Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Untersuchung des DNA-Addukt-Bildungspotentials von ausgewählten Pharmazeutika (2008)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Ehrentraut, C.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2008 — IV, 228 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-563-9
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000009890
    Kontakt
    Institut für Pharmakologie und Toxikologie

    Koserstr. 20
    14195 Berlin
    +49 30 838 53221
    pharmakologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    DNA-Addukte sind sowohl aufgrund ihrer möglichen Beteiligung an mutagenen und karzinogenen Prozessen als auch als Expositionsindikatoren gegenüber Mutagenen von großem Interesse. Für viele verschiedene umweltbedingte und arbeitsbedingt relevante Substanzen, wie zum Beispiel Benzo(a)pyren und aromatische Amine, sind verschiedene Schritte in der Krebsentstehung, ausgelöst durch DNA Adduktbildung, gut beschrieben. Pharmazeutika dagegen sind weit weniger gut untersucht. Um das Wissen über das DNA Adduktbildungspotential von Medikamenten zu erhöhen, sollten in der vorliegenden Arbeit ausgesuchte Pharmazeutika mit Hilfe des 32P-Postlabeling-Verfahren in Rattenleberschnitten untersucht werden.
    Es wurden Pharmazeutika ausgewählt, welche bereits mindestens 30 Jahre auf dem deutschen Markt erhältlich waren und ein Molgewicht von 100 bis 600 g/mol aufwiesen. Diese Kriterien wurden angewandt, um zu gewährleisten, dass die Latenzzeit der meisten Krebsentstehungen durchlaufen wurde und die DNA Addukte aufgrund ihrer Größe im 32P-Postlabeling-Verfahren auch detektierbar sein würden. Mit Hilfe der IARC-Klassifizierung, dem in silico DEREK-Programm und einer epidemiologischen Literaturstelle wurden die insgesamt erhaltenen 734 Substanzen weiter unterteilt und jeweils repräsentativ ausgewählt.
    Nach Inkubation der Pharmazeutika mit Rattenleberschnitten in einem statischen Inkubationssystem wurde die DNA isoliert. Die entstandenden DNA-Addukte wurden angereichert, mit 32P markiert und über ein Dünnschichtchromatographie-Verfahren sichtbar gemacht.
    In der vorliegenden Arbeit wurde gezeigt, dass das eingesetzte 32P-Postlabeling-Verfahren, welches für die Untersuchung von DNA-reaktiven steroidalen Substanzen optimiert wurde, in der Lage ist, DNA-Addukte verschiedener Substanzklassen zu identifizieren. Jedoch wurden bei einigen Pharmazeutika (z.B. den Alkylantien Chlorambucil, Cyclophosphamid und Melphalan), bei denen DNA Addukte erwartet wurden, keine DNA-Addukte identifiziert. Dies lässt sich höchst wahrscheinlich durch die strukturellen Veränderungen der DNA-Basen durch die Alkylierung erklären, welche zu klein waren, um mit Hilfe der Chromatographie sichtbar gemacht zu werden. Ferner konnte gezeigt werden, dass das Adduktlevel und das spezifische Adduktpattern von verschiedenen Faktoren, wie z.B. Alter, Geschlecht, Gewebe und Spezies abhängig ist und die Auswertung durch das Vorkommen von I-Compound erschwert sein kann.

    Allerdings ermöglicht die DNA-Addukt–Analyse in Gewebeschnitten eine Untersuchung von verschiedenen Substanzen und auch Konzentrationen aus z.B. ein und derselben Leber in einem in vitro Versuch. Aufgrund des möglichen Einsatzes von verschiedenen Geweben (in dieser Arbeit: Leber und Niere) wird die Effizienz und Aussagekraft dieser Methode noch erhöht. Auch der benötigte Einsatz von nur geringen Substanzmengen bildet einen weiteren Vorteil dieses Verfahrens. Diese Analyse kann vorteilhaft zur Abklärung von Risikobewertungen bei uneinheitlichen positiven und negativen Ergebnissen aus Kanzerogentitäts- und Mutagenitätstests herangezogen werden, auch wenn sich dieses Verfahren sehr aufwendig und zeitintensiv darstellt.