Fachbereich Veterinärmedizin


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    Einfluss der Milchleistung und des Laktationsstadiums auf den Besamungserfolg nach Ovulationssynchronisation (2003)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Vogel, Corinna
    Quelle
    Berlin, 2003 — 143 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001268
    Kontakt
    Tierklinik für Fortpflanzung

    Königsweg 65
    Haus 27
    14163 Berlin
    +49 30 838 62618
    fortpflanzungsklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Auf einem milcherzeugenden Betrieb Brandenburgs wurde der Einfluss der Milchleistung und des Laktationsstadiums in Relation zur Abkalbung auf den Besamungserfolg nach Ovsynch untersucht.
    Bei allen Kühen wurde in der dritten Woche post partum eine Puerperalkontrolle durchgeführt. In der fünften Woche post partum wurde die durchschnittliche Tagesmilchleistung bestimmt. Anhand der Daten wurden die Tiere in drei Leistungsklassen eingeteilt. Kühe mit einer niedrigen Milchleistung wurden der Leistungsklasse 1 zugeteilt (Erstkalbinnen: 0 bis ≤ 25 kg, Kühe: 0 bis ≤ 32 kg). Der Leistungsklasse 2 wurden Tiere mit einer mittleren Milchleistung zugewiesen (Erstkalbinnen: > 25 bis ≤ 30 kg,
    Kühe: > 32 bis ≤ 40 kg). Kühe mit der höchsten Milchleistung wurden in der Leistungsklasse 3 zusammengefaßt (Erstkalbinnen: > 30 kg, Kühe: > 40 kg). Die eine Hälfte der Tiere gehörte der Gruppe "Einheitlicher Start" an und begann das Ovsynch Programm unabhängig von der Leistungsklasse zum selben Zeitpunkt in der Laktation (kB zwischen 74. bis 80. Tag post partum). Die andere Hälfte der Kühe wurde zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Laktation synchronisiert ("Leistungsabhängiger Start"). Kühe der Leistungsklasse 2 starteten das Ovsynch Programm zum selben Zeitpunkt, wie die Tiere der Gruppe "Einheitlicher Start". Die Leistungsklasse 1 der Gruppe "Leistungsabhängiger Start" begann das Ovsynch Programm drei Wochen früher in der Laktation (kB zwischen 53. bis 59. Tag post partum). Tiere mit der höchsten Milchleistung wurden drei Wochen später in der Laktation gestartet und terminiert besamt (kB zwischen 95. bis 101. Tag post partum).
    Zur Ovulationssynchronisation erhielten die Kühe 100 µg D - Phe6 - Gonadorelin (Depherelin®, Gonavet® 50, Veyx - Pharma Deutschland GmbH, Schwarzenborn) subcutan (s.c.), 7 Tage später 500 µg Cloprostenol (PGF Veyx® forte, Veyx - Pharma Deutschland GmbH, Schwarzenborn) i.m. und nach weiteren zwei Tagen 100 µg Gonadorelin s.c. Etwa 20 Stunden nach der letzten Injektion wurden alle Tiere unabhängig von äußeren und inneren Brunstanzeichen terminiert besamt. Wurden bei der täglichen Brunstbeobachtung Kühe nach Ablauf der Freiwilligen Wartezeit als rindernd erkannt, die sich nicht in einem Behandlungzyklus des Ovsynch Programmes befanden, so wurden diese besamt. Tiere, welche sich zwischen dem zehnten Tag post inseminationem und dem 42 Tag p.i. befanden und abbluteten, wurden in der darauffolgenden Woche erneut in das Ovsynch Programm aufgenommen. Trächtigkeitsuntersuchungen wurden durch den Tierarzt ab dem 42. Tag nach der Besamung durch rektale Palpation vorgenommen. Kühe, die nicht tragend geworden waren, wurden sofort erneut synchronisiert und anschließend terminiert besamt.
    Kühe mit einer niedrigen Milchleistung (Leistungsklasse 1) erkrankten häufiger an einer Endometritis. Es konnte keine Korrelation zwischen dem Auftreten von Endometritiden und dem Erstbesamungserfolg nach Ovsynch festgestellt werden.
    Die Leistungsklasseneinteilung anhand der durchschnittlichen Tagesmilchleistung in der fünften Woche post partum erwies sich retrospektiv über die gesamte Laktation (305 Tage Milchleistung) konstant. Der versetzte Ovsynch Beginn hatte offensichtlich keinen Einfluss auf die Laktationsleistung.
    Der Erstbesamungserfolg in der Gruppe "Einheitlicher Start" zeigte keine signifikanten Unterschiede. Bei der Gruppe "Leistungsabhängiger Start" war der Erstbesamungserfolg der Versuchsgruppe "Leistungsabhängiger Start 1" signifikant niedriger als der der beiden anderen Leistungsklassen. Außerdem war er signifikant niedriger als der Erstbesamungserfolg der gleichen Leistungsklasse in der Gruppe "Einheitlicher Start". Der signifikant höchste Erstbesamungserfolg wurde von der Versuchsgruppe "Leistungsabhängiger Start 3" erreicht. Er war gegenüber den Versuchsgruppen "Leistungsabhängiger Start 1 und 2" als auch zu der Versuchsgruppe "Einheitlicher Start 3" signifikant erhöht.
    Im Rahmen dieser Studie zeigte es sich, dass die Milchleistung keinen Einfluss auf den Besamungserfolg nach Ovsynch hatte. Es wurde eine Beziehung zwischen dem Zeitpunkt der Synchronisation in Relation zur Abkalbung und dem erfolgreichen Einsatz der terminierten Besamung nach Ovsynch erkannt.
    Die Güstzeiten der einzelnen Versuchsgruppen zeigten bei der Leistungsklasse 3 signifikante Unterschiede. In dieser Leistungsklasse hatten Kühe, die 3 Wochen später in der Laktation mit dem Ovsynch Programm begannen, eine um 11 Tage längere Güstzeit als Kühe, die 3 Wochen zuvor gestartet worden waren. In der Leistungsklasse 1 konnten die verkürzten Rastzeiten nicht in verkürzte Güstzeiten umgesetzt werden. Bis zum 200. Tag post partum waren in den Versuchsgruppen der jeweiligen Leistungsklassen gleich viele Tiere tragend geworden.
    Der versetzte Beginn des Ovsynch Programmes hatte demnach einen Einfluss auf die Länge der Güstzeit bei Tieren mit einer hohen Milchleistung, die sehr spät in der Laktation mit dem Ovsynch Programm begannen. Auf die Gesamtträchtigkeitsrate hatte der unterschiedliche Beginn keinen Einfluss. Die Anwendung des Ovsynch Programmes ermöglicht damit eine akzeptable durchschnittliche Güstzeit, ohne die Tiere sehr früh in der Laktation belegen zu müssen.
    Innerhalb der vorliegenden Studie wurde der Einfluss von Mastitiden auf den Besamungserfolg nach Ovsynch untersucht. Kühe, die in einem engen Zeitraum (3 Wochen) vor oder nach der Besamung an einer Mastitis erkrankten, hatten einen geringeren Erstbesamungserfolg. Beim Auftreten von Eutererkrankungen in der Laktation konnte eine 5 Tage längere Güstzeit festgestellt werden und die Laktationsleistung sank.
    In allen Versuchsgruppen wurden als ökonomisches Beurteilungskriterium für die Wirtschaftlichkeit die Gesamtkosten pro erzielter Trächtigkeit berechnet. Kühe mit einer hohen Milchleistung verursachten die höchsten Kosten pro Trächtigkeit. Insgesamt war es in allen Leistungsklassen kostengünstiger, Tiere später in der Laktation zu besamen. Den höchsten Einfluss auf die Kosten hatte die Remontierungsrate. Eine hohe Milchleistung verursachte einen hohen Remontierungsaufwand. Fruchtbarkeitsbedingte Abgänge können durch frühzeitige Besamungen in der Laktation nicht verringert werden. Kosten, die durch Tierarzt und Besamungen verursacht worden waren, lagen in allen Versuchsgruppen am niedrigsten.