Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Die Hornqualität in den physiologischen und pathologischen Ringen der Hufkapsel beim Przewalskipferd (Equus ferus przewalskii) (2005)

    Art
    Vortrag
    Autoren
    Schnitker, P.
    Budras, K. D.
    Kongress
    89. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie
    Wuppertal, 18. – 21.05.2005
    Quelle
    Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Pathologie : 89. Tagung
    Kontakt
    Institut für Tierpathologie

    Robert-von-Ostertag-Str. 15
    Gebäude 12
    14163 Berlin
    +49 30 838 62450

    Abstract / Zusammenfassung

    Neben den physiologischen Hornringen (Erhabenheiten und Furchen) kommt es im Rahmen von Krankheitsverläufen, beispielsweise im Zuge einer Hufrehe, zu deutlich sichtbaren Ringausprägungen in der Hufkapsel des Pferdes. Sowohl die physiologisch als auch die pathologisch entstandenen Ringe scheinen beim in Gefangenschaft lebenden Urwildpferd in einem Zusammenhang zu den längenregulativen Vorgängen am Huf zu stehen. Dabei kommt es neben dem Hornabrieb am Tragrand zu Ausbrüchen von Hornfragmenten entlang der Ringe. Es stellt sich die Frage, warum die Hornringe bei halbwild gehaltenen Przewalskipferden stärker ausgeprägt sind als bei solchen in Zoologischen Gärten und ob qualitative Unterschiede zum übrigen Kronhorn bestehen.
    Im Rahmen dieser Fragestellungen wurden die Hufe von 15 Przewalskipferden, welche teils aus Semireservaten und teils aus Zoologischen Gärten stammen, in verschiedenen Bereichen des Kronhorns licht- und elektronenmikroskopisch sowie morphometrisch hinsichtlich der hornqualitätsbestimmenden Faktoren untersucht. Dabei wurden Tragrandausbrüche und die konkaven und konvexen Hornringe in die Untersuchungen mit einbezogen.
    Bei den Hufen der Pferde aus Semireservathaltung zeigten sich größere saisonale Schwankungen in der Hornstruktur und ein gehäuftes Auftreten von konkaven und konvexen Ringen in der Hufkapsel, welche sich histometrisch durch kleine bzw. große Kronhornröhrchen auszeichneten. Zudem wiesen die konvexen Ringe ebenso wie die Bruchkante der Tragrandausbrüche einen blasig erweiterten Interzellularspalt bei verminderter Festigkeit auf. Bei den Tieren aus Zoologischen Gärten waren hingegen die Qualitätsunterschiede des Hufhorns weniger deutlich. Die im Zuge einer Hufrehe entstandenen Hornringe zeigten histometrisch Ähnlichkeiten zu den Fütterungsringen der halbwild gehaltenen Pferde und unterschieden sich von den physiologischen Ringen der Przewalskipferde aus Zoologischen Gärten. Die Hufrehe trat bei wenigen Tieren eines Semireservates in den Frühlingsmonaten auf, zeitgleich zeigten alle Tiere der Herde eine Diarrhoe. Dabei sollen die hohen Fruktangehalte der Pflanzen im Frühling eine wichtige Rolle in der Pathogenese der Hufrehe spielen, da diese Kohlenhydrate nach oraler Aufnahme eine enterale Dysbiose mit nachfolgender Endotoxinfreisetzung bewirken.
    Bei den halbwild gehaltenen Przewalskipferden im Semireservat ist die Ringbildung für einen Selbstregulierungsmechanismus der Huflänge essentiell. Dabei fungiert der konkave Ring als Kerbe während sich der eigentliche Tragrandausbruch entlang der Konvexität erstreckt. Die Tragrandausbrüche in den Monaten Mai bis September bewirken die natürliche Huflängenregulation im Semireservat, da der bloße Hornabrieb am Tragrand unzureichend ist. Dieser Mechanismus fehlt den Przewalskipferden in Zoologischen Gärten, da die Hornqualitätsunterschiede im Kronhorn weniger ausgeprägt sind.