makroskopischer Ebene.
    2. Statistisch signifikante Unterschiede zwischen Katzen mit hypertropher Kardiomyo-pathie und herzgesunden Katzen sind auch auf histologischer Ebene zu ermitteln.
    3. Herzmuskelfasern der Herzen von Katzen mit hypertropher Kardiomyopathie ver-zweigen sich häufiger (sog. Branching) und stellen sich histologisch als Vermehrung kernloser Kardiomyozyten mit kleineren Querschnittsflächen dar.

    Entsprechend der ersten beiden Hypothesen dieser Arbeit wurde versucht, makroskopische oder histologische, morphometrische Parameter zu finden, anhand derer die hypertrophe Kardiomyopathie sicher diagnostiziert werden kann. Hierfür wurden aus einer dafür prospektiv gesammelten Kasuistik von 180 Katzen 15 Tiere mit einer hochgradigen, hyper-trophen Kardiomyopathie ausgesucht. Zu jeder einzelnen dieser 15 Tiere wurde eine optimale Kontrollkatze ausgewählt. Mittels digitaler Messmethoden erfolgten umfassende Untersuchungen bezüglich der Makroskopie und Histologie an diesen 30 Katzen. Zunächst sollten basierend auf diesen zwei Gruppen die Unterschiede anhand zahlreicher Kenngrößen der Herzen erarbeitet werden. Nachfolgend sollten diese Unterschiede zur Ermittlung von Grenzwerten für eine schnelle und objektive, histomorphometrische Beurteilung heran-gezogen werden. Da in klinischen Untersuchungen eine Hypertrophie der linken Papillar-muskulatur von Katzen mit hypertropher Kardiomyopathie beschrieben wurde, stand neben der makroskopisch-morphologischen Untersuchung des gescannten Herzquerschnitts die mikroskopisch-morphologische Untersuchung des im linken Ventrikel befindlichen M. papillaris subatrialis im Mittelpunkt dieser Arbeit.
    Gemäß der dritten Arbeitshypothese erfolgte die Erfassung aller Querschnittsflächen der Kardiomyozyten innerhalb zuvor fotografierter histologischer Schnittpräparate aus dem Bereich dieses linken Papillarmuskels.
    Bei den makroskopischen Befunden konnten zahlreiche Unterschiede ermittelt werden. So zeigte sich das relative Herzgewicht in Abhängigkeit vom Abstand zwischen erstem und achtem Thorakalwirbel bei den Katzen mit hypertropher Kardiomyopathie signifikant erhöht. Dies ermöglichte eine nicht-körpergewichtsbezogene Ermittlung des relativen Herzgewichtes. Damit stellt der Wirbelkörperabstand eine deutlich bessere und unabhängige Bezugsgröße für das relative Herzgewicht und darüber hinaus für eine Grenzwertbestimmung zwischen herzgesunden und KMP-Katzen dar. Des Weiteren lagen die Werte in der Gruppe der KMP-Katzen in Bezug auf die Gesamtquerschnittsfläche, die Querschnittsfläche der rechten und linken Ventrikelwand und auch die Werte der Querschnittsfläche des Septums in je einer im Querschnitt (jeweils mit und ohne Papillarmuskulatur) untersuchten Lokalisation des Herzens signifikant über den Werten der Kontrollgruppe. Diagnostisch nutzbare Grenzwerte konnten bei dieser Kasuistik im Bereich der Querschnittsfläche der linken Ventrikelwand mit Papillarmuskulatur sowie bei der Querschnittsfläche der linken Ventrikelwand mit Septum und Papillarmuskulatur ermittelt werden.
    In Bezug auf die histologischen Untersuchungen ergaben sich überraschenderweise keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der maximalen und minimalen Durchmesser sowie der Querschnittsflächen der Kardiomyozyten und/oder ihrer Kerne, obwohl diese Veränderungen im Zusammenhang mit hypertropher Kardiomyopathie beim Menschen diskutiert werden. Auch konnte in der Gruppengesamtheit der KMP-Katzen kein signifikanter Unterschied bezüglich des Anteils der Fibrose ermittelt werden. Damit ist die Histomorphometrie für eine klare, objektive Beurteilung dieser Krankheit als ungeeignet anzusehen. Darüber hinaus konnte die aufgestellte Hypothese der häufigeren Verzweigung der Herzmuskelfasern nicht bestätigt werden.
    Interessant war die Beobachtung, dass ab einer Querschnittsfläche von 210 µm2 der pro-zentuale Anteil der Kardiomyozyten in der Gruppe der KMP-Katzen größer war. Diese Be-obachtung steht im Gegensatz zu den Werten der Kontrollkatzen, bei welchen prozentual mehr Kardiomyozyten mit kleineren Querschnittsflächen nachgewiesen wurden.
    Zu diagnostischen Zwecken wird auch aufgrund des hohen Zeit- und Arbeitsaufwandes der histomorphometrischen Untersuchung die makroskopische Vermessung empfohlen. Hier ist speziell die Vermessung der Querschnittsfläche der linken Ventrikelwand mit Papillar-muskulatur sowie die Vermessung der Querschnittsfläche der linken Ventrikelwand mit Septum und Papillarmuskulatur zu empfehlen, welche sich schnell und einfach durchführen und auswerten lassen. Dies könnte ein in der Zukunft hilfreiches, objektives und einfaches Werkzeug zur Routinediagnostik der hypertrophen Kardiomyopathie darstellen. Die hier erhobenen makroskopischen Grenzwerte sollten jedoch an einer deutlich größeren Kasuistik verifiziert werden.