Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Verknüpfung ausgewählter Daten zur Bestandscharakterisierung beim Mastschwein (2011)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Langkabel, N
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2011 — XLIII, 112 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-026-3
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000025257
    Kontakt
    Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene

    Königsweg 69
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62550 Fax.+49 30 838 46029
    email:lebensmittelhygiene@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Mit Inkrafttreten der VO (EG) 854/2004 wurde eine Überwachung für Mastschweine ermöglicht, die sich am Risiko orientiert, das die Tiere tragen. Dies gilt nur für Tiere, die seit dem Absetzten in kontrollierten Haltungsbedingungen in integrierten Produktionssystemen gehalten wurden. Die VO (EG) 1244/2007 konkretisiert diese Bedingungen, ohne genaue Angaben zur Art der zu sammelnden Daten und Untersuchungen vorzuschreiben. Mit der vorliegenden Arbeit sollte eine Kombination von Infrastrukturgegebenheiten, Laboruntersuchungen und p. m. Daten im Hinblick geprüft werden:
    • ob die Datensammlung im realen Datenfluss eines Schlachtbetriebes möglich ist,
    • ob ein Bestandsprofil erstellt werden kann,
    • ob diese Kombination weiteren Aufschluss im Sinne der VO (EG) 854/2004
    ermöglicht.
    Dazu standen 296 Mastbetriebe aus zwei Erzeugergemeinschaften (EZG 1: 230 Betriebe, EZG 2: 66 Betriebe), die an einen nordwestdeutschen Schlachtbetrieb liefern, zur Verfügung. Aufgenommen wurden 56 Haltungsparameter, Ergebnisse von ELISA-Untersuchungen an Fleischsaftproben auf Salmonella, Trichinella und Yersinia sowie hygienisch aussagekräftige p. m. Befunde aller angelieferten Schweine der Betriebe im Beprobungszeitraum von 2005 – 2009. Die Daten wurden anschließend zu einem Bestandsprofil verknüpft.

    Material und Methode
    Insgesamt wurden 3346 Fleischsaftproben untersucht, wobei der Mindestumfang der Proben 10 pro Betrieb betrug (Untersuchungsumfang: Trichinella n = 10, Yersinia n = 6). Diese
    Untersuchungen wurden als eigene Untersuchungen in den Institutslabors durchgeführt. Die Untersuchungsergebnisse auf Salmonella-Antikörper wurden in einem externen Labor im Rahmen des Salmonella-Monitorings erhoben und in dieses System importiert.
    Sobald bei einem Betrieb ein positiver Antikörpernachweis erfolgte, wurde der Betrieb für den jeweiligen Erreger als positiv gewertet.

    Ergebnisse
    Es wurden acht Betriebe identifiziert, die lediglich Antikörper gegen Salmonella aufwiesen und 93 Betriebe, die nur Antikörper gegen Yersinia aufwiesen. Der Großteil der Betriebe
    (192 Betriebe) wies Antikörper gegen Salmonella und Yersinia auf (positive Betriebe) und bei nur 3 Betrieben wurden Antikörper überhaupt nicht nachgewiesen (negative Betriebe). Alle auf Trichinella-Antikörper untersuchten Proben waren Trichinella-negativ.
    Weder beim Vergleich der beiden Erzeugergemeinschaften untereinander, noch beim Vergleich der negativen Betriebe untereinander, noch beim Vergleich der positiven und negativen Betriebe bestanden signifikante Unterschiede in der Haltung.
    Daraufhin wurden die Cut-off-Werte des Salmonella- und Yersinia-ELISA heraufgesetzt, um Bestände mit stärkerer Antigenbelastung zu identifizieren. 22 Betriebe wurden als stark belastet mit Salmonella und / oder Yersinia gewertet. Auch ein Vergleich dieser Betriebe mit den negativen Betrieben zeigte keine signifikanten Unterschiede in den Haltungsbedingungen.
    Daraufhin wurden 11 hygienisch aussagekräftige p. m. Befunde für die stark belasteten Betriebe zusammengestellt. Es konnten drei Betriebe identifiziert werden, die besonders häufig an der Spitze der für die p. m. Befunde erstellten Ranglisten standen. Die Haltungsbedingungen dieser drei Betriebe wurden erneut miteinander verglichen und es zeigten sich Beobachtungen im Bereich der Desinfektion, des Einstallungssystems und der Einstreu, die bei näherer Betrachtung in einem ursächlichen Zusammenhang zur hohen Antikörperbelastung und bestimmten p. m. Befunden stehen könnten.

    Fazit:
    Datensammlung im Sinne des Lebensmittelkettengedankens ist möglich. Die mehrfache serologische Untersuchung einer Probe ist durchführbar, sofern ausreichend Probenmaterial zur Verfügung steht. Mittels reiner „ja-nein-Abfrage“ von Haltungsbefunden konnte nicht gezeigt werden, dass Haltungsbedingungen als solche auf das Vorliegen von Erregerbelastungen schließen lassen. Dieser Angabenkatalog kann jedoch dazu genutzt werden, eine grundlegende Charakterisierung des Betriebes aufzunehmen. Eine Graduierung der Laborergebnisse konnte helfen, stark belastete Betriebe zu identifizieren. Eine Kombination mit der Häufigkeit des Auftretens von p. m. Befunden führte zur Identifizierung von Betrieben, die als belastet und von ihrer Haltungstechnik als verdächtig eingestuft werden können.
    Ggf. müssen noch weitere Umstände in der Haltung, wie z. B. regionale Häufungen oder Haustierkontakte, berücksichtigt werden. Letztendlich konnten durch eine schrittweise und disziplinübergreifende Fokussierung Schwachstellen in der Haltung erkannt werden, die ansonsten nicht aufgefallen wären.