Fachbereich Veterinärmedizin


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    Sympathische Grenzstrangganglien des Rindes als Risikomaterial bei BSE (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Kropp, P
    Quelle
    Berlin: Mensch & Buch Verl., 2008 — 157 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-589-9
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000012567
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Anatomie

    Koserstr. 20
    14195 Berlin
    +49 30 838 53555
    anatomie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Im BSE-Geschehen breiten sich, nach der Fütterungshypothese, die pathogenen Prionen vom Magen-Darm-Trakt über das periphere Nervensystem zum Gehirn aus. In der EU unterliegen für den Verzehr geschlachtete Rinder über 30 Monate einem BSE-Schnelltest. Die Entnahme der Probe erfolgt in der Obexregion des Stammhirnbereichs. Aufgrund des langen Transfer-wegs kann sich das BSE-Agens trotz negativen Tests in den Rindern befinden. Diese uner-kannten BSE-infizierten Schlachtrinder stellen ein Risiko für den Verbraucher dar. Daher werden bestimmte Gewebe, die als möglicher Transferweg der Prionen gelten, in der Verord-nung (EG) Nr. 999/2001 als spezifizierte Risikomaterialien (SRM) definiert und nach der Schlachtung entfernt und vernichtet. Jedoch verbleiben Nervengewebe im Schlachtkörper, die nicht unter diese Reglementierung fallen, aber dennoch als Pfad für Prione zutreffen. Hierzu zählt der sympathische Grenzstrang mit seinen Ganglien als Teil des autonomen Nervensys-tems. Zunächst wurde die anatomische Lage beschrieben, um dann makroskopisch Länge, Breite und Gewicht zu erfassen. Diese Werte gaben Aufschluss auf die mittleren Maße der verschiedenen Ganglien und im Verlauf des Grenzstranges. Morphometrisch wurde der größtmögliche Anschnitt eines Ganglions vermessen und die darin befindliche Anzahl von Nervenzellkörpern (Perikarien) gezählt. Auf deren Zelloberfläche werden die Prionen expri-miert. Die Ganglien mit der höheren Perikarienanzahl im Anschnitt können demnach ein höheres BSE-Restrisiko tragen. Größe, Gewicht und Perikarienanzahl eines Grenzstranggang-lions korrelierten miteinander. Das größte Ganglion, Ganglion stellatum, war auch das Schwerste und hatte eine hohe Anzahl an Perikarien auf dem Anschnitt. Während die vorde-ren thorakalen Ganglien ebenfalls hohe Werte hatten, waren die hinteren Brustgrenzstrang-ganglien und die ersten vier Lendenganglien kleiner und leichter und hatten nicht so eine hohe Perikarienanzahl. Die Werte der Ganglien L5, L6 und S1 waren bezüglich der Breite, Länge und des Gewichts und morphometrisch bei der Anzahl der Perikarien deutlich erhöht zu den Durchschnittswerten der anderen Grenzstrangganglien. Die Werte der weiteren Sakralganglien waren regressiv.
    In die Lebensmittelkette gelangen zu verschieden hohen Anteilen das Ganglion stellatum (G.s.), die Ganglien des vorderen Brustbereiches (T2-T6) sowie die Ganglien des Lendenbe-reiches (L1-L6), während die Ganglien des hinteren Brustbereiches (T7-T13) und des Kreuz-beines (S1-S5) fast immer am Knochen verblieben und zum Großteil mit der Wirbelsäule als SRM entsorgt werden,
    Um den Verbraucher einem geringeren Risiko auszusetzen, sollte das Ganglion stellatum auf Grund seiner Größe und entsprechend den Möglichkeiten der praktischen Umsetzbarkeit als SRM deklariert werden. Für die weiteren Ganglien des Brustbereiches und des Kreuzberei-ches kann es ausreichend sein, Vorschriften zu formulieren. Diese kann zur Entfernung der anhaftenden Muskulatur und zur standardisierten Sägung der Querfortsätze von den Wirbel-knochen beitragen. Die Ganglien des Lendenbereiches (L1-L6) sind aufgrund ihrer Lage im Binde- und Fettgewebe der Filetkette sehr schwer auffindbar. Daher können diese Ganglien in der Praxis nicht zuverlässig entfernt werden.