Fachbereich Veterinärmedizin


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    Hypokaliämie beim Rind:
    Beeinflussung der Kaliumbilanz durch therapeutische Eingriffe in den Glucose- und Elektrolythaushalt (2010)

    Art
    Vortrag
    Autoren
    Ott, A.
    Leonhard-Marek, S.
    Müller, K. E. (WE 18)
    Kongress
    5. Doktorandensymposium und DRS Präsentationsseminar "Biomedical Sciences"
    Berlin (Deutschland), 02.07.2010
    Quelle
    5. Doktorandensymposium und DRS Präsentationsseminar "Biomedical Sciences" - Programm & Abstracts
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2010 — S. 18–19
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
    Gebäude 26
    14163 Berlin
    +49 30 838 62261
    klauentierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Wiederkäuer nehmen aufgrund starker Düngung des Pflanzenaufwuchses häufig Kaliummengen auf, die weit über ihrem Bedarf liegen. Von dem aufgenommen Kalium werden 79 ? 97% im Magen-Darmtrakt resorbiert (Khorasani et al 1997, Bannink et al. 1999). Kalium spielt eine entscheidende Rolle beim Aufbau und Erhalt des Membranpotentials und somit an der Erregbarkeit von Muskel- und Nervenzellen, folglich sind diese Zellen von Veränderungen der extrazellulären Kaliumbilanz betroffen, da nur 2% des gesamten Kaliums im Körper außerhalb der Zellen vorhanden ist. Ein Anstieg der extrazellulären Kaliumkonzentration kann zu einer lebensbedrohlichen Hyperkaliämie mit Herzarrythmie und Störungen anderer erregbarer Zellen führen, daher wird eine gesteigerte Aufnahme von Kalium mit einer erhöhten Kaliumausscheidung über die Nieren beantwortet. Dies geschieht primär unter Beteiligung hepatoportaler und/oder gastrointestinaler Sensoren (Rabinowitz et al. 1988, Morita et al. 2000, Lee et al. 2007). Bei sehr hoher Kalium-Aufnahme- und -Resorptionsrate kann der Plasma-K-Spiegel ansteigen, dies führt zur Sekretion von Aldosteron aus den Glomerulosazellen der Nebenniere und einer verstärkten Kaliurese (Meyer 1971). Trotz dieser offensichtlichen ?Kaliumüberversorgung? werden bei Milchkühen regelmäßig Fälle von Hypokaliämie beobachtet, die sich nur schwer oder gar nicht über eine parenterale oder perorale Verabreichung von Kalium beeinflussen lassen. Nicht selten kommen die Tiere im Laufe der Erkrankung zum Festliegen und müssen aufgrund einer aussichtslosen Prognose euthanasiert werden (Peek et al. 2003, Sattler et al. 1996). Die exakte Ursache für diese Form der therapieresistenten Hypokaliämie ist bisher noch unbekannt. Es liegen einige Arbeiten vor, in denen das klinische Bild der Hypokaliämie beschrieben wird (Johns et al. 2004, Peek et al. 2003, Sattler et al. 2001). Die Autoren gehen davon aus, dass das Problem beim Rind in der Praxis selten erkannt wird, da selten selektiv danach gesucht wird und deshalb unterschätzt wird (Goff 2006).
    Vermutliche Gründe für das Auftreten von Hypokaliämien könnten eine ungenügende Futteraufnahme, eine erhöhte K-Exkretion, Kaliumverschiebungen in den Intrazellulärraum oder eine Kombination dieser Faktoren sein.
    Mit Hilfe des vorliegenden Studiendesigns soll untersucht werden, inwieweit eine orale oder parenterale Verabreichung von Kaliumchlorid den Kaliumhaushalt der Milchkuh beeinflusst. Darüber hinaus sollen die Effekte von in der Praxis üblichen, der Behandlung von Stoffwechselerkrankungen dienenden Maßnahmen, auf den Kaliumhaushalt untersucht werden. Zu diesem Zweck werden zunächst an gesunden Kühen Kaliumbilanzen erstellt. Nachfolgend werden an denselben Tieren die Effekte einer oralen bzw. parenteralen Kaliumverabreichung sowie einer Verabreichung von Glukose und Kortikosteroiden auf den Kaliumhaushalt untersucht.
    Die Studien sollen zum Verständnis der Pathogenese von Hypokaliämien bei Milchkühen beitragen und unter Umständen zur Empfehlung neuer Therapiekonzepte für die Behandlung einer Hypokaliämie führen.