Fachbereich Veterinärmedizin


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    Bakteriologischer Status des Gewebes bei mit Mastitis geschlachteten Kühen (2011)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Daetz Heisler, J.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2011 — 212 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-017-1
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000024982
    Kontakt
    Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene

    Königsweg 69
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62550 Fax.+49 30 838 46029
    email:lebensmittelhygiene@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Euterentzündungen und dauerhaft erhöhte Milchzellzahlen stellen eine der bedeutendsten Abgangsursachen für Rinder in Milchviehbetrieben dar. Ein Großteil dieser Tiere wird der Schlachtung zugeführt. Auf dem Schlachthof ist es praktisch nicht möglich, Milchkühe zuverlässig als euterkrank zu erkennen. Dabei ist noch weitgehend unbekannt, ob im Gewebe von Tieren mit klinischer oder subklinischer Mastitis eine erhöhte und eventuell sogar lebensmittelhygienisch bedenkliche Keimkonzentration vorliegt gegenüber dem Gewebe von Milchkühen, die zum Zeitpunkt der Schlachtung keine Anzeichen einer Infektion und einen unauffälligen Euterstatus aufweisen.
    Ziel dieser Arbeit war es zu prüfen, ob das Gewebe von Milchkühen, die mit klinischer Mastitis, subklinischer Mastitis oder erhöhten Milchzellzahlen geschlachtet werden, einen erhöhten Keimgehalt in für den Verbraucher bedenklicher Konzentration aufweist.
    Dazu wurden 54 zur Schlachtung vorgesehene Rinder vor dem Transport zum Schlachthof im Milchviehbetrieb klinisch untersucht, Viertelgemelksproben entnommen und ein kurzer Vorbericht erhoben. Nach der Schlachtung wurden Proben von Eutergewebe, Ileofemorallymphknoten und Muskulatur entnommen und ebenso wie die Milchproben mikrobiologisch untersucht. Bei 27 Milchkühen handelte es sich um Tiere mit klinischer Mastitis, 21 Tiere wiesen eine erhöhte Milchzellzahl auf, ohne dass eine klinische Euterentzündung vorlag, und 6 Rinder waren eutergesunde Kontrolltiere. Die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchung wurden anschließend zusammen mit den im Herkunftsbetrieb erhobenen Daten ausgewertet.
    Bei den Rindern mit klinischer Euterentzündung wurde eine signifikant höhere Keimzahl im Eutergewebe nachgewiesen als bei den Tieren mit erhöhten Milchzellzahlen ohne klinische Mastitis und den Kontrolltieren. Erhöhte Keimzahlen in Lymphknoten- und Muskelgewebsproben bei Tieren mit klinischer Mastitis gegenüber den Tieren der beiden anderen Gruppen konnten dagegen statistisch nicht abgesichert werden.
    Nur bei einem Rind, welches eine klinische Mastitis aufwies, konnten die im Euter nachgewiesenen Keime auch aus dem Muskelgewebe isoliert werden. Beide Gewebe enthielten ebenso wie der Lymphknoten A.pyogenes und Enterobacteriaceae.
    Bei 11 Tieren lag eine Übereinstimmung der Keimflora von Euter- und Lymphknotenprobe vor. Betroffen waren 10 Milchkühe mit klinischer Mastitis und ein Kontrolltier. Bei den nachgewiesenen Keimen handelte es sich um S.uberis, A.pyogenes, Enterobacteriaceae und St.aureus.
    Das Spektrum der aus Milch- und Gewebeproben isolierten Keime umfasste hauptsächlich typische Mastitiserreger, darunter auch einige mit humanpathogenem Potential unterschiedlichen Schweregrades, wie Enterokokken, St.aureus, Bacillus spp. und Enterobacteriaceae.
    Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Praxis, euterkranke Rinder der Schlachtung zuzuführen, in der Regel kein erhöhtes Gefährdungspotential für den Verbraucher darstellt. Blut-Euter-Schranke und nachgeschaltete Lymphknoten scheinen ein effektives System darzustellen, um Mastitiserreger aus dem Euter an einer Streuung in die Muskulatur zu hindern.
    Es ist anzunehmen, dass die Vorschriften zum Inverkehrbringen von Milch (lebendes Tier) den Tierhalter u.U. dazu bringen können, sich von einem Tier zu trennen. In Konsequenz können jedoch genau diese Mechanismen dazu führen, das ein Konflikt mit den Vorgaben der Lebensmittelketteninformation entsteht, nach denen ein Tier mit einem (derzeit unklaren) Gefahren-/Risikopotential nicht für den menschlichen Verzehr geschlachtet werden darf.
    Der Nachweis teilweise hoher Keimkonzentrationen im Euter, auch eutergesunder Tiere, wirft darüber hinaus die Frage auf, ob das Euter von Milchkühen nicht generell als untauglich für den menschlichen Verzehr beurteilt werden sollte. Eine derartige Forderung wird vor allem durch den Umstand untermauert, dass in vielen Euterproben auch Keime mit humanpathogenem Potential nachgewiesen werden konnten.