Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Verhaltensstörungen bei Mastschweinen und deren Einfluss auf Befunde in der Fleischuntersuchung (2007)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Ziemke, Julia Victoria
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2007 — 167 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-226-3
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000003024
    Kontakt
    Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene

    Königsweg 69
    14163 Berlin
    +49 30 838 62550
    lebensmittelhygiene@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Die Beobachtungen: In der Intensivmast des Schweines treten Verhaltensstörungen auf, wobei insbesondere hervorgehoben werden: das Schwanzbeißen, das Ohrenbeißen und die Analmassage. Unter dem Oberbegriff „Schwanzbeißen“ werden zwei ähnliche Verhaltensstörungen beim Schwein zusammengefasst. Unterschieden werden das Schwanzkauen und das unter dem Oberbegriff „Schwanzbeißen“ bezeichnete Schwanzfressen (Caudophagie). Bei der Verhaltensstörung Schwanzfressen (Caudophagie) wird über das Schwanzknabbern hinaus die Schwanzspitze der Artgenossen abgebissen und anschließend gefressen. Auf diese Weise kann der gesamte Schwanz abgefressen werden. Eine weitere, mögliche Vorstufe des Schwanzbeißens kann das so genannte „tail- in- mouth- behavoiur“ (TIM) der Absatzferkel darstellen. Beim Ohrenbeißen werden die Ohren durch Artgenossen besaugt und bewühlt, später kommt es zur Beschädigung der Haut mit anschließendem Blutaustritt. Diese Verhaltensstörung tritt vorrangig im Alter von 10 bis 12 Wochen auf. Bei der so genannten Analmassage kommt es durch das ständige Massieren des Afterbereiches zu starken Schwellungen und Blutungen. Beim Analbeißen wird am Rand des äußeren Analbereichs gebissen, so dass es zur Herausbildung blutiger Gewebeläsionen kommt. In schweren Fällen ist der gesamte Perianalbereich betroffen, so dass es zum Vorfall des Rectums kommen kann. Die Kausalitäten: Durch die Verwendung intensiver Haltungstechnik wird die Ausübung bestimmter Verhaltensweisen stark eingeschränkt. Es kommt zu Handlungen am Ersatzobjekt (hier Buchtengenossen), wodurch diesem einerseits Schaden zugefügt wird, andererseits die diesem Verhalten zugrunde liegende Motivation des verursachenden Tieres jedoch nicht befriedigt werden kann. In der Literatur werden Hinweise auf Faktoren aufgezeigt, die die Entstehung des Schwanzbeißens begünstigen. Diese Faktoren finden sich vor allem im Bereich der Haltungsumwelt. So üben die Bodengestaltung der Bucht, das Angebot an Beschäftigungsmöglichkeiten, die Besatzdichte/ Gruppengröße, stallklimatische Einflüsse, ebenso wie das Kupieren der Schwänze, aber auch „tierspezifische“ Faktoren, wie das Geschlecht und soziale Hierarchien in der Tiergruppe, Ernährung, Fütterungsregime und Erkrankungen einen Einfluss auf die Entstehung vor allem des Schwanz-, aber auch des Ohrenbeißens aus. Vor allem bei Haltung auf Voll- und Teilspaltenböden muss vermehrt mit dem Auftreten von Schwanzbeißen gerechnet werden. Auffällig war das vermehrte Auftreten von Schwanzbeißen bei Borge. Eindeutige Gründe hinsichtlich dieses Phänomens sind in der Literatur nicht genannt. Auch kann die Rangposition des einzelnen Tieres das Schwanzbeißen begünstigen, da die soziale Position des Schweins in der Tiergruppe in enger Korrelation zum Körpergewicht steht. Schwanzgebissene Tiere waren häufig leichter als unversehrte Schweine. Das niedrigere Körpergewicht kann sowohl Ursache als auch Folge des Schwanzbeißens sein. Es wurden verschiedene Erklärungen hinsichtlich der Ursache dieser Beobachtung aufgeführt. Einige Autoren berufen sich auf rangabhängige Verhaltensstrategien, wonach schwerere, ranghöhere Schweine eher zu Verhaltensstörungen neigen als leichtere, rangtiefrer Tiere; andere Quellen führen wachstums- und nährstoffbedingte Mangelzustände oder subklinische Erkrankungen bei leichten Schweinen an. Folgen: Als Folge dieser Verhaltensstörungen kommt es sowohl im gesundheitlichen als auch im ökonomischen Bereich zu Einbußen. Schwanzgebissene Tiere leiden nicht nur unter Infektionen des Schwanzstumpfes und der umliegenden Gewebe, sondern es kommt auch zu Kümmerwachstum, verminderten Tageszunahmen, Schäden am Schlachtkörper, teilweise- oder kompletter Untauglichkeit sowie Mindererlösen aus dem geschlachteten Tier. Präventionsmaßnahmen: Zur Vermeidung vor allem des Schwanzbeißerphänomens wird häufig der Schwanz kupiert. Hierbei werden lediglich die Folgen des Schwanzbeißens eingedämmt, die Ursache dieser Verhaltensstörung wird nicht beseitigt. Nach Sichtung der Literatur konnte keine eindeutige Aussage hinsichtlich der Wirksamkeit dieser Präventionsmethode abgeleitet werden. Präventionsmethoden, die auf die artspezifischen Verhaltensweisen der Schweine eingehen, dienen vor allem der Verbesserung bestehender Haltungssysteme. Hierbei wird den Schweinen Beschäftigungsmaterial, z.B. Stroh in kleinen Mengen oder Beiß- und Kauhölzer angeboten. Hierbei ist eine länger andauernde, gleichzeitige Beschäftigung mehrerer Tiere in der Bucht möglich. Die EU trägt diesen Entwicklungen Rechnung, indem europaweit geltende Richtlinien erstellt wurden, welche den ständigen Zugang der Mastschweine zu verschiedenen Beschäftigungsmaterialien regeln. Deutschland hat diese Richtlinie inzwischen in nationales Recht umgesetzt.