Fachbereich Veterinärmedizin


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    Immunhistochemische Untersuchungen zum Vorkommen von Scrapie-Prionprotein in ovinen Geweben (2011)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Reckzeh, C
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2011 — VIII, 110 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-071-3
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000034866
    Kontakt
    Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene

    Königsweg 69
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62550 Fax.+49 30 838 46029
    email:lebensmittelhygiene@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Aus einer natürlich mit Scrapie infizierten Herde standen Gewebeproben von sechs Ziegen und 169 Schafen mit empfänglichen Genotypen zur Verfügung, die auf das Vorhandensein des Scrapie-Erregers untersucht wurden. 40 Schafe zeigten bei der Untersuchung des Stammhirns mittels Schnelltest ein positives Ergebnis. Die 129 Schafe und sechs Ziegen, die im Stammhirn negativ waren, wurden in weiteren Geweben untersucht. Ziel der Untersuchung war einerseits, die Aussagekraft des Untersuchungsmaterials Obex für den TSE-Status des Tieres und andererseits, die tatsächliche Prävalenz von Scrapie in einer betroffenen Herde festzustellen. Außerdem sollten mit der Studie die möglichen Eintrittspforten, damit auch der Informationswert verschiedener Proben für eine Antemortem- Diagnostik und die Verteilung von PrPSc im Tierkörper dargelegt werden.
    Die immunhistologischen Untersuchungen auf PrPSc wurden an Gewebeproben des Ileums, der Nll. ileocolici sowie des Nl. retropharyngeus lateralis, der Tonsilla palatina und der Membrana nictitans von allen 135 Tieren durchgeführt. Gelang der Nachweis von PrPSc in einem der genannten Gewebe, so wurden auch die weiteren vorhandenen Proben des Tieres untersucht (Nl. cervicalis superficialis, Milz, Rektum, Plexus solaris, Ganglion cervicale craniale, Ganglion stellatum, Nervus vagus, Zunge).
    Es zeigte sich, dass 13 (10 %) der 129 untersuchten Schafe trotz des negativen Schnelltestergebnisses aus der Obexregion bereits PrPSc in peripheren Geweben akkumuliert hatten. Von den insgesamt 53 Schafen, bei denen PrPSc nachgewiesen werden konnte, sind somit 13 Schafe (24,5 %) nicht vom Schnelltest erfasst worden. Das sind bezogen auf die Anzahl untersuchter Schafe der Herde 7,7 %.
    Die am häufigsten positiven Organe waren die Tonsilla palatina und der Nl. Retropharyngeus lateralis mit je neun positiven Ergebnissen. Ileum, Nl. cervicalis superficialis und Milz zeigten je acht positive Ergebnisse. Der Nachweis von PrPSc im peripheren Nervensystem (Plexus solaris) gelang in sechs Fällen. Alle sechs Schafe zeigten ebenfalls ein positives Ergebnis in der Immunhistochemie in den Intramuralganglien des Ileum, drei davon auch in den Intramuralganglien des Rektum. Das Gewebe mit der geringsten Anzahl positiver Ergebnisse war das Dritte Augenlid bei zwei Tieren.
    Alle untersuchten Proben der sechs Ziegen waren negativ.
    Diese Studie zeigt, dass durch eine Post-mortem-Untersuchung des Obex mittels Schnelltest, Schafe in der präklinischen Phase der Scrapie nicht vollständig erfassbar sind. Die Scrapie-Prävalenz wird also bei der alleinigen Untersuchung von Gehirnmaterial deutlich unterschätzt. Die Untersuchung von lymphatischen Geweben kann infizierte Tiere bereits in der präklinischen Phase der Erkrankung detektieren. So wäre die Kombination beider Untersuchungsmaterialien für die Erhebung der tatsächlichen Prävalenz geeignet.
    Die Eintrittspforten und die Verbreitung des Erregers im Tierkörper, die in anderen Studien dargelegt wurden, konnten weitgehend bestätigt werden.
    Als aussagekräftiges Probenmaterial für eine Ante-mortem-Untersuchung hat sich in dieser Studie die Tonsilla palatina herausgestellt. Weniger gute Ergebnisse brachte hier die Untersuchung des Rektums und des Dritten Augenlides.